Autonomes Fahren

Iserlohn plant fahrerlosen Bus-Verkehr zur Fachhochschule

Iserlohn interessiert sich für ein neues Bus-System, die Projektbeteiligten von Stadt, Stadtwerke, Fachhochschule und der Verkehrsbetriebe schauen sich bei e.Go an der Aachener Universität nach einem Fahrzeug um.

Iserlohn interessiert sich für ein neues Bus-System, die Projektbeteiligten von Stadt, Stadtwerke, Fachhochschule und der Verkehrsbetriebe schauen sich bei e.Go an der Aachener Universität nach einem Fahrzeug um.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Iserlohn/Aachen.   Anderthalb Kilometer lang soll eine Teststrecke der besonderen Art in Iserlohn sein: Vom Bahnhof zur Fachhochschule sollen autonome Busse fahren.

Zu Fuß gehen könnte gesünder sein. Davon abgesehen fällt es schwer, Argumente zu finden gegen die Strecke zwischen dem Bahnhof Iserlohn und der Fachhochschule als Testgebiet fürs autonome Fahren. Die 1,5 Kilometer zwischen Stadtbahnhof und Hochschulcampus sind kurz genug für einen Test.

Der Verkehr ist in Wohngebiet und Wald nicht üppig, aber durchaus vorhanden: Radfahrer, Fußgänger, Autos und auch mal ein Müllfahrzeug. Die Straße ist schmal. Im Winter drohen Schnee und Eis, Nebel könnte ein Problem für die Sensorik werden, auch Wildwechsel ist möglich. Das alles zusammen ist anspruchsvoll und zugleich typisch für ländliche Regionen.

2700 Studenten müssen auf den Berg

Und es gibt Bedarf: Mehr als 2700 Studenten müssen auf den Berg. Derzeit verkehrt ein Diesel-Bus, aber die Fahrzeiten sind nicht ideal, und die Wendemöglichkeiten oben sind beschränkt. Und zugleich stehen die vorwiegend technisch orientierten Studenten einem Versuch mit – in der Endphase – vier fahrerlosen Minibussen, die bedarfsgerecht fahren, wahrscheinlich eher positiv gegenüber.

Allerdings wollen die Iserlohner – Stadt und Stadtwerke, Fachhochschule und Verkehrsgesellschaft – keine hoch subventionierte Verkehrsverbindung etablieren, sondern ein Modell erproben, das den öffentlichen Personennahverkehr auch anderswo voranbringt. Deshalb die Bewerbung bei Smart City. Als Partner der ausgewählten Modellkommune Soest hat Iserlohn eine Chance. Für den a-BUS, wie er heißen soll, sind für die dreijährige Laufzeit von Anfang 2019 bis Ende 2021 knapp drei Millionen Euro kalkuliert. Allerdings dürfte der Bescheid über eine Förderzusage kaum noch dieses Jahr aus Düsseldorf eintreffen. Und der ins Auge genommene Aachener Partner e.GO wird mit der Auslieferung der Busse erst Ende 2019 beginnen können.

Anforderung per App geplant

Zum Start soll der Elektrobus mit Fahrer unterwegs sein. Die Fahrstrecke wird eingelesen und programmiert. Danach ist der autonome Betrieb vorgesehen – allerdings immer noch mit einem Fahrer, der im Notfall eingreift. Parallel entsteht eine App, die Fahrten und Ladung steuert und mit der sich der Bus auch von Nutzern anfordern lässt. Wie es weitergeht, hängt davon ab, wie es klappt. „Eventuell stellen wir fest, dass es noch an vielem fehlt“, sagt Prof. Andreas Nevoigt von der FH, deren Forschung in diesem Fall nicht in der Entwicklung neuer Technologien besteht, sondern im Test vorhandener: Funktioniert die selbstlernende und sich selbst optimierende Busflottenstrategie? Ist das System robust genug? Akzeptieren die Anwohner das neuartige Gefährt?

Für Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Weimer geht es darum, die Elektromobilität zu fördern, um die Energieversorgung der Zukunft gestalten zu können: „Da können Elektroautos eine wichtige Rolle bei der Speicherung der Überschüsse der Erneuerbaren spielen.“ Die MVG will untersuchen, wie bedarfsgesteuerte Angebote dort funktionieren, wo große Busse und Bahnen enden und wie sich die Kosten darstellen lassen. Stefan Janning: „Das autonome Fahren ist für uns schon deshalb interessant, weil wir zunehmend Probleme bekommen, Personal zu gewinnen.“ Und die Stadt? „Wir wollen attraktiver werden“, sagt Christian Eichhorn, der für die Digitalisierung zuständig ist. Und die Lösung von Verkehrsproblemen durch eine bessere Nutzung des ÖPNV trüge dazu zweifelsfrei bei.

Allerdings gibt es viele Konkurrenz-Ideen im Land. Was aus Sicht von Klaus Weimer aber klar für den Iserlohner a-BUS spricht: „Es ist eine glückliche Fügung, dass die örtlichen Akteure gemeinsam Spaß bei der Sache haben.“ Deshalb sieht er, gerade auch im Vergleich zu anderen Plänen, „eine hohe Realisierungswahrscheinlichkeit“.

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