Himmelsschauspiel

Mondfinsternis: Nicht nur der Mann im Mond schaut zu

Die Mondfinsternis ist ein seltenes astronomisches Spektakel.

Die Mondfinsternis ist ein seltenes astronomisches Spektakel.

Foto: Oliver Berg/dpa

Hagen.   Die totale Mondfinsternis am 27. Juli 2018 ist mit 103 Minuten die längste dieses Jahrhunderts. Auch der Mars ist am Himmel zu sehen

La le lu - nur der Mann im Mond schaut zu. Zwar kann gemäß des Kinderliedes der deutsche Astronaut Alexander Gerst – derzeit auf der Internationalen Raumstation ISS – die heutige totale Mondfinsternis (besonders gut) sehen, er ist aber beileibe nicht der einzige. Die Menschheit freut sich auf die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Zwischen 21.30 und 23.13 Uhr – 103 Minuten – taucht der Mond vollständig in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde ins All wirft.

Aus Sicht Südwestfalens

Normalerweise ist eine Mondfinsternis in der Stadt – wegen der höheren Luftverschmutzung – schlechter sichtbar als auf dem Land. „Bei dunklem Himmel ist sie auf dem Land deutlich kontrastreicher“, sagt Susanne Hüttemeister, in Altena aufgewachsene Direktorin des Planetariums Bochum. Diesmal allerdings herrschen ähnliche Bedingungen: „Die Dämmerung setzt erst ein, wenn die Mondfinsternis bereits zu Ende ist.“

Susanne Hüttemeister ist in diesen Tagen eine viel gefragte Gesprächspartnerin, fiebert dem Himmelsereignis auch wegen des „Luna Festivals – Die Nacht des Blutmondes“ heute Abend im Planetarium entgegen. Und? Können die Altenaer die Mondfinsternis gut beobachten? „Ja. Aber sie müssen aus dem Tal raus. Oben auf der Burg wäre ein guter Platz.“

Die beste Sicht

Die totale Mondfinsternis 2018 ist besonders beobachtungsfreundlich: „Das A und O sind freie Sicht nach Südost – dort geht der Mond auf – und ein möglichst hoher Standort“, sagt Susanne Hüttemeister. Wer gestern Abend den Mond beobachtet hat, ist im Vorteil: „Heute steht er nur ein klein wenig anders.“ Im Bundesgebiet ist das seltene astronomische Spektakel am besten im Süden – weil es dort eher dunkel wird – und im Osten zu sehen - weil dort der Mond früher aufgeht. Beste Sichtbedingungen sollen zwischen 22.45 und 23.13 Uhr herrschen. Wer das astronomische Ereignis verpasst, hat schlechte Karten: Erst an Silvester 2028 wird in Mitteleuropa wieder eine Mondfinsternis in ihrem vollen Verlauf zu bewundern sein.

Die Wetterlage

Das derzeitige Hochdruckgebiet, so möchte man meinen, schafft beste Sichtbedingungen. „Vor dem Hintergrund, dass keine Wolken am Himmel sind, ist das richtig“, sagt Susanne Hüttemeister, „bei einer starken Bewölkung würde man nichts davon sehen.“ Aber, so die Sauerländerin, die Transparenz der Atmosphäre leide derzeit unter den fehlenden Niederschlägen. Wegen des Staubs in der Atmosphäre sei es etwas diesig. „Ein Gewitter hätte reinigende Wirkung gehabt“, so die Professorin. Regen? Auch gestern Fehlanzeige.

Der Blutmond

Der Hauptdarsteller des Himmelsschauspiels wird seit einigen Jahren als „Blutmond“ bezeichnet. „Der Begriff wurde von einer Esoterik-Sekte in den USA geprägt. Nachdem er von der Raumfahrtbehörde Nasa aufgegriffen wurde, hat er Europa erreicht.“ Nach Meinung von Susanne Hüttemeister wird ein falscher Eindruck erweckt. „Der verfinsterte Mond ist mehr orange als dunkelrot.“

Der Mars

Neben der Mondfinsternis ist heute auch der Mars am Nachthimmel zu beobachten. Eine solche Konstellation kommt nur alle 105 000 Jahre vor. Susanne Hüttemeister: „Der Mars ist unterhalb des Mondes als heller, orangeroter Punkt zu ­sehen.“

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