Handwerk

Klempner in Südwestfalen verzweifelt gesucht

Brigitte Schlichting  ist Klempnerin. Frauen sind eher die Ausnahme in dem Beruf.

Brigitte Schlichting ist Klempnerin. Frauen sind eher die Ausnahme in dem Beruf.

Foto: Reto Klar

Arnsberg/Dortmund.   Für die Handwerksbetriebe in Südwestfalen gibt es reichlich Arbeit – Kunden müssen ein halbes Jahr auf ein neues Bad oder eine Heizung warten.

Von einem „Verteilungskampf um Mitarbeiter unter den Betrieben, und zwar vom Lehrling bis zum Meister“ spricht Markus Kluft von der Handwerkskammer Südwestfalen in Arnsberg. „Trotz erheblicher Anstrengungen der Betriebe fehlen Mitarbeiter“, heißt es auch bei der Nachbar-Handwerkskammer in Dortmund. Die Folge: Der Mangel an Personal „könnte sich für das Jahr 2019 als Wachstums- und Beschäftigungsbremse erweisen“. Die Klempner-Krise kommt nicht – sie ist da.

Nicht der Klempner selbst steckt dabei in der Krise. Ganz im Gegenteil. Der seit rund zehn Jahren anhaltende Aufschwung trägt viele Gewerke im Handwerk; auch die Branche Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik profitiert davon. Arbeit gibt es reichlich.

„Die Stimmung ist gut“, bestätigt Gabor Leisten, Abteilungsleiter Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer Dortmund. Im zurückliegenden Jahr betrug das Umsatzwachstum der Sanitär-Branche demnach 3,8 Prozent. Das Problem: „Das jährliche Wachstum innerhalb der Belegschaft von rund einem Prozent reicht dabei nicht aus, um die Nachfrage zu decken“. Zu wenig Mitarbeiter für viel zu viele Aufträge. Ausgerechnet jetzt, wo eine der am längsten anhaltenden Boomphasen dem Handwerk tatsächlich den viel besagten goldenen Boden bereitet, mangelt es an Personal. Und dieser Mangel wird sich sogar noch verschärfen.

Der Ruhestand naht für viele Handwerksmeister

„Die geburtenstarken Jahrgänge kommen jetzt in das Alter, dass sie in Ruhestand gehen können“, erklärt Markus Kluft. Zumal: Als die baldigen Ruheständler einst von der Schul- an die Werkbank wechselten, „waren sie, anders als heute üblich, 14 oder 15 Jahre alt“, erinnert Kluft. Wer auf 45 Beitragsjahre kommt, kann heute zwei Jahre früher abschlagsfrei in Rente gehen (Rente mit 63). „Ab 2025 werden deutschlandweit über drei Millionen weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen“, hat die Handwerkskammer Dortmund berechnet. Dabei gäben schon heute 75 Prozent aller Betriebe an, Probleme bei der Besetzung offener Stellen zu haben.

Dem zunehmenden Mangel an Personal steht die Fülle an Aufträgen gegenüber. Das Handwerk insgesamt befindet sich in einem konjunkturell extrem günstigen Umfeld: mit historisch niedrigen Zinsen und einer dadurch hohen Binnennachfrage. Die Menschen investieren lieber in ein neues Bad oder in eine neue Heizung, als Geld aufs Sparbuch oder auf dem Konto zu lassen, wo es derzeit keine Zinsen, also keinen Mehrwert, bringt.

Eine der Folgen: Kunden müssen sich zunehmend auf lange Wartezeiten einstellen, wenn sie einen Installateur brauchen.

Halbes Jahr Wartezeit für ein neues Bad

Eine Entwicklung, die Jakob ­Appelhans bestätigt; er ist Chef der Sorpetaler Energie in Sundern, einem familiengeführten Handwerksbetrieb. „Wer ein neues Bad oder eine neue Heizung möchte, muss mit einem halben Jahr Wartezeit rechnen“, berichtet er aus seinem Arbeitsalltag.

Ein Ausweg aus der Misere: ­Appelhans hat bereits im Winter mit seinen Industriekunden die Arbeiten vorgeplant, die in der wärmeren Jahreszeit anstehen. „Um besser planen zu können.“

Schwierig bleibe die Suche nach Personal: „Bei Jugendlichen hat die Branche ein Imageproblem. Die verbinden den Beruf Klempner mit Gas, Wasser, Sch....“, spielt Appelhans auf die Geschichten der Comic-Figur Werner, einem Installateurlehrling, an. „Zwar geht es nicht ohne Rohrzange, aber der Laptop gehört selbstverständlich dazu“, so Appelhans: „Es geht um modernste Technik. Etwa wenn eine Heizungsanlage genau auf ein Gebäude, ein Bauernhaus oder einen Neubau angepasst und eingestellt werden muss. Das sind hoch interessante Arbeiten.“

Auszubildenden beim Berufsinfotag gefunden

Jakob Appelhans gehört zu den glücklichen Firmenchefs, die für das neue Ausbildungsjahr, das im August beginnt, immerhin einen Lehrling gefunden haben. Nach langem Suchen und vielen Absagen. Gefunden hat er ihn bei einem Berufsinfotag in einer Schule. Durch direkte Ansprache. Appelhans wünscht sich mehr solcher Gelegenheiten, mehr Berufsberatung in Schulen, mehr Möglichkeiten für das Handwerk, mit überkommenen Vorstellungen und falschen Bildern aufzuräumen. Um wenigstens auf lange Sicht die Klempner-Krise zu entschärfen.

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