Fahrendes Volk

Irische Landfahrer sorgen im Sauerland für Ärger und Aufruhr

Wie am Dienstag in Düsseldorf (Bild) sorgte die Polizei in Menden und in Iserlohn dafür, dass die irischen Landfahrer ihre zwischenzeitlichen Aufenthaltsorte wieder verließen. In den drei Fällen verlief dies friedlich.

Wie am Dienstag in Düsseldorf (Bild) sorgte die Polizei in Menden und in Iserlohn dafür, dass die irischen Landfahrer ihre zwischenzeitlichen Aufenthaltsorte wieder verließen. In den drei Fällen verlief dies friedlich.

Menden/Iserlohn/Hagen.   Mit rund 100 Wohnwagen haben Landfahrer in Menden und Iserlohn gecampt. In Iserlohn fielen die irischen Gäste durch Straftaten negativ auf.

Plötzlich waren sie da. Plötzlich bevölkerten am Donnerstagabend 500 irische Landfahrer mit 100 Wohnwagen-Gespannen ein Privatgelände in Menden. Als das Ordnungsamt gegen die ungebetenen Gäste ein Platzverbot verhängte, zog der Reisemobil-Konvoi weiter nach Iserlohn. Gestern Mittag musste der seltsame Besuch im Sauerland sein Lager am Seilersee verlassen, die Polizei im Märkischen Kreis berichtete von nächtlichen Sachbeschädigungen, Diebstählen und Tankbetrügereien durch eine reisende Gruppe, die sich immer wieder mit aus ihrer Sicht falschen Vorurteilen konfrontiert sieht - die bisweilen abwertend als „Tinker“ (Kesselflicker) bezeichnet wird.

Die Situation in Menden

Seit Donnerstagmorgen befanden sich 20 Wagen mit irischen Landfahrern auf einem Parkplatz. Nach einem Platzverweis zogen sie auf ein Privatgelände. Bis zum Abend stieg die Zahl der Camper auf 500 an. Das Ordnungsamt ließ den Platz durch die Polizei räumen. „Es verlief alles friedlich“, so Polizeisprecher Marcel Dilling. Die Iren seien nicht durch Straftaten aufgefallen. Dass sie nicht den besten Eindruck hinterließen, lag u.a. an leicht bekleideten Mädchen, die sich Passanten präsentierten, und an Autos, die riskant unterwegs waren. Im Lager ließ man Unrat und Fäkalien zurück.

Ein Redakteur dieser Zeitung versuchte, mit den Landfahrern ins Gespräch zu kommen. Durch deren Reaktion fühlte er sich bedroht. Die „Tinker“ hätten mit Worten deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nicht mit der Presse sprechen wollen.

Die Situation in Iserlohn

Von Menden zogen die 100 ­Gespanne weiter auf einen ­Parkplatz am Seilersee. Die Stadt ließ die Iren bis gestern Vormittag dort kampieren.Um 13 Uhr sei der Platz ohne größere Probleme geräumt gewesen, berichtet Polizeisprecher Dilling. Doch die Iren zeigten sich frustriert. Sie diskutierten mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes und argumentierten, sie seien Europäer und plädierten auf ihre Reisefreiheit. Der Behörde warfen die irischen Landfahrer Rassismus vor.

Tinker sorgen in Menden für Ärger

500 illegale Camper rollen vom Rheinland nach Menden.
Tinker sorgen in Menden für Ärger

In der Nacht hatten die Gäste der Polizei Arbeit bereitet: Größtenteils alkoholisierte Gruppen der Landfahrer suchten Kneipen auf und fielen durch aggressives Verhalten negativ auf. An einer Tankstelle kam es zu Tankbetrügereien und Diebstählen, in der Innenstadt zu Sachbeschädigungen. Ein 20-Jähriger zeigte in Gegenwart von Polizeibeamten den Hitlergruß. Er wurde in Gewahrsam genommen. Bei einer Fahrzeugkontrolle flüchtete ein Landfahrer vor der Polizei. Die Verfolgungsfahrt erstreckte sich über zwei Kilometer. Der 22-jährige Fahrer war nach Polizeiangaben alkoholisiert.

Die irischen Landfahrer

Die „Traveller“ (Reisende) sind ein fahrendes Volk aus Irland. Sie haben eine eigene Sprache namens Shelta, in der sie sich selbst als „Pavee“ bezeichnen. Nach Angaben der irischen Traveller-Bewegung (ITM) gibt es in Irland 25 000 Landfahrer. Weitere 15 000 Angehörige dieser Gruppe mit irischem Ursprung leben in Großbritannien, knapp 10 000 in den USA. Das fahrende Volk kommt im Sommer häufiger nach Nordrhein-Westfalen, um den katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt (15. August) im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer zu verbringen.

Wie sich die Traveller ihre Reisen und teils luxuriöse Wagen und Wohnmobile finanzieren, ist unklar. Einer Studie zufolge sind 84 Prozent der Landfahrer arbeitslos. Die Traveller gelten als Nachfahren umherziehender Händler, die Bauern in Irland mit Sachen versorgten, die sie selbst nicht produzieren konnten.

Die Reisestationen zuvor

Am Wallfahrtort Kevelaer tauchten die 500 Iren vergangenes Wochenende auf. Nach einem Platzverweis zogen die Landfahrer weiter - zunächst kurz nach Neuss, dann nach Düsseldorf, zurück nach ­Kevelaer. Von dort ging es über Hürth weiter nach Wipperfürth und über Menden schließlich nach Iserlohn.

Das Innenministerium

„Die Landfahrer können sich hier frei bewegen, wie Sie und ich“, sagt Wolfgang Beus, Sprecher des NRW-Innenministeriums. Wo die Traveller als nächstes hinfahren, könne das Land nicht kontrollieren. Die Hoheit liege bei den Kommunen - diese könnten Platzverweise aussprechen oder aber den Landfahrern eine Fläche zuweisen. Bisher seien die Traveller den Platzverweisen der Städte nachgekommen, so Beus, wohin sie dann weiter reisen, sei ihnen überlassen. Wenn die Iren Straftaten begingen, würden diese natürlich verfolgt. Selbst wenn die Landfahrer keinen festen Wohnsitz in Europa hätten, habe die Polizei Mittel und Wege. Bei Ordnungswidrigkeiten werde eine „Sicherheitsleistung“ in Höhe des Bußgeldes genommen, bei schweren Straftaten könne die Staatsanwaltschaft auch Untersuchungshaft beantragen.

Der weitere Weg

Nachdem der Konvoi der Traveller gestern Mittag Iserlohn verlassen hatte, wurde er in Hagen gesehen. Drei Fahrzeuge wurden kontrolliert, so Polizeisprecher Ulrich Hanki. „Sie sind aber nicht in der Stadt geblieben, sondern im Hagener Norden auf die Autobahn 1 gefahren.“

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