NRW-Mobilitätsforum

ÖPNV für Sehbehinderte: Kreis Soest gewinnt Mobilitätspreis

Der Kreis Soest erhält den ersten NRW-Mobilitätspreis für sein Angebot Smart4You, das barrierefreie und bequeme Mobilität durch die Region im ÖPNV per Smartphone zulässt. Jörn Peters (4. von rechts) hat bereits 2006 mit dem ersten Mobilitätsprojekt dieser Art begonnen.

Der Kreis Soest erhält den ersten NRW-Mobilitätspreis für sein Angebot Smart4You, das barrierefreie und bequeme Mobilität durch die Region im ÖPNV per Smartphone zulässt. Jörn Peters (4. von rechts) hat bereits 2006 mit dem ersten Mobilitätsprojekt dieser Art begonnen.

Foto: WP

Bielefeld/Soest.  Im Kreis Soest sind blinde Menschen der höchste Mobilitätsmaßstab. Dafür gab es beim Mobilitätsforum in Bielefeld eine Auszeichnung.

Warum Mobilität nicht einmal vom Menschen her denken? Klingt selbstverständlich, ist es aber immer noch nicht. Der Kreis Soest verfolgt diesen Ansatz bereits seit 2006. Sehbehinderte sollten sich barrierefrei und sicher im Kreis Soest bewegen können, befand Vermessungsingenieur Jörn Peters, damals Leiter des Katasteramtes und stieß die Entwicklung eines Navigationssystems für Smartphones an: Guide4Blind.

„Blinde Menschen sind der höchste Mobilitätsmaßstab“, sagt Peters, heute beim Kreis Leiter der Abteilung Energie, Mobilität, Digitalisierung und Innovationen. Dass es technisch möglich war, ein solches Angebot zu schaffen, um die Mobilität und damit die Lebensqualität sehbehinderter Menschen zu erhöhen, war Peters als Ingenieur klar. Leider aber auch, dass die Zielgruppe für ein Unternehmen wirtschaftlich uninteressant, weil zu klein ist. Also hat der Kreis Soest diese Entwicklung vorangetrieben, die mit EU- und Landesmitteln gefördert wurde und der Vorläufer einiger Weiterentwicklungen war.

Eine davon „Smart4You“, eine digitales Angebot, das Tourismus, Freizeit- und Gesundheitsregionen sowie den Öffentlichen Personennahverkehr in der Modellregion Soest, Bad Sassendorf und Möhnesee zusammengeführt, um eine einfache und insbesondere barrierearme Nutzung möglichst vieler Angebote zu ermöglichen.

Pilotprojekt Big Bird

„Die Technologie, die wir damals für Blinde entwickelt haben, ist heute Basis für elektronische Bezahlsysteme im ÖPNV“, sagt Peters. Mittlerweile nutzen zahlreiche Kommunen in NRW und darüber hinaus die Idee und die Technik dahinter, die aus Soest stammt, aber mittlerweile von einem Start-up immer weiter entwickelt wird: Geomobile GmbH heißt das Unternehmen mit Sitz im Technologiepark in Dortmund. „Die Firma ist ein Spin-off aus der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut“, erläutert Peters.

Der Kreis Soest scheint beim Thema Dauer-Vorreiter zu sein. Die App Mobile Info lenkt den ÖPNV-Nutzer bequem in und durch den Kreis. Und gerade wird von dort ein e-Tickteing-System auf Bluetoothbasis als Pilot getestet, an dem auch der Hochsauerlandkreis und der Kreis Unna teilnehmen. Big Bird ist das erstes Projekt in Deutschland, in dem ein eTarif für den ÖPNV im Regelbetrieb angeboten wird.

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