Corona

Inzidenz verliert an Bedeutung: Was nun für uns wichtig wird

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FFP2-Masken werden wohl noch weiter unser Leben bestimmen.

FFP2-Masken werden wohl noch weiter unser Leben bestimmen.

Foto: Marijan Murat / dpa

Hagen.  Die Sieben-Tage-Inzidenz hat über Monate unser Leben bestimmt. Nun gelten neue „Leitindikatoren“. Warum es aber noch keine Grenzwerte gibt.

Seit fast eineinhalb Jahren hat sie unser Leben bestimmt, wie kaum eine andere Zahl: Die Sieben-Tage-Inzidenz hat in der Corona-Pandemie darüber entschieden, ob Geschäfte öffnen durften oder Schülerinnen und Schüler zum Unterricht gehen konnten. Doch jetzt bekommt der Wert, der die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche zeigt, Konkurrenz.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Corona-Infizierten und die Auslastung der Intensivstationen spielen genauso eine Rolle. Warum es aber noch keine konkreten Grenzwerte gibt und was es mit diesen so genannten „Leitindikatoren“ auf sich hat.

Welche Leitindikatoren gibt es jetzt?

  • 7-Tage-Hospitalisierung: Die Zahl misst, wie viele infizierte Personen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage ins Krankenhaus aufgenommen wurden. „Sie ist damit ein Indikator für die Zahl der schweren Krankheitsverläufe und kann einen frühen Hinweis auf eine drohende Überlastung des Gesundheits- und Krankenhaussystems geben“, so das NRW-Gesundheitsministerium. Für den Hospitalisierungsindikator werden in Nordrhein-Westfalen zwei Werte ausgewiesen: Einmal gibt es Zahlen anhand der Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Dadurch gibt es laut dem Ministerium bundesweit vergleichbare Zahlen, allerdings durch längere Meldewege und ein komplizierteres Verfahren erst mit einigen Tagen Verzögerung. Daher wird zudem der Wert ausgewiesen, der sich aus den täglichen Gesamtmeldungen der Krankenhäuser über die Aufnahme von Covid-19-Patienten ergibt.
  • Covid-Anteil an der Intensivkapazität: Der Wert ist den Bürgern schon vertrauter, auch aus unserer wöchentlichen Corona-Rangliste. Auf Kreise und Großstädte heruntergebrochen kann geschaut werden, wie hoch der Anteil der besonders betreuungsintensiven Covid-Patienten auf den Intensivstationen ist. Ist dieser zu hoch, droht eine Überlastung des Systems.
  • 7-Tage-Inzidenz: Auch die bekannte Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen bleibt ein wichtiger Indikator. „Insbesondere die altersbezogenen Inzidenzen sind nach wie vor ein guter Maßstab dafür, in welchem Ausmaß vulnerable Bevölkerungsgruppen betroffen sind“, so das NRW-Gesundheitsministerium. Zudem bleibe die Sieben-Tage-Inzidenz ein guter Indikator dafür, in welchem Maß eine Kontaktpersonennachverfolgung durch die Gesundheitsämter noch möglich sei.

Wird es für die „7-Tage-Hosptilaisierung“ auch täglich Werte für die Kreise und kreisfreien Städte geben?

Nein, sagt das NRW-Gesundheitsministerium. Noch gebe es Meldverzögerungen bei dem Hospitalisierungs-Wert und in dem Intensivbettenregister sei nicht der Wohnort der Patienten hinterlegt. Ein hoher Wert kann in Städten und Kreisen mit vielen Krankenhäusern könne auch dadurch zustande kommen, dass viele Patienten aus dem Umland versorgt werden. „Beides spricht gegen eine Ausweisung auf Kreisebene“, so ein Ministeriumssprecher. Bei einer Ausweisung auf Landeseben seien diese Effekte weniger gravierend als bei einer kleinräumigen Berechnung.

Was ist mit dem derzeitigen Inzidenz-Grenzwert von 35, der maßgeblich für Einschränkungen ist?

Der Grenzwert 35 bei der Sieben-Tage-Inzidenz, ab dem bestimmte Maßnahmen greifen, ist in der Coronaschutzverordnung gestrichen worden. Aber: Die seit August landesweit geltenden 3G-Regelungen – zum Beispiel darf man nur als Geimpfter, Genesener oder Getesteter die Innen-Gastronomie besuchen – bleiben auch ohne diesen Grenzwert bestehen. Und zwar mindestens bis zum 8. Oktober. Dazu sei das aktuelle Infektionsgeschehen zu hoch.

Warum gibt es keine neuen Grenzwerte für die drei Leitindikatoren?

Aufgrund der aktuellen Stabilisierung der Werte aller relevanten Indikatoren in Nordrhein-Westfalen verzichte man derzeit bewusst auf die Festlegung von pauschalen Grenzwerten für die einzelnen neuen Indikatoren, so das Gesundheitsministerium. Stattdessen sollten zunächst das Zusammenwirken der verschiedenen Indikatoren – etwa unter Berücksichtigung des Impfstatus oder der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Krankenhauseinweisung und später erforderlicher Intensivbehandlung – weiter genau beobachtet werden. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärt dazu: „Wir wissen schlicht noch zu wenig darüber, wie sich das Impfgeschehen auf die Dynamik einer möglichen Herbstwelle auswirkt, als dass wir uns auf starre Werte festlegen können. Auf pauschale Grenzwerte haben wir daher zum jetzigen Zeitpunkt verzichtet.“

Wenn es zu neuen Einschränkungen auf Basis kommen sollte: Werden diese immer gleich für ganz NRW gelten, weil zwei der drei Leitindikatoren ja nur landesweite Werte zeigen? Oder können sie auch für einzelne Kreise und Großstädte gelten?

„Hierzu kann zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden“, sagt ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums. „Außer, dass ein umfangreicher Lockdown für Genesene und Geimpfte zu diesem Zeitpunkt weder infektiologisch geboten noch rechtlich begründbar erscheint.“

Warum wird nicht die jeweilige Impfquote in den Städten und Kreisen als Leitindikator genommen?

„Die Leitindikatoren werden mit Ausnahme der Inzidenzen derzeit nur landesweit ausgewiesen“, so der Ministeriumssprecher. „Einer regionalen Ausweisung von Impfquoten würden die passenden Vergleichsparameter fehlen.“

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