Kunst

Wallraf-Richartz-Museum: Köln feiert den Maler Tintoretto

Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln feiert den 500. Geburtstag des Malers Jacopo Tintoretto mit einer großen Sonderausstellung.

Foto: Baztán Lacasa, José

Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln feiert den 500. Geburtstag des Malers Jacopo Tintoretto mit einer großen Sonderausstellung. Foto: Baztán Lacasa, José

Köln.   Kurz vor dem 500. Geburtstag zeigt das Kölner Wallraf-Richartz-Museum das Frühwerk des Venezianers Tintoretto unter dem Titel: A Star Was Born.

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Mit vielen Jahrhunderten Abstand fällt es Laien oft schwer nachzuvollziehen, was das Neue, das Revolutionäre eines berühmten und einflussreichen Künstlers war. In der Ausstellung „A Star Was Born“, mit der das Kölner ­Wallraf-Richartz Museum den Reigen großer Schauen zum 500. Geburtstag des Venezianers Tintoretto einläutet, gelingt das leicht. Das liegt an der Präsentation, die mit Hintergrundinformationen, Forschungsneuheiten und Vergleichen aufwartet sowie an der Strategie des Künstlers: Da wollte einer unbedingt auffallen und nach oben.

1518 oder 1519 wird Jacobo Robusti als Sohn eines Färbers in Venedig geboren. Die Malerei ist für ihn das Mittel, gesellschaftlich aufzusteigen. Aber die Konkurrenz ist groß. Die Künstler müssen sich ohne höfisches Mäzenatentum auf dem Markt behaupten. Und da herrscht ein Überangebot. Was also tun, wenn man wahrgenommen werden will? Jacobo Robusti macht seinen Spitznamen Tintoretto („Färberlein“), den ihm angeblich Tizian, bei dem er möglicherweise in der Lehre war, gegeben haben soll, selbstbewusst zum Markenzeichen. Und er misst sich mit den Größten.

Die dritte Dimension

Aber er malt auffällig anders: nicht flächig, sondern perspektivisch, plastisch und dreidimensional. Als den „ersten Filmregisseur“ hat ihn deshalb Jean-Paul Sartre bezeichnet. Sein Motto ist: klotzen, nicht kleckern. Sein „Paradies“ im Dogenpalast gilt mit 7 mal 22 Meter als eines der größten Ölgemälde der Welt. Er experimentiert, er ist schnell, er setzt auf Sex und Crime. Tizian rügt die Effekthascherei des Neulings. Ihr Streit könnte aber auch dahergekommen sein, dass Tintoretto wohl als Tizians Subunternehmer Auftragswerke ausgeführt und später entgegen der Absprache darüber geplaudert hat.

Unterschiedlichste Formen der Arbeitsteilung sind üblich im Venedig der Spätrenaissance. Auch Tintoretto hat schon 1538 seine Werkstatt, aber erst ab 1544 einen Assistenten. Im Frühwerk ist deshalb mehr Tintoretto in den Tintorettos. 30 der 41 Werke hat er völlig oder zu 90 Prozent eigenhändig gemalt. 33 Bilder anderer Künstler ergänzen den Blick auf seine Entwicklung.

Wobei die Zuschreibung oft problematisch ist: Kurator Roland Krischel hat erst in der Arbeit für die Ausstellung herausgefunden, dass „Liebeslabyrinth“, eine Leihgabe der englischen Königin, nicht von einem flämischen Maler stammt, sondern von Tintoretto. Jedenfalls die Parklandschaft und die Stadt dahinter. Die Figuren hat mehr als zehn Jahre später ein Mitarbeiter ergänzt. Umgekehrt ist vieles, was einst als Tintoretto galt, wohl von Giovanni Galizzi gemalt, mit dem es eine zehn Jahre dauernde Zusammenarbeit gab.

„Die Bekehrung des Saulus“ (großes Bild oben) ist typisch für Tintorettos Arbeitsweise: Die Komposition erinnert an ein kurz zuvor fertiggestelltes großes Schlachtengemälde Tizians. Man meint, den Lärm des Trubels zu hören. Der junge Mann auf dem Schimmel hält sich den Kopf vor Schmerzen. Und purer Effekt ist die Treppe, die von der Mitte nach links in die Höhe führt.

Beim „Abendmahl in Emmaus“ (oben) sind die Jünger nicht etwa Jesus im Zentrum zugewandt, sondern verrenken sich in alle Richtungen. Der Tisch steht mit der Ecke zum Betrachter. Durch das Fenster im Hintergrund ist das Gasthausschild zu sehen. Alles zielt auf Räumlichkeit und auf Überwältigung.

Nächste Station Paris

Die Bilder stammen aus London, Amsterdam, Budapest, Madrid, Mailand, Rom, Venedig, Washington und Wien. Die meisten Bilder wandern im Frühjahr weiter ins Musée du Luxembourg in Paris. Es habe kaum Absagen gegeben, erklärt der Kurator. Nur das „Sklavenwunder“, das Tintoretto 1547 berühmt macht, hat man nicht bekommen. Das wird schon seiner Größe wegen Venedig wohl nicht mehr verlassen. Dafür hängt im Foyer jetzt eine moderne Variation des Spaniers Jorge Pombo. Eine durch Lösungsmittel verwaschene Kopie. Auch sehr effektvoll.

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