Museum

Landrat zieht bei Plänen für Sauerland-Museum die Reißlinie

Bauskizze für das  neue Arnsberger Sauerland-Museum

Bauskizze für das neue Arnsberger Sauerland-Museum

Foto: WP

Arnsberg.   900.000 Euro verloren, 12,7 Millionen Euro gerettet - vielleicht kann man das Ringen um das neue Sauerland-Museum auf diesen Nenner bringen.

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900.000 Euro verloren aber doch auch 12,7 Millionen Euro gerettet - vielleicht kann man das Ringen um das neue Sauerland-Museum in Arnsberg beim gegenwärtigen Stand der Planungen auf diesen Nenner bringen. Aber der Reihe nach.

Die Idee, ein repräsentatives Museum für den Hochsauerlandkreis zu schaffen, ist etwa zehn Jahre alt und ganz fest mit dem Namen Dr. Karl Schneider verbunden. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit 2005 wollte der Landrat nach eigenen Worten „einen Prozess für Südwestfalen“ anstoßen. Zwei Jahre später kam ihm die Regionale glückhaft zu Hilfe, und das Sauerland-Museum nahm mehr und mehr zumindest geistig Gestalt an. In üppiger Erweiterung des schon als Museum genutzten Landsberger Hofes sollte das knapp 13 Millionen Euro teure Prunkstück entstehen.

Ansehnliche, wohlgefällige Baupläne wurden erstellt, doch als es um die Baugrube ging, schrillten plötzlich die Alarmglocken: „Ich musste als Landrat die Reißlinie ziehen“, erklärt Dr. Schneider und verweist darauf, dass unabwägbare Gefahren mit der komplizierten Hanglage die Baukosten im siebenstelligen Bereich nach drückten. Ende April 2015 folgte der Kreistag dem dramatischen Einspruch des Landrats, und die bisherige Planung wurde aufgegeben.

Nummer kleiner raucht auch noch

900.000 Euro waren damit quasi pulverisiert. Neue Ausschreibung, neue Planung und alles eine Nummer kleiner - so sollte und so wollte der Hochsauerlandkreis das vorgegebene Kostenvolumen unbedingt halten. Jetzt soll nicht mehr aufwändig und kaum kalkulierbar in der Berg hineingebaut werden, sondern einfach davor. Ein begehbarer Riegel wird den Landsberger Hof mit dem Neubau verbinden. „Wir bleiben im Kostenrahmen“, verspricht der Landrat, der bis nach Düsseldorf ins Ministerium geeilt war, um die notwendige Überzeugungsarbeit für den Fortbestand der Museumsidee zu gewährleisten. „Manchmal muss man die Dinge steuern, sondern bekommt man sie nicht mehr eingefangen“, formuliert Schneider sein leidenschaftliches Engagement für das Bauprojekt.

Mit der komplett neuen Planung verzögern sich aber auch die Eröffnungstermine. Erst 2019 wird wohl der Neubau fertig, der renovierte Landsberger Hof immerhin deutlich früher. Auf 150 Quadratmeter Ausstellungsfläche wird spartechnisch verzichtet; Museumsdirektor Dr. Schulte-Hobein sieht die Verkleinerung in einem noch verträglichen Umfang.

„Ich hoffe sehr, dass die Anzahl der Überraschungen künftig stark abnimmt“, gibt sich Landrat Schneider nach Vollbremsung und Neujustierung optimistisch. Sein Vertrauen in Statiker und andere Baufachleute hat mit dem Baugruben-Fiasko aber deutlich gelitten.

Vitalisierung der Altstadt

Natürlich soll das Sauerland-Museum ein Leuchtturm-Projekt für Südwestfalen werden, auch wenn er vielleicht nicht mehr ganz so hoch strahlt. Der Hochsauerland-Kreis, der Landschaftsverband und die Landesregierung teilen sich die Kosten; Arnsberg hofft derweil auf eine zusätzliche Vitalisierung seiner Altstadt. Die Besucher mögen es richten: Bislang kamen bis zu 30.000 pro Jahr, das neue Haus soll mindestens 50.000 anziehen. Ulrich Bork, zuständig für die Kultur im HSK, kommt schon ins Schwärmen: „Wir werden das Museum in die 2. Bundesliga anheben.“ Und Landrat Dr. Karl Schneider nickt zustimmend - nach einem kurzen Moment des Zögerns.

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