Kirmes

Alf ist out – Losbuden-Besuch auf der Allerheiligenkirmes

Peter Wilmering  mit seinem „Glückhaus" auf der Allerheiligenkirmes in Soest.

Foto: Fabian Strauch

Peter Wilmering mit seinem „Glückhaus" auf der Allerheiligenkirmes in Soest. Foto: Fabian Strauch

Soest.   Von 400 Schaustellern auf der Allerheiligenkirmes Soest betreiben zwei eine Losbude. Im „Glückshaus“ hoffen alle Generationen auf einen Gewinn.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wie kleine Mädchen. Wie früher. Die Augen von Angelika Wenzel (63) und Doris Stenert (79) glänzen. Die beiden Frauen aus Raesfeld im Münsterland knibbeln mit den Fingern die Lose auf, hippeln vor Aufregung von einem Bein aufs andere.

Nicht nur Nieten! – Faszination Losbude

Früher Alf, heute Minions: Losbuden verbinden die Generationen, weiß Schausteller Peter Wilmering. Sein "Glückshaus" steht auf der Allerheiligenkirmes in Soest.
Nicht nur Nieten! – Faszination Losbude

Die Spannung in ihren Gesichtern weicht der Enttäuschung. Die Damen sind sich einig: „Heute haben wir viele Nieten.“ Nicht jedes Los, das im „Glückshaus“ auf der Allerheiligenkirmes gekauft wird, kann ein Gewinn sein. Das liegt in der Natur der Sache.

Familie Wilmering aus Düsseldorf will mit der Losbude Geld verdienen. Das ist ihr Geschäft. Ob die Aussichten mit einem weißen Riesenteddy oder einem rosafarbenen Einhorn nach Hause zu gehen, so groß sind wie für einen Sechser im Lotto? Hier liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:140 Millionen. Peter Wilmering lacht. „Da sind die Chancen bei uns größer.“

Moderation ist das A und O

Mit dem Mikrofon in der linken Hand lockt der 51-Jährige das Publikum an: „Das ist klasse hier, die Top-Gewinnbude, jetzt mitspielen, jetzt mitgewinnen.“ 10 Lose kosten 2,50 Euro, 20 gibt es für 5 Euro.

Wer glaubt, die Massen ziehen an diesem Donnerstagnachmittag vorbei, der irrt. Die Oma und der Enkel, das verliebte Pärchen, die Männer-Clique. Vertreter aller Generationen greifen zu. Das Spiel mit dem Glück verzückt. Ein Stück Nostalgie in den eigenen Händen.

Die Losbude ist nicht aus der Zeit gefallen. Die wundersame Welt der Plüschtiere fasziniert. Die Pandabären verfolgen jeden Gast mit ihren Augen, die Minions grinsen frech, und die Schafe scheinen zu blöken. Attraktionen wie der "Wellenflug", der "Jules-Verne-Tower" oder "Looping the Loop" können warten.

Also alles gut? „Natürlich gab es früher mehr Losbuden“, sagt Wilmering. Von 400 Schaustellern zählen in Soest in diesem Jahr gerade zwei dazu, die ihre Glückslose verkaufen. „Die Konkurrenz ist in den Jahren viel größer geworden. Schauen Sie sich um.“ Was er nicht sagt. Die Leute schauen auch beim Gang über die Kirmes aufs Geld, überlegen, was sie wofür ausgeben.

Was die Wilmerings richtig machen? „Das Sortiment muss stimmen. Wir haben mehr Elektrogeräte als früher, vom Tischgrill bis zum Fondue. Und die Plüschsachen müssen aktuell sein.“ Er bedauert, dass Gestalten wie Alf oder die Schlümpfe in Vergessenheit geraten sind. „Das waren echte Renner.“ Wichtig ist aus seiner Sicht die Moderation. „Ich kann hier oben nicht langweilig herumstehen. Das läuft nicht. Ich muss die Leute packen, muss sie ansprechen.“ Es ist seine Bühne.

Dazu gehört Musik, die der Menge gefällt. „Nein, kein Heavy Metal. Wir spielen viel Hits aus 1970-er und 1980-er Jahren. Ohne Musik geht gar nichts. Es würde eine Leere entstehen, die kein Mensch mag.“ Jubelschreie unterbrechen das Gespräch. Nils Siefert freut sich über den Hauptgewinn. Der 20-jährige Student aus Rheda-Wiedenbrück kann sein Glück kaum fassen. „Ich habe gedacht, dass ist eine Nietenbude.“ Ist es nicht.

90 Prozent greifen zum Plüschtier

Und der junge Mann verhält sich anders als erwartet. „90 Prozent der Gewinner greifen am Ende doch zu einem Plüschtier“, weiß Wilmering. Der junge Mann nimmt die Kaffeemaschine. „Den kann ich für die neue Wohnung gut gebrauchen.“ Nicht der einzige Gewinner. Die langen Gesichter der beiden Damen aus Raesfeld sind mittlerweile ebenfalls verflogen. Sie strahlen. Angelika Wenzel: „Wir haben ein Domino-Spiel gewonnen.“ Und, sie kommen wieder. Das „Glückshaus“ auch. „Wir sind mehr als 50 Jahren hier“, sagt Peter Wilmering. „Soest ist eine gute Adresse.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik