Kettler

Landesregierung fordert Entscheidung der Kettler-Stiftung

Trotz gestiegener Auftragseingänge steht das Traditionsunternehmen Kettler ganz dicht vor dem Aus. Helfen soll nun noch einmal die Kettler-Stiftung, deren Spitzenvertreter aber abgetaucht ist. Foto:Lars Heidrich

Trotz gestiegener Auftragseingänge steht das Traditionsunternehmen Kettler ganz dicht vor dem Aus. Helfen soll nun noch einmal die Kettler-Stiftung, deren Spitzenvertreter aber abgetaucht ist. Foto:Lars Heidrich

Foto: Lars Heidrich

Ense/Düsseldorf.   Die NRW-Landesregierung schaltet sich in das Ringen um die Rettung der Kettler GmbH ein und fordert eine umgehende Entscheidung der Stiftung.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung schaltet sich in das Ringen um die Rettung des Traditionsunternehmens Kettler ein. „Wir sehen die Entwicklung bei Kettler mit größter Sorge. Um jetzt überhaupt noch eine Investorenlösung und damit den Erhalt des Unternehmens mit seinen 720 Arbeitsplätzen ermöglichen zu können, ist eine sofortige Entscheidung der Kettler-Stiftung über die Höhe des von ihr zu leistenden Beitrags zwingend erforderlich“, erklärt das NRW-Wirtschaftsministerium gegenüber dieser Redaktion.

„Wenn bis Ende der Woche keine Einigung und eine entsprechende Zwischenfinanzierung erfolgt, wird am Freitag (9. November) der Geschäftsbetrieb eingestellt und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen“, teilt die Kettler-Geschäftsführung in einem Schreiben mit. Ein letzter Anlauf, um das Traditionsunternehmen noch vor dem Aus zu bewahren.

Zwischenfinanzierung als Strohhalm

Für Mittwoch sind vom Insolvenz-Sachwalter Horst Piepenburg die Kettler-Geschäftsführung um Olaf Bierhoff und sowohl der Vorstand der Heinz-Kettler-Stiftung, Andreas Sand, als auch das mittlerweile höchst umstrittene Stiftungs-Kuratorium mit dem früheren Kettler-Prokuristen Manfred Sauer an der Spitze zu diesem „finalen Moderationsversuch“ eingeladen.

Bis Dienstagabend stand eine Rückmeldung des Kuratoriumsvorsitzenden noch aus. „Ohne Einbeziehung des Kuratoriums erscheint eine Lösung allerdings nicht realistisch. Wir hoffen, dass letztlich im Interesse des Unternehmens alle Beteiligten doch noch zu einer kooperativen Haltung finden können“, heißt es aus dem Ministerium.

Aufsicht hält sich bedeckt

Stiftungsvorstand Andreas Sand erklärte gegenüber der dieser Redaktion sofort seine Bereitschaft, an der „Rettungsrunde“ teilzunehmen. Ob das Kuratorium ebenfalls mit von der Partie sein wird, konnte selbst Sand nicht sagen. In der Stiftung herrscht seit Wochen eisiges Schweigen zwischen Vorstand und dem Kuratorium als Aufsichtsgremium.

Während der Vorstand Sand zu Zugeständnissen an den Investor bereit war – so weit es das Stiftungsrecht zuließe – blockierte das Kuratorium. Es hatte den Vorstand sogar zwischenzeitlich entlassen – bis die Stiftungsaufsicht, die Bezirksregierung Arnsberg, eingriff und den Vorstand wieder einsetzte. Aktuell hält sich die Aufsicht bedeckt. „Die Dinge müssen sich entwickeln“, erklärte ein Sprecher der Bezirksregierung gestern.

Weitere Interessenten im Gespräch

Am Mittwoch im Wirtschaftsministerium in Düsseldorf wird es darum gehen, dem Kuratoriumsvorsitzenden Sauer ins Gewissen zu reden, falls er denn auftaucht. Ohne dessen Beteiligung wird die Sitzung möglicherweise gar nicht stattfinden und damit auch nicht das Ziel erreicht werden können, der Kettler GmbH über eine Zwischenfinanzierung noch einmal Luft zu verschaffen.

Zeit, die ein möglicher neuer Investor zur Prüfung der Geschäftsdaten und zum Einstieg ins Traditionsunternehmen nutzen könnte. Nach Informationen dieser Redaktion gibt es noch weitere Interessenten, die aber aufgrund der bisherigen Entwicklung die jüngsten Zahlen noch nicht haben prüfen können.

Entscheidendes Vermögen

Die Stiftung hält nach wie vor wesentliche Vermögenswerte wie Grundstücke, Gebäude und Markenrechte für Großbritannien und die USA, ohne deren Übertragung ein Einstieg eines Investors nicht möglich zu sein scheint.

Zum Paket, das die Stiftung für Kettler schnüren müsste, gehört nach Informationen dieser Redaktion neben der Übertragung der oben genannten Markenrechte auch die Ablösung von Verbindlichkeiten der Kettler GmbH in zweistelliger Millionenhöhe.

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