Möhnekatastrophe

Möhnetalsperre: NS-Regime verbot das Wort Katastrophe

Neheim wurde von der Flutwelle besonders hart getroffen.

Foto: Ruhrverband

Neheim wurde von der Flutwelle besonders hart getroffen. Foto: Ruhrverband

Hagen.   Das Nazi-Regime hat nach dem Angriff auf die Möhnetalsperre das Wort Katastrophe verboten. Wie die Briten heute den zahlreichen Opfern gedenken.

Der britische Luftangriff trifft die Bevölkerung nachts nach einem besonderen Tag. Der 16. Mai 1943 ist der Gedenk- und Ehrentag der Mütter - seit 1934 im Dritten Reich ein gesetzlicher Feiertag.

Es ist auch der Tag, an dem der Aufstand im jüdischen Ghetto in Warschau von den Nazis niedergeschlagen wird.

Operation der Briten war Teil des „Battle of the Ruhr“

„Die Operation der Briten gegen die Talsperren war der Höhepunkt der ‘Battle of the Ruhr’“, sagt Dr. Ralf Blank, Historiker und Fachdienstleiter Wissenschaft, Museen und Archive im Fachbereich Kultur der Stadt Hagen.

Der 55-Jährige beschreibt die Auswirkungen des Angriffs auf die Möhnetalsperre „als katastrophal“. Sie seien so extrem gewesen, „dass das nationalsozialistische Regime ein Verbot erließ, das Wort Katastrophe in diesem Zusammenhang zu verwenden. Luftkriegsereignis hieß es im verordneten damaligen Sprachgebrauch.“

Nachricht der Katastrophe verbreitet sich rasend schnell

Die Zerstörung der Möhnetalsperre habe sich, so Blanks Erkenntnis, wie ein Lauffeuer verbreitet. „Es kursierten Gerüchte von mehr als 30 000 Todesopfern und überfluteten Städten im Ruhrgebiet.“

Das Nazi-Regime hätte alle Anstrengungen unternommen, „um die Talsperre mit einem Masseneinsatz von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und ausländischen Arbeitskräften bis Oktober 1943 wieder instand zu setzen“.

Briten gedenken der Opfer

Blank hat in den vergangenen Jahren eine Veränderung der Erinnerungskultur registriert: „Früher sind die Piloten der 617. Bomberstaffel in England populärer als die Fußballspieler gewesen und entsprechend verehrt worden. Heute rückt auch die Vielzahl der Opfer in Deutschland bei den Gedenkfeiern verstärkt in den Blickpunkt.“

Und der Historiker zeigt sich überrascht: „Das Interesse für diese über Jahre geplante und geprobte Bombardierung flacht nicht ab.“

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