Wirtschaft

Insolvenzverfahren der Kettler GmbH eröffnet

Der Hersteller des legendären Kettcars ist nach 2015 in diesem Sommer aufgrund finanzieller Schwierigkeiten erneut in eine Insolvenzverfahren gerutscht. Dass das Amtsgericht Arnsberg heute einer Eröffnung des ordentliche verfahrens zustimmte, ist erst einmal ein Hoffnungsschimmer.

Der Hersteller des legendären Kettcars ist nach 2015 in diesem Sommer aufgrund finanzieller Schwierigkeiten erneut in eine Insolvenzverfahren gerutscht. Dass das Amtsgericht Arnsberg heute einer Eröffnung des ordentliche verfahrens zustimmte, ist erst einmal ein Hoffnungsschimmer.

Foto: Lars Heidrich

Werl/Ense.   Das Insolvenzverfahren der Kettler GmbH ist eröffnet worden, nachdem im Juli ein Antrag auf Insolvenz in Eigenregie gestellt worden war.

Das Insolvenzverfahren der Kettler GmbH ist am Montag eröffnet worden. Der Sport- und Freizeitartikelhersteller aus Ense und Werl mit über 700 Beschäftigten stellte am 18. Juli dieses Jahres einen Antrag auf Insolvenz in Eigenregie beim Amtsgericht Arnsberg, nachdem monatelange Übernahme-Verhandlungen durch die internationale Finanzholding „Altera Capital“ aus Luxemburg vorerst gescheitert waren.

Streit zwischen Stiftung und Investor

Für den Hersteller des legendären Kettcars ist es nach der Insolvenz der Heinz Kettler GmbH im Jahr 2015 nun für das Nachfolgeunternehmen Kettler GmbH innerhalb weniger Jahre also bereits der zweite Versuch, wieder auf finanziell gesunde Füße zu kommen. Die Gründung der Kettler GmbH, die ab Herbst 2016 offiziell die Geschäfte übernahm, wurde mit einer Landesbürgschaft über 30 Millionen Euro abgesichert.

Trotz hoher Motivation und einigen Innovationen gelang es der Geschäftsführung allerdings nicht, sicher in die schwarzen Zahlen zu kommen. Vor knapp einem Jahr begann man deshalb am Firmensitz in Ense mit der Suche nach einem strategischen Finanzpartner oder einem Investor. Die Übernahme durch Altera Capital scheiterte im Juli daran, dass der Investor von der Heinz Kettler Stiftung verlangt haben soll, Werte in Millionenhöhe an das Unternehmen zu übertragen. Nach Informationen der WESTFALENPOST soll der Gesprächsfaden zwischen Stiftung und Investor noch nicht endgültig gerissen sein.

Erfahrener Sachwalter

Dabei ging es unter anderem auch um die Markenrechte in den USA und Großbritannien. Außerdem hält die Stiftung als Erbin des Kettlervermögens zahlreiche Grundstücke und Immobilien, unter anderem die der Werke in Ense und Werl.

Die Geschäftsführung um Olaf Bierhoff hat nun die Aufgabe, das Unternehmen durch die Insolvenz zu entschulden. „Ziel ist es, das Verfahren bis zum Jahresende abzuschließen“, sagt Bierhoff. Ungeachtet des Insolvenzverfahrens laufen Produktion und Vertrieb vorerst weiter. Mit einem Plus von rund zwanzig Prozent bei den Auftragseingängen im Vergleich zum Vorjahr zeige sich nach Ansicht des Geschäftsführers, „dass die Kunden auf das Unternehmen vertrauen. Kettler ist trotz Insolvenz eine attraktive Marke, die eine hohe Bekanntheit und Reputation beim Konsumenten genießt.“

Bierhoff wird im Verfahren unterstützt von den Generalbevollmächtigten Achim Thomas Thiele und David Bunzel. Die Überwachung der Geschäfte im Sinne der Gläubiger hatte der vom Gericht bestimmte Rechtsanwalt Horst Piepenburg als Sachwalter bereits im Juli übernommen.

Piepenburg ist in Insolvenzrecht ausgesprochen erfahren und hat unter anderem die Unternehmen Babcock Borsig, Solarworld, Pfleiderer oder auch das Hagener Modehaus SinnLeffers (heute nur noch Sinn) in den Verfahren begleitet.

Turbulenzen bei der Kettler-Stiftung

In Bezug auf Gespräche mit der Stiftung äußerte sich Piepenburg zweckoptimistisch: „Ich bin an Zuversicht nicht zu übertreffen.“ In der Stiftung selbst geht es momentan offenkundig turbulent zu. Das Kuratorium der Heinz-Kettler-Stiftung um den früheren Kettler-Prokuristen Manfred Sauer hat am vergangenen Donnerstag den zweiköpfigen geschäftsführenden Stiftungsvorstand entlassen. Ein Vorgang, mit dem sich nun die Stiftungsaufsicht, die Bezirksregierung in Arnsberg, befasst. Schon wegen der „besonderen Sachlage“ in Bezug auf die Kettler-Insolvenz beobachte man in Arnsberg genau, was sich bei der Stiftung tut, auch wenn die Entlassung zunächst eine interne Sache der Stiftung sei.

Unternehmen Kettler

  • Kettler stellt in Ense und Werl neben Freizeitartikeln wie dem Kettcar, Gartenschaukeln etc. vor allem Sportartikel wie zum Beispiel Tischtennisplatten her.
  • Rudergeräte, Crosstrainer, Laufbänder oder Spinningräder sind mit moderner Technik versehen und können App-gesteuert werden.
  • Außerdem werden weiter Garten- und Kindermöbel (Schreibtische etc.) hergestellt.
  • Die Produktion von Fahrrädern wurde im Zuge Insolvenz der Heinz Kettler GmbH 2015 an ZEG abgegeben.
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben