Banken

Sparkassenbilanz: „Kunden haben mit Füßen abgestimmt“

Foto: Peter Kneffel

Münster/Hagen.   Mit Geld lassen sich immer noch gute Geschäfte machen: Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe (SVWL) hat eine Rekord-Bilanzsumme eingefahren.

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Mit Geld lassen sich – trotz Negativzinsen – offenbar immer noch gute Geschäfte machen: Jedenfalls herrschte gestern, an Aschermittwoch, bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das Jahr 2017 beim Sparkassenverband Westfalen-Lippe (SVWL) „keine Katerstimmung“, wie die neue Präsidentin, Liane Buchholz, in Münster betonte. Im Gegenteil: Mit einer Bilanzsumme von 131,2 Milliarden Euro haben die 63 kommunalen Geldinstitute erstmals in ihrer Geschichte die 130-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Das ist ein Zuwachs von 3,3 Milliarden Euro – und damit etwa so viel wie die durchschnittliche Bilanzsumme „von eineinhalb Sparkassen“ im Verbandsgebiet, beschrieb Liane Buchholz den Erfolg.

Ungetrübt bleibt die Bilanz für 2017 – Verbands-Vize Jürgen Wannhoff sprach von einem „guten Vertriebsjahr“ – abseits der Zahlen denn doch nicht. Die Sparkassen werden ihr Filialnetz weiter ausdünnen. „Unsere Kunden haben mit den Füßen abgestimmt“, erklärte Liane Buchholz: Durchschnittlich kommt ein Sparkassen-Kunde demnach nur noch einmal pro Jahr in eine Geschäftsstelle. Die Digitalisierung und die dadurch möglichen Online-Angebote haben zu diesem dramatischen Umbruch geführt: Online-Banking vom Computer zu Hause oder sogar unterwegs vom Smartphone aus nimmt stark zu.

Sofort-Überweisung startet

Dazu passt, dass der SVWL im Verbandsgebiet im Laufe dieses Jahres zwei neue Zahlungsmethoden anbietet – auf digitaler Basis: das „mobile Payment“, ein Bezahlen mit einer App vom Smartphone aus; bundesweit seien 400 000 Terminals, vor allem in Supermärkten, dafür vorbereitet. Und das „Instant Payment“ soll starten, eine Sofortüberweisung, bei der der Betrag auch sofort abgebucht und dem Empfänger gutgeschrieben wird.

Sparkassen-Geschäftsstellen sollen daher weiter zu größeren Einheiten zusammengefasst und aufgewertet werden; einzelne Standorte wurden nicht genannt. Mit der Aufwertung meint Buchholz, die vor knapp einem Jahr die Nachfolge des langjährigen Sparkassen-Präsidenten Manfred Gerlach antrat, auch eine gute Beratung. Denn: „Die finanzielle Bildung bei den Kunden nimmt ab. Deshalb braucht es mehr Beratung“.

Zusammenschluss der Versicherer

Beim Blick auf die Verbundunternehmen der Sparkassen-Gruppe gab Buchholz die Linie aus: eine Bausparkasse (LBS), ein Versicherer (Provinzial), eine Landesbank. Dabei hat die Aufgabe der abgewickelten WestLB inzwischen die hessische Landesbank Helaba übernommen. Bei den Versicherungen überraschte Buchholz mit der Ankündigung, dass fünf Jahre nach dem gescheiterten Fusionsversuch ein Zusammenschluss der Provinzial Nordwest, deren Eigner der SVWL ist, mit der rheinischen Provinzial wohl doch noch kommt. „Das wäre ein bärenstarker Anbieter im Versicherungsmarkt“.

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