Pro und Contra

Ist der Artenschutz wichtiger als die Wirtschaft?

Vogelarten wie der Kiebitz sind stark gefährdet und bedürfen einem besonderen Schutz.

Vogelarten wie der Kiebitz sind stark gefährdet und bedürfen einem besonderen Schutz.

Foto: dpa

Hagen.  Lebensräume bedrohter Tiere zu schützen ist eine wichtige Aufgabe. Doch müssen sich wirtschaftliche Interessen hinter dem Artenschutz anstellen?

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Tausende Tierarten gehen jährlich verloren – ein starkes Argument für den Artenschutz. Wenn aber Bundesstraßen aus Artenschutz-Gründen nicht ausgebaut werden können, dann stößt dies Unternehmen, Pendler und Touristen auf. Was genießt nun Priorität – der Artenschutz oder die Wirtschaft? Ein Pro und Contra von Harald Ries und Ilka Wiese.

Pro: Der Artenschutz genießt Priorität

Es ist nicht schwer Beispiele dafür zu finden, dass ein Kraut, das Laien recht verzichtbar erscheint, Vorhaben gefährdet, deren Nutzen offensichtlich ist. Doch es gibt erheblich mehr Projekte, die rücksichtslos Lebensräume zerstört haben und bei denen sich hinterher herausstellte, dass die versprochenen Wohlstands- und Wachstumseffekte ausblieben.

Die Lage ist durchaus dramatisch: Derzeit gehen von den fünf bis neun Millionen Tierarten weltweit jährlich 11 000 bis 58 000 verloren. Das ist nicht nur ein kultureller Verlust. Der Rückgang an Biodiversität setzt Folgeveränderungen in Gang, die für Klima und Pflanzenanbau bedrohlich sein können. Nicht jede Kröte braucht ihren eigenen Tunnel. Aber wer den Naturschutz frühzeitig in der Planung berücksichtigt, spart sich langwierige Auseinandersetzungen vor Gericht. Die sind Ursache der häufig beklagten Verzögerungen.

Contra: Artenschutz nicht zulasten von Unternehmen, Pendlern und Touristen

Es „remmelt“ zu viel in der NRW-Infrastrukturpolitik. Das sagte der Siegener IHK-Präsident Felix G. Hensel erst vor wenigen Tagen auf seinem Jahresempfang. Man kann ihm nur Recht geben. Wenn ein Vogel, von dem ein Großteil der Bürger noch nie etwas gehört hat, den Ausbau einer Bundesstraße aufhält, ist das nicht nachvollziehbar. Eine Straße, die Unternehmen, Pendler und Touristen entlasten wird, die Anlieger herbei sehnen, weil sie unter den Staus leiden.

Diese Bürokratie schadet der Region. Infrastrukturprojekte müssen zügiger umgesetzt werden, Kompromisse mit dem Naturschutz schneller gefunden werden, damit Südwestfalen eine erfolgreiche Wirtschaftsregion bleibt. Denn wandern die Firmen ab, nehmen sie die Arbeitsplätze gleich mit. Und spätestens dann müssen wir uns Sorgen um den Lebensraum einer ganz anderen Spezies machen. Nämlich der unseren.

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