Kunst

Maler Gero Troike verzichtet auf Internet und Smartphone

Der Gero Troike mit seiner Malerei.

Der Gero Troike mit seiner Malerei.

Foto: Thomas Jessen

Eslohe.   Warum sich Maler Gero Troike die Freiheit nimmt, Zeit zu haben. Dafür verzichtet er auf Internet und Smartphone. Jetzt stellt er in Eslohe aus

In Berlin ausstellen, das kann jeder. Aber seine Arbeiten im Rathaus Eslohe zu zeigen, ist ein Abenteuer. Der hochdekorierte Bühnenbilder, Regisseur, Dramatiker und Maler Gero Troike erkundet gerne Neuland. „Ich finde es gut, an einen kleineren Ort zu gehen“, betont er. „Mir bedeutet das eine Menge. Ich habe eine Galerie in Berlin und eine in Den Haag. Doch da ist man nicht so ergebnisoffen wie hier.“ Der Esloher Maler Thomas Jessen kuratiert die Werkschau seines Künstlerfreundes im Lichthof des Rathauses, die heute um 11 Uhr eröffnet wird (www.eslohe.de).

Von seiner letzten Gage an der Berliner Volksbühne hat sich Troike einen kleinen Trecker gekauft. Damit macht der 73-Jährige 18 Raummeter Holz im Jahr. Die heizen sein Zuhause, das Forsthaus Rißmecke bei Völlinghausen am Möhnesee. 1984 hat Claus Peymann ihn aus Ostberlin nach Bochum geholt. Troike ist ein Großer des deutschen Theaters. Er hat in Berlin, Amsterdam, Gent, in Hamburg, Frankfurt und Brüssel Bühnen und Kostüme entworfen. Seit vielen Jahren wohnt und arbeitet er mitten in und mit der Natur des Arnsberger Waldes.

Nach dem Tod der jüngsten Tochter entschied sich das Ehepaar Troike 1988, sein Leben neu zu organisieren. Troike gab die Bühne auf, zog ganz ins Sauerland und konzentrierte sich auf seine Malerei. Inzwischen ist er wieder ans Theater zurückgekehrt, als Regisseur und Dramatiker. Peter Konwitschny hat 2015 in Mannheim die Doppeloper „Abends am Fluss / Hochwasser“ inszeniert, deren Libretti Troike geschrieben hat. 2017 wurde er mit dem Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis ausgezeichnet.

Das Geheimnis der Innenräume

Wegen des lichtdurchfluteten Atriums ist das Rathaus Eslohe ein guter Ort für Ausstellungen. Gero Troike zeigt dort Interieurs, Innenräume, oft Stillleben, die gelegentlich mit Landschaften und Akten fusionieren. Arbeiten aus zwei Ateliers sind zu sehen, der alten Ziegelei in Niederbergheim und dem Forsthaus Rißmecke. „Das sind 28 Bilder, und wie der Zufall es will, oder die Fügung, sind es auch 28 Jahre, die zwischen den ersten Gemälden in der alten Ziegelei und den neuen aus meinem Wohnzimmer 2018 liegen.“

Auf Troikes Leinwand entstehen Räume mit äußerst reduziertem Mobiliar. Ein Tisch, eine Kugel, ein Winkelmaß, eine Vase, die Töpfe, in denen der Künstler seine Malgründe kocht. „Es geht mir nicht nur um die Gegenstände, mich interessiert in gleicher Weise das Drumherum, das Gesamtgefüge von Texturen und Strukturen“, schildert er: „Ich verbringe viel Zeit damit, dass ich einfach sitze und gucke. Dann entstehen manchmal so eigenartige Sachen, etwa wenn die Tischkante auf die Stuhllehne trifft. Das ist ein Zufall, den man ganz genau untersucht, zeitlos und trotzdem gegenwärtig, weil es ganz genau beobachtet ist.“

Zeit und ihre Transformation in Bildkomposition spielt eine wichtige Rolle. Jede Arbeit ist das Ergebnis eines Weges, eines Prozesses. Grobes, mittelfeines oder feines Leinen oder doch lieber kaschiertes Papier als Bildträger? Der entwickelt bei ihm ein Eigenleben, bildet Schrunden, Abriebe, und winzige Beulen aus, die sich in Landschaften verwandeln können. Troike kocht auch die Malgründe selbst. „Leonardo da Vinci hat oft Entdeckungen gemacht an einer kaputten Wand, auf die er gesehen hat. Der hatte Zeit. Einstein auch.“

Das Ergebnis sind Bilder von berückender Intimität. Der Rhythmus der Flächen und Formen erzeugt einen Zusammenklang, der sein Geheimnis bewahrt Denn manchmal tauchen Fenster in den Arbeiten auf, durch welche die Landschaft ins Interieur einbricht. Oder es erscheinen Bilderrahmen als Einfallstore anderer Welten. „Im Rahmen kann alles passieren.“

Der Garten lehrt Geduld

Am Landleben schätzt Troike die Freiheit. Wichtige Anfragen hat er abgelehnt, wenn die Details für ihn nicht stimmten. „Man muss Entscheidungen für sich treffen. Das sind dann immer die Sachen, an denen man lernt.“ Ein altes Haus, um das man sich kümmern muss, ist ebenfalls ein guter Lehrmeister und auch der Garten, den seine Frau angelegt hat und von dem sie sich übewiegend ernähren. „An einem Garten lernt man Geduld.“

Internet oder ein Smartphone besitzt Troike nicht. „Das mache ich nicht aus religiösen Gründen. Ich kann nicht so ein Ding in der Tasche haben, was jeden Moment klingelt. Das ist natürlich Luxus, so wie ich lebe, dass ich unbegrenzt Zeit habe. Manche Sammler kaufen mit meinen Bildern die Zeit, die darin steckt.“ Stattdessen fasziniert ihn das Alltägliche, zum Beispiel das Licht der Nacht. So schnappt er sich gelegentlich nachts den Leiterwagen, sein Malwerkzeug und eine Petroleumlampe und zieht in den Wald. Wie ein großes Vorbild: „,Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn’, das ist ein großer Goethe-Satz“, sagt Gero Troike.

www.eslohe.de

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