Verwarngeld

Hundehaufen-Strafe – So hoch ist das Bußgeld in Ihrer Stadt!

Hinweisschild gegen Hundekot. In Südwestfalen zahlen Hundehalter, die den Kot ihrer Tiere liegen lassen, vergleichsweise wenig.

Hinweisschild gegen Hundekot. In Südwestfalen zahlen Hundehalter, die den Kot ihrer Tiere liegen lassen, vergleichsweise wenig.

Foto: imago stock&people / imago/blickwinkel

Hagen.   Kommunen drohen Hundehaltern mit Geldbußen, falls sie den Tierkot nicht wegräumen. Ertappt wird kaum jemand. Städte suchen nun andere Lösungen.

Sagen wir es einmal mit Rudi Assauer, dem ehemaligen Schalke-Manager, treffend, aber nicht besonders fein: „Wenn der Schnee schmilzt, siehst du, wo die Scheiße liegt.“ Jetzt, da es Frühling wird, kommen Hundehaufen wieder besonders ärgerlich zum Vorschein. Die Stadt Werne will deshalb härter gegen Hundebesitzer vorgehen, die den Kot ihrer Lieblinge nicht wegräumen: Die Kommune im Münsterland hat das Bußgeld deutlich erhöht: von 35 auf 200 Euro.

Die Bußen

Im Vergleich kommen Sünder in Südwestfalen günstig davon. Wer in Brilon erstmals erwischt wird, zahlt nichts, sondern wird nur mit einem Schreiben ermahnt. Beim zweiten Mal kostet der Haufen 25 Euro; mit jeder Wiederholungstat verdoppelt sich das Bußgeld. Olpe verlangt 50 Euro pro Haufen, Hagen 40. Und in Siegen werden zwischen 5 bis 1000 Euro fällig.

Die Fallzahlen

1000 Euro für einen Haufen – der Betrag ist allerdings noch nie verlangt geworden in Siegen. Reich werden die Kommunen mit dem schmutzigen Geschäft nicht. Die Fallzahlen tendieren gegen Null. Vier bis fünf sind es jährlich in Arnsberg. An eine Erhöhung des Bußgeldes wie in Werne ist daher nirgends gedacht. Denn was sollte ein höheres Bußgeld bewirken, wenn es niemand zahlen muss?

Die Kontrollen

Dabei gibt es Sünder offensichtlich genug, auch in Südwestfalen. Doch um Bußgelder zu verhängen, müssten Herrchen oder Frauchen samt Hund in flagranti erwischt werden. Wenn allerdings, wie in Hagen, die Ordnungsamtsmitarbeiter in Uniform durch die Stadt gehen, „dann bücken sich auch diejenigen Hundehalter, die das sonst nicht tun“, sagt ein Sprecher der Stadt. Um sich an den Spazierwegen der Hundehalter verdeckt auf die Lauer zu legen, dafür habe man nicht genügend Personal, erklärt Peter Püttmann, Ordnungsamtsleiter in Olpe. Schwerpunktkontrollen führt die Stadt Iserlohn gelegentlich durch, jüngst auf einem Friedhof im Stadtgebiet, nachdem sich die Beschwerden über Haufen dort gehäuft hatten. „In der Regel kommen die Hundehalter dann der Aufforderung zur Beseitigung der Hinterlassenschaften nach und es bleibt bei einer mündlichen Verwarnung“, sagt eine Sprecherin.

Die Mitbürger

Doch auch, wenn vielen Bürgern die Haufen stinken, im Kampf dagegen möchte sich offenbar niemand – im übertragenen Sinn – die Finger schmutzig machen. Weil der Stadt das Personal für Kontrollen fehlt, „bräuchten wir Zeugen, um Verfahren einzuleiten“, erklärt Peter Püttmann in Olpe. Doch so viele Bürger sich an dem Kot stören mögen, es findet sich Peter Püttmann zufolge niemand, der bereit wäre, Namen zu nennen und als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Peter Püttmanns Rat lautet: „Unter Nachbarn miteinander sprechen.“

Die Alternativen

Brilon hat nun testweise an sieben Plätzen im Stadtgebiet Hundebeutelspender aufgestellt. Kostenpunkt für die sieben Spender, für Beutel und Leerung der Mülleimer: 2977,42 Euro. In anderen Kommunen gibt es die Beutelspender längst: 68 sind es im Stadtgebiet Schmallenberg – und jährlich kommen weitere hinzu.

Eine DNA-Datenbank für Hunde – „das planen wir jedenfalls nicht“, wehrt Hans-Günther Adrian, Pressesprecher der Stadt Ennepetal scherzhaft ab. Andere Kommunen denken längst darüber nach, Speichelproben von Hunden nehmen zu lassen, um die Häufchen zuordnen zu können. Im hessischen Lohra im Landkreis Marburg prüft die Gemeindevertretung derzeit diese Möglichkeit.

In Goslar hat die Stadt im vergangenen Jahr einen Wettbewerb ausgerufen. Wer einen Hundehaufen entdeckte, sollte ein Fähnchen reinstecken, einen witzigen Spruch darauf schreiben (zum Beispiel „Haufen sucht Herrchen“) und ein Foto davon auf Facebook posten. Dort konnten die anderen Nutzer ihren Favoriten liken und so zum Sieg klicken. Die Zahl der liegengelassenen Hundehaufen habe sich verringert, „allerdings hielt die Wirkung leider nur etwa zwei Monate“, so die Pressesprecherin der Stadt.

Das ganze Jahr über die Haufen mit Schnee bedecken, das ist jedenfalls keine Lösung.

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