Radfahren

Mann fährt 40 Jahre lang kein Rad – wieso er wieder anfängt

Peter Mügge (65) aus Gevelsberg hat nach 40 Jahren wieder das Radfahren für sich entdeckt.

Peter Mügge (65) aus Gevelsberg hat nach 40 Jahren wieder das Radfahren für sich entdeckt.

Foto: Nicolas Stange / Westfalenpost

Gevelsberg.  40 Jahre lang ließ Peter Mügge aus Gevelsberg sein Fahrrad verstauben. Im Ruhestand fängt er wieder an zu fahren. Was ihn antreibt.

An eine Menge Frust erinnert sich Peter Mügge (65) aus Gevelsberg, wenn er an seine persönliche Beziehung zum Radfahren denkt. „Ich bin ein Nordlicht und war eigentlich flache Straßen mit Gegenwind gewöhnt“, sagt der gebürtige Bremer. Doch die Berge des Sauerlands brachten den Hobbyfahrer an seine Leistungsgrenzen, die Motivation schwand, das Fahrrad blieb in der Garage stehen – fast 40 Jahre lang. Seitdem der ehemalige Unternehmer im Ruhestand ist, steigt er wieder in den Sattel.

Zum 60. Geburtstag schenkte ihm seine Familie ein Trekkingrad. Petter Mügge war selbst erstaunt über das neue Gefühl auf dem Fahrrad: „Wenn man ein vernünftiges Rad hat, ist es zwar auch sportlich“, sagt er, „aber es ist nicht so furchtbar anstrengend wie vorher.“ Also blieb er dran. Ein- bis zweimal in der Woche ist er nun mit dem Rad unterwegs. Dann geht es für mehrere Stunden ins Grüne.

Peter Mügge aus Gevelsberg spürt beim Radfahren ein „Entdecker-Gefühl“

Der 65-Jährige war schon vorher sportlich aktiv. In seiner beruflichen Zeit als selbstständiger Unternehmer lief er regelmäßig bis zu zehn Kilometer pro Strecke. Jetzt muss er darauf achten, dass er das Joggen nicht vernachlässige, sagt er. Doch ein Vorteil des Radfahrens gegenüber dem Laufen sei, dass er sich die regionale Umgebung nun in einem viel größeren Umfang erschließen könne. „Den Zugang zur Ruhr habe ich mir auf verschiedenen Ebenen erarbeitet.“

Peter Mügge spricht von einem „Entdecker-Gefühl“, das er durch das Radfahren verspüre. „Wenn ich auf der Trasse von Sprockhövel nach Hattingen fahre, fühle ich mich wie im Schwarzwald.“ An die Berge habe er sich mittlerweile gewöhnt. „Es macht mir richtig Spaß. Es ist ein befriedigendes Gefühl, etwas geschafft zu haben.“ Die steife Brise um die Nase, wie er sie in seiner Jugendzeit in Bremen noch hatte, vermisse er nicht.

Immer mehr Radfahrer in NRW – sichere Wege für Radtouren geforderte

Für ungeübte Radfahrer wurde mit der Umwandlung ehemaliger Bahntrassen in der Region in Fuß- und Fahrradwege viel gemacht, sagt der Hobbyfahrer. Sein Tipp ist die Nordbahntrasse in Wuppertal, eine 22 Kilometer lange Strecke in seinem ehemaligen Wohnort. „Das ist die Show“, schwärmt er, „dort ist ein sozio-kultureller Mix unterwegs: von den Hardcore-Fahrradfahrern bis zu Joggern, Mädchen auf Rollerblades und der türkischen Großfamilie, die gerade spazieren geht.“

Doch der 65-Jährige kennt auch die andere Seite: „Außerhalb der Trassen war es vor 20 bis 30 Jahren nur unter Einsatz des persönlichen Lebens möglich, Fahrrad zu fahren“, kritisiert er. In den Städten wie Wuppertal oder Hagen fehle es an sicheren Radwegen. Erst in den vergangenen Jahren sei da Bewegung reingekommen. „Es hat sich was geändert, aber ich würde mir wünschen, es passiere noch mehr.“

E-Bike sorgt für Boom beim Radfahren in NRW

Er selbst ist als Beisitzer für den Skiclub Gevelsberg aktiv, mehr als 2000 Mitglieder hat der Verein. Veränderungen für den Radverkehr fordert der Club von der Politik nicht ein, aber mit den Angeboten im Breitensport trage man zur politischen Meinungsbildung bei, sagt Peter Mügge. Dazu zähle auch die Fahrradgruppe, die gemeinsame Radtouren organisiert.

Es gebe immer mehr Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind, so Peter Mügges Eindruck. Besonders die E-Bikes hätten zu einem Boom geführt. Seine Schätzung: Etwa 70 Prozent der Radfahrer, die ihm auf seinen Touren begegneten, führen inzwischen mit einem mit Elektromotor unterstütztem Fahrrad.

Gevelsberg: Peter Mügge will noch bis ins hohe Alter Fahrradfahren

Ein E-Bike will sich der 65-Jährige bald auch kaufen. „Das nimmt einem eine Menge Frust.“ So zum Beispiel, wenn er zu seinen Freunden nach Haßlinghausen zum Skatspielen fährt. 120 Höhenmeter muss er dabei mit dem Fahrrad bewältigen. „Dann komme ich da total verschwitzt an, das ist nicht so sexy.“ Ein weiterer Aspekt sei für ihn der Umweltschutz. Das Auto möchte er so häufig wie möglich stehen lassen.

Momentan fährt Peter Mügge viel alleine Fahrrad. Doch den eigenen Nachwuchs in der Familie lernt er bereits selbst fleißig an. In der Corona-Zeit hat die fünf Jahre alte Enkelin das Fahrradfahren gelernt. Zusammen waren Großeltern und Enkeltochter schon auf dem Ennepebogen in Gevelsberg unterwegs. „Die macht jetzt ihre ersten Schritte.“ Peter Mügge möchte noch bis ins hohe Alter weiterfahren. An das Aufhören denkt der 65-Jährige nach seiner langen Auszeit auf dem Rad nicht.

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