Schwurgericht Hagen

Kierspe: So geht es dem Baby aus dem Müll heute

Baby im Müll: Dritter Verhandlungstag vor dem Schwurgericht in Hagen.

Baby im Müll: Dritter Verhandlungstag vor dem Schwurgericht in Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Eine Mutter aus Kierspe soll ihr Neugeborenes im Müll abgelegt haben. Warum der Vater das Sorgerecht bislang nicht bekommt.

Im Fall der Mutter aus Kierspe, die offenbar ihr Neugeborenes in einem Müllsack hinter dem Haus entsorgen wollte, sind am dritten Verhandlungstag vor dem Schwurgericht in Hagen die Folgen der Tat für die Familie sichtbar geworden. Während die Angeklagte große Teile der Sitzung auf ihrem Platz kauernd und schluchzend verbrachte, berichtete eine Mitarbeiterin des Jugendamtes im Märkischen Kreis über das Familienleben vor allem nach der Tat.

Vaterschaftstest liegt noch nicht vor

Das kleine Mädchen, das lebensbedrohlich unterkühlt gerettet werden konnte, befindet sich weiterhin in Obhut des Jugendamtes und lebt in einer Pflegefamilie. Die ältere Schwester, zum Tatzeitpunkt ein Jahr alt, ist bei der Familie der Angeklagten untergebracht. Warum nicht beim Vater und bisherigen Lebensgefährten der Angeklagten? „Weil der Alltag des Kindes gesichert sein muss“, sagt die Jugendamts-Mitarbeiterin und verweist darauf, dass es dem Vater auch aufgrund seiner Arbeitszeiten nicht möglich sei, sich derzeit ausreichend um das Wohlergehen der Tochter zu kümmern. Ein Vaterschaftstest das Neugeborene betreffend habe bislang noch nicht durchgeführt werden können. Das Kind habe laut Jugendamts-Mitarbeiterin „eine gute Entwicklung“ genommen.

Wichtigste Frage, der das Gericht nachgeht, ist noch immer, welches Motiv für die Tat vorliegt. Die 31-Jährige hatte die Tat zum Prozessauftakt bereits gestanden, sich zum Warum aber in Schweigen gehüllt. Eine Ärztin aus dem Krankenhaus und eine Polizistin, die am Tattag im Einsatz waren, berichteten am Freitag, dass die Frau ihre Schwangerschaft unbedingt vor ihrem Lebensgefährten hatte verheimlichen wollen, weil er sie sonst angeblich verlassen würde.

Baby im Müllsack hinter dem Haus abgelegt

Das Gericht geht auch der Frage nach, wie es um die Beziehung stand. Bisherige Zeugenaussagen deuten daraufhin, dass das Verhältnis harmonisch war, dass sich die Angeklagte liebevoll um die ältere Tochter kümmerte, dass aber in den gemeinsamen Planungen ein weiteres Kind zumindest vorerst nicht vorgesehen war. Das Jugendamt war mit der Familie bis zum Tat-Tag nicht befasst.

Die 31-Jährige, die sich in Untersuchungshaft befindet, muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Ihr drohen bis zu elf Jahre Haft. Am Morgen des 14. Juni hatte sie in der gemeinsamen Wohnung heimlich ein Kind geboren, es in Handtücher gewickelt und in einem Müllsack hinter dem Haus abgelegt. Wegen starker Blutungen seiner Verlobten hatte der Lebensgefährte einen Krankenwagen verständigt. Bei der Notoperation wurde festgestellt, dass die Frau ein Kind entbunden haben musste. Polizisten fanden das Baby noch rechtzeitig.

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