Wirtschaft

Milchbauern fordern ein Ende der Überproduktion

Elmar Hannen,  NRW-Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter und seit März 2018 im Bundesvorstand kritisiert die Agrarpolitik in Deutschland als nicht nachhaltig bis irrsinnig in Bezug auf Überproduktionen.

Elmar Hannen, NRW-Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter und seit März 2018 im Bundesvorstand kritisiert die Agrarpolitik in Deutschland als nicht nachhaltig bis irrsinnig in Bezug auf Überproduktionen.

Foto: Jens Helmecke

Telgte/Münster.   Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter fordert am Rande der Agrarministerkonferenz in Münster von der Politik eine Marktregulierung ein.

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Viele deutsche Milchbauern sind ziemlich sauer, dabei lief es im vergangenen Jahr gar nicht so schlecht. Dagegen war 2016 ziemlich mies, etliche gaben auf. „Die kurzen Intervalle von Krisen müssen aufhören“, fordert Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Politik soll nun eingreifen, um den Milchmarkt zu regulieren. Dafür wollen die Bauern heute bei der Agrarministerkonferenz in Münster demonstrieren.

Die Forderungen

Zwischen Milchbauern und Molkereien soll es verbindliche und konkrete Vertrags- und Lieferkonditionen über Menge, Preise und Laufzeiten geben, um den Bauern Planungssicherheit zu geben. Aktuell verpflichten sich die Molkereien zwar, die Milch beim Bauern abzuholen, allerdings schwankt der Preis über das Jahr gesehen deutlich.

Die EU soll den in Krisenzeiten aus Überproduktion entstandenen Milchpulverberg sukzessive abbauen und keine Anreize mehr für solche Fehlentwicklungen schaffen. „Deutschland hat enormen Einfluss in Brüssel“, ist sich BDM-Sprecher Foldenauer sicher, dass die neue Bundesministerin Julia Klöckner hier etwas erreichen könnte. Zurzeit gebe es einen knapp 400 000 Tonnen schweren Berg Milchpulver aus Überkapazitäten, den niemand auf der Welt haben wolle. „Die Überschüsse zu produzieren ist schon Nonsens, geschweige denn, sie einzulagern. Das Pulver macht die Märkte kaputt. Es ist auch Irrsinn, dass wir Soja als Futter für die Milchkühe importieren, um überschüssige Milch zu produzieren“, sagt Elmar Hannen. Der Klever Milchbauer (150 Kühe) ist Landesvorsitzender des BDM und im Bundesvorstand vertreten.

Die Preise

Innerhalb der EU, die ein Drittel der Weltmarktproduktion ausmache, liegen die Herstellungskosten für einen Liter Milch laut BDM bei 41,81 Cent. Aktuell zahlen die Molkereien rund 30 Cent pro Liter bzw. Kilo Milch. 2017 lag die Vergütung im Schnitt bei 38 Cent.

Laut Verband würden Verbraucher eine höhere Vergütung an der Kasse kaum merken. „Nur ein Drittel der Produktion fließt in Butter, Käse oder Milch. Zwei Drittel in Pizza, Kekse oder Speiseeis“, erklärt Foldenauer. Ein niedriger Milchpreis für die Erzeuger habe seines Wissens aber nicht zu sinkenden Preisen bei diesen Produkten geführt: „Wir müssen weg von der Ausrichtung der Agrarpolitik an den Interessen der Ernährungskonzerne.“

Milchbetriebe in der Region

Von einer Verbesserung der Situation würden in Südwestfalen zahlreiche Betriebe profitieren. Die Bauern mit unter 50 Tieren eingerechnet, gibt es im Hochsauerlandkreis über 900 Halter mit rund 67 000 Kühen. Im Märkischen Kreis sind es rund 330 mit 30 000 Tieren, in Olpe 348 mit rund 20 000 Kühen und in Siegen-Wittgenstein 436 mit 17 000. Im Schnitt liefert eine Kuh heute 10 000 Liter Milch pro Jahr. Die Milchmenge lässt sich über Futter ziemlich gut steuern.

Es gibt einen Strukturwandel in der Branche, sagt Barbara Kruse vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, der in der Vergangenheit eher auf Selbstregulierungskräfte des Marktes durch Angebot und Nachfrage als auf staatliches Eingreifen setzte. Inzwischen haben sich die Verbände wieder angenähert – und sind beide vertreten, wenn am Donnerstag vor dem Tagungshotel der Agrarminister in Münster für die Belange der Bauern demonstriert wird.

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