Wirtschaft

Kettler-Belegschaft geht enttäuscht in die Betriebsferien

Für drei Wochen steht der Betrieb beim Sport- und Freizeitartikelartikelhersteller Kettler in Ense still – weil die Betriebsferien beginnen. Damit das Unternehmen langfristig eine Perspektive hat, soll ein Investor einsteigen oder die Kettler GmbH übernehmen. Die Luxemburger Finanzholding pokert aber noch.

Foto: Lars Heidrich

Für drei Wochen steht der Betrieb beim Sport- und Freizeitartikelartikelhersteller Kettler in Ense still – weil die Betriebsferien beginnen. Damit das Unternehmen langfristig eine Perspektive hat, soll ein Investor einsteigen oder die Kettler GmbH übernehmen. Die Luxemburger Finanzholding pokert aber noch.

Ense/Werl.   Über 700 Kettler-Beschäftigte hatten heute auf die erlösende Nachricht gewartet, dass ein Finanzinvestor in die Firma einsteigt – vergeblich.

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Die Zukunft der Traditionsmarke Kettler bleibt weiter ungewiss. Der Einstieg eines dringend benötigten Investors beim Sport- und Freizeitartikelhersteller aus Ense und Werl ist weiterhin offen. Die gut 700 Beschäftigten und ihre Familien gehen ohne die erhoffte Zukunftsperspektive in die dreiwöchige Sommerpause des Unternehmens.

Bei einer öffentlichen Betriebsversammlung in der Schützenhalle am Stammsitz in Ense-Parsit erfuhren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestern Mittag von der Enttäuschung. Bereits seit Herbst vergangenen Jahres wird um den Einstieg eines Finanzinvestors gerungen. Zu Beginn des Verfahrens hat es nach Informationen der WESTFALENPOST zwei Interessenten gegeben. Seit einigen Monaten ist offenbar nur noch die Finanzholding Altera Capital mit Sitz in Luxemburg, Zypern und Investoren aus Russland im Geschäft.

Gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer Olaf Bierhoff begleitet der IG-Metall-Bevollmächtigte Alfons Eilers die zähen Verhandlungen zwischen Investor, der Kettler GmbH und der Heinz-Kettler-Stiftung, die nach dem Tod der Alleinerbin Karen Kettler im Frühjahr 2017 erhebliches Vermögen zu Stiftungszwecken verwaltet. Dazu gehören nicht nur sämtliche Kettler-Immobilien samt Produktionsstätten der Kettler GmbH, sondern auch Markenrechte für die USA und Großbritannien. Für einen Einstieg verlangt der Investor, dass die Stiftung diese Rechte an das Unternehmen überträgt, zudem ist die Rede von Millionenbeträgen zur Sicherung des weiteren Betriebes.

Stiftungsaufsicht im Boot

„Investor und Stiftungsvorstand hatten sich vergangene Woche am runden Tisch zu 99 Prozent geeinigt“, erklärte Gewerkschafter Eilers, der dabei als Moderator fungiert habe. Eigentlich. Ein entsprechendes Verhandlungspapier gebe es bereits, allerdings sei dies noch einmal von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unter die Lupe genommen worden, die die Stiftungsaufsicht, die Bezirksregierung Arnsberg als Landesbehörde, beauftragt habe.

Nach Ansicht der Prüfer muss zugunsten der Stiftung nachgebessert werden. Gibt die Stiftung Vermögen an die Kettler GmbH für einen zu geringen Gegenwert ab, gerät der Stiftungsvorstand in Haftung. Allerdings: Scheitert der Einstieg des Investors daran, dass die Stiftung nicht die weitreichenden Zugeständnisse macht, um Kettler eine Perspektive zu ermöglichen, droht möglicherweise erneut die Insolvenz. Geschäftsführer Olaf Bierhoff hatte jüngst signalisiert, dass ohne eine Finanzspritze ein Ende der Produktion von Kettcar & Co. absehbar sei.

Finanzholding aus Luxemburg

Ob die Stiftung dann im Sinne des verstorbenen Firmengründers und Stiftungsnamensgebers Heinz Kettler unter dem Strich mehr erreicht hätte, erscheint fraglich. Einer luxemburgisch, zypriotisch, russischen Finanzholding von Seiten der Stiftung freihändig Zugeständnisse zu machen, ist aber ebenfalls risikobehaftet. Insofern ist eine Absicherung durch die Wirtschaftsprüfer nachvollziehbar.

Die Kettler-Beschäftigten müssen also weiter bangen und starten in die obligatorischen Betriebsferien mit Sicherheit mit einem unguten Gefühl. Gewerkschafter Alfons Eilers hat Verständnis für die Enttäuschung der Belegschaft, bleibt aber im Hinblick auf eine Einigung der Beteiligten in den nächsten Tagen Berufsoptimist: „Der Weg ist geebnet. Ich gehe davon aus, dass wir durch die Tür gehen.“

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