Ausstellung

Hüppi in Schmallenberg: Selbstbewusste, nackte Frauen

Der Maler Johannes Hüppi.

Der Maler Johannes Hüppi.

Foto: Alexander Fischer

Schmallenberg.  Johannes Hüppi macht Frauen zu rätselhaften Heldinnen. In Schmallenberg läuft jetzt eine große Werkschau dieses bedeutenden Malers.

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Die Welt gehört den Frauen. Selbstbewusst, wissend und nackt blicken sie den Betrachter an. Sie baden im Bergsee, sitzen am Computer oder tragen Tabletts mit Weingläsern. Der Maler Johannes Hüppi erschafft mit seinen Bildern magische Traumwelten, die von archetypischen Figuren geprägt sind. Das Kunsthaus Alte Mühle in Schmallenberg zeigt jetzt eine große Ausstellung mit 75 Gemälden Hüppis aus der Sammlung Großhaus.

Johannes Hüppi kommt aus einer Schweizer Malerfamilie. Sein Vater Alfonso war lange Kunstprofessor in Düsseldorf, wo auch der Sohn studiert hat. Seine Mutter Brigitta Hüppi-Weber (1939-1996) war ebenfalls Malerin, sein Bruder Thaddäus ist Bildhauer.

Lennestädter Sammlerfamilie Großhaus holt Ausstellung

Die Schmallenberger Ausstellung kann dank des Engagements der Lennestädter Sammlerfamilie Großhaus den künstlerischen Werdegang des 53-Jährigen von den ersten Zeichnungen im Jahr 1987 bis zu staffeleifrischen Arbeiten von 2018 nachvollziehen. Als Hüppi sein Studium begann, dominierten Videos die Galerien und Museen.

Bewusst hat er sich gegen den Trend und für die Malerei entschieden, für die Figur, für die nackte Frau. Das ist heute nicht mehr unproblematisch. „Gerade angesichts der Me-too-Debatte wird die Frage nach der Nacktheit plötzlich schwierig“, sagt der Künstler. „Doch meine Protagonistinnen sind starke Frauen, ob jung oder alt, das ist egal, es sind immer Frauen und sie sind immer stark.“ Die Nacktheit entblößt oder demütigt diese Heldinnen nicht, sondern verleiht ihnen eine unberührbare Aura.

Ein Hund als Avatar des Künstlers

In den Bildern tritt häufig ein Tier auf, ein Hund, ein Bär. „Ich benutze Tiere wie in einer Fabel. Aber den Hund gibt es wirklich. Es handelt sich um einen Schweizer Sennenhund, mit dem ich in einer ziemlich einsamen Jugend stundenlang durch die Wälder gelaufen bin. Das ist mein Avatar. Wenn ich etwas nicht kann, kann der das.“

Göttervater Zeus findet Zugang zu der eingesperrten Danae, indem er sich in einen goldenen Regen verwandelt. Das alte Motiv der Befruchtung durch Goldstaub hat schon Gustav Klimt fasziniert. Auch Johannes Hüppi interpretiert die Geschichte in mehreren Arbeiten. Zu Danae treten Salome und Judith.

Gerne verbeugt er sich vor den großen Meistern, vor Francisco de Goya und seiner nackten Maja, vor Magritte, Corot, Valloton, Richter. „Ich marschiere die Kunstgeschichte regelmäßig ab. Es gibt Sinnbilder seit Adam und Eva“, sagt er. Wie interpretiert man diese klassischen Inhalte neu? Das ist die Frage, die Johannes Hüppi um- und antreibt. Der Maler schenkt seinen Frauen eine Bühne, setzt sie in meisterlicher Lichtführung in Szene. Und dann vollzieht sich das Wunder. Maja, Salome, Danae und Judith emanzipieren sich von der Hand des Malers, sie sind keine Geschöpfe , sondern Heldinnen, stark, zugewandt, rätselhaft.

Es ist diese geheimnisvolle Wahrhaftigkeit, die Johannes Hüppi zu einem derart angesehenen Maler macht. „Wie habt Ihr denn den Hüppi hier hingekriegt“, zitiert Christiane Kellersmann vom Kunsthaus Alte Mühle die Frage, die sie derzeit am häufigsten hört. Für Hüppi, den Kosmopoliten, der 20 Jahre in Düsseldorf lebte und von dieser Zeit 10 Jahre in den USA verbrachte, ist das Sauerland allerdings kein Fremdwort. „Durch die Familie Großhaus bin ich seit 2000 eng mit der Region verbunden“, betont er. „Ich habe ganz viele Sammler in Südwestfalen. Ich schätze, dass rund fünfhundert meiner Werke sich im Sauerland befinden. Das ist eine ganz starke kulturelle Region.“

Ausstellung bis 14. Oktober

Die Bilder und Graphiken von Johannes Hüppi sind vom 16. September bis 14. Oktober im Kunsthaus Alte Mühle in Schmallenberg zu sehen. Die Ausstellung wird am Sonntag um 16 Uhr eröffnet. Der Künstler ist anwesend. www.kunsthaus-alte-muehle.de

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