Forensik

Eickelborn: Klinik erlaubt Straftätern Besuche im Bordell

Eine Frau steht n einem Bordell.

Eine Frau steht n einem Bordell.

Foto: Andreas Arnold / dpa

Lippstadt.  Die forensische Klinik in Eickelborn hat Straftätern Bordell-Besuche erlaubt. Die Prostituierten wussten nicht, dass die Freier Straftäter sind.

Sie sollten und sollen auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden. Auf ein Leben außerhalb der Klinik in Lippstadt-Eickelborn, wo Straftäter im so genannten Maßregelvollzug therapiert werden. Doch zu diesem Leben in Freiheit gehörten nicht nur das Einkaufen oder die Nutzung von Bus und Bahn, sondern auch in vier Fällen Bordell-Besuche. Und zwar mit Wissen und Erlaubnis der Forensik-Klinik. Aber ohne, dass die Prostituierten davon wussten, welche Freier hier zu ihnen gekommen waren.

Forensik in Lippstadt will Praxis auch weiter fortsetzen

Ist das in Ordnung? Und moralisch vertretbar? Als „ethisch mehr als bedenklich“ bewertet Forensik-Experte Rüdiger Müller-Isberner aus dem hessischen Haina im Nachrichtenmagazin Spiegel die Eickelborner Praxis, die in der Form deutschlandweit einmalig sein soll. Doch die Klinik, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) getragen wird, verteidigt das Vorgehen und will sie auch nicht einstellen: „Diese Praxis wird fortgesetzt, wenn sie im Einzelfall verantwortbar und therapeutisch indiziert ist“, sagt LWL-Sprecher Thorsten Fechtner der WP.

Um vier Patienten geht es, die in den vergangenen Jahren mit Erlaubnis der Klinik Bordelle in Dortmund, Bochum und Herne besucht hatten. Zu diesen Patienten will der LWL mit Verweis auf deren Persönlichkeitsrechten nicht viel sagen. Nur soviel: Die Spanne der Delikte, wegen derer sie in der forensischen Klinik untergebracht waren, reichten von leichter über gefährliche Körperverletzung bis hin zu versuchter Vergewaltigung. Und: Sie alle hätten sich schon in den beiden höchsten Lockerungsstufen, die der Maßregelvollzug kenne, befunden.

Klinik bezahlt nicht die Bordellbesuche

Auf eines legt man Wert: Nicht die Klinik habe diese Bordellbesuche organisiert oder gar bezahlt. „Sie gehören auch generell nicht zu einem therapeutischen Ansatz der Klinik Eickelborn“, so Thorsten Fechtner: „Was es gibt, sind Einzelfälle. Und dann werden die Besuche in den Therapiegesprächen mit den Patienten thematisiert und intensiv vor- und nachbesprochen. Bezahlen müssen die Patienten selbst.“

Das Ganze sei auch kein Experiment gewesen, man habe nicht gezielt Patienten für die Prostituierten-Besuche ausgesucht. „Vielmehr hatten die Patienten angekündigt, auf ihrem unbegleiteten Ausgang ein Bordell besuchen zu wollen“, so Fechtner. Und das sei erlaubt worden. „Im therapeutisch begründeten Einzelfall, vor allem bei intelligenzgeminderten Patienten, die in ihrer persönlichen Entwicklung nie eine Sexualaufklärung erfahren haben, kann der Besuch von Bordellen eine therapeutische Hilfe sein.“

Patienten hatten höchste Lockerungsstufe

Die vier Patienten, denen die Besuche genehmigt worden seien, hätten alle die zweithöchste oder höchste Lockerungsstufe erreicht: den unbegleiteten Ausgang oder die Langzeitbeurlaubung. Vor beiden stehe eine genau Prüfung der Patienten durch viele Beteiligte. „Als Ergebnis muss am Ende stehen, dass die Patienten unter anderem nicht fremd- und selbstgefährdend sind und auch absprachefähig. Erst dann können sie die Klinik überhaupt verlassen“, so der LWL-Sprecher. Deswegen habe die Klinik auch keine Veranlassung gesehen, vorher das Bordell oder die Prostituierten zu informieren: „Weil eben von diesen Patienten als Ergebnis der Überprüfung keine Gefahr mehr ausgeht“, so Fechtner. „Im Übrigen wär auch der Datenschutz ein Hinderungsgrund mehr, warum die Klinik nicht einfach Dritte über den Patienten informieren darf.“

Und auch wenn ein solcher Bordellbesuch von der Klinik genehmigt werden müsse: Sie seien nicht von Mitarbeitern in die Etablissements begleitet worden. „Es gilt grundsätzlich, dass in diesen Lockerungsstufen keine Begleitungen stattfinden.“

NRW-Beauftragter ist einverstanden

Dass die von der Klinik Eickelborn genehmigten Bordellbesuche nicht dem NRW-Gesundheitsministerium gemeldet wurden, stößt beim Landesbeauftragten des Maßregelvollzugs, Uwe Dönisch-Seidel, dagegen nicht auf Kritik: Die strengen Sicherheits- und Lockerungsrichtlinien seien eingehalten worden. Und das Ganze sei auch Teil der Therapie und kein wissenschaftliches Projekt: „Ich kann sagen, dass die Rechte der Patienten gewahrt wurden und die Sicherheit der Prostituierten gewährleistet war.“

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