Medizin

MS-Schwerpunktzentrum: Multiple Sklerose in Siegen behandeln

Prof. Dr. Martin Grond (Ärztlicher Direktor des Kreisklinikums und Chefarzt der Klinik für Neurologie), Dr. Sabine Schipper (Geschäftsführerin DMSG-Landesverband NRW) und Eugen Schlegel (Facharzt Neurologie und Psychotherapie MedCenter) freuen sich über die Zertifizierung als MS-Schwerpunktzentrum.

Foto: Jennifer Wirth

Prof. Dr. Martin Grond (Ärztlicher Direktor des Kreisklinikums und Chefarzt der Klinik für Neurologie), Dr. Sabine Schipper (Geschäftsführerin DMSG-Landesverband NRW) und Eugen Schlegel (Facharzt Neurologie und Psychotherapie MedCenter) freuen sich über die Zertifizierung als MS-Schwerpunktzentrum.

Weidenau.   Das Medizinisches Versorgungszentrum MedCenter in Siegen ist als MS-Schwerpunktzentrum zertifiziert. Neue Therapiemöglichkeiten für Patienten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Medizinische Versorgungszentrum MedCenter ist von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) als sogenanntes MS-Schwerpunktzentrum ausgezeichnet worden.

Bundesweit gibt es nur 67 solcher zertifizierten Einrichtungen. Die Urkunde hat Dr. Sabine Schipper, Geschäftsführerin des DMSG-Landesverbands NRW, nun an Eugen Schlegel übergeben. Schlegel ist Facharzt der Neurologie im MedCenter und auf die Nervenkrankheit spezialisiert.

Multiple Sklerose verläuft bei jedem Menschen anders

Seit rund 25 Jahren setzt Schlegel sich in Siegen dafür ein, dass Erkrankte umfassend behandelt werden und mit der Krankheit möglichst gut leben können.

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Sie verläuft bei jedem Menschen anders und beginnt meist schubförmig. Unbehandelt kann MS nach beschwerdefreien Zeitabschnitten in eine Phase der kontinuierlichen Verschlechterung übergehen.

"Es ist schwierig, nach der Diagnose wieder Kraft zu finden"

Schätzungsweise 140 000 Menschen sind in Deutschland betroffen – jährlich kommen rund 2500 Personen hinzu. Die Betroffenen sind meist zwischen 20 und 40 Jahren alt, wenn MS diagnostiziert wird, sagt Dr. Schipper. „Das ist eine massive Erschütterung. Es ist schwierig, nach der Diagnose wieder Kraft zu finden.“

Aber nicht nur junge Erwachsene seien betroffen: Auch bei Kindern oder Senioren würden mitunter Erstdiagnosen gestellt.

MS-Patienten klagen über starke Müdigkeit

MS-Patienten klagen meist über starke Müdigkeit und kognitive Beeinträchtigungen. Seh-, Sexual- oder Blasenstörungen sind genauso möglich wie Bewegungseinschränkungen, Lähmungen oder auch epileptische Anfälle. Blutveränderungen seien ein großer Risikofaktor.

Patienten müssen engmaschig kontrolliert werden. Alle drei Monate sind Laboruntersuchungen nötig, jedes halbe Jahr eine Magnetresonanztomographie (MRT). Auch sind die Risiken für Komplikationen hoch. „Das ist ähnlich wie bei einer Chemo-Therapie“, sagt Prof. Dr. Martin Grond, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Kreisklinikum, das mit dem MedCenter kooperiert.

Behandlungsmöglichkeiten haben sich verbessert

Doch: „Als ich in der Ausbildung war, galten die Patienten als die Hoffnungslosen“, sagt Eugen Schlegel. Damals hätten die meisten Patienten im Rollstuhl gesessen und es habe nur wenige Möglichkeiten gegeben, die Krankheit zu behandeln. Das ist heute anders: Rund 750 Patienten betreut Schlegel mit seinem Team – und nur in seltenen Fällen sind diese Menschen auf Rollstühle angewiesen.

Während 1990 noch 60 Prozent der Erkrankten in Frührente gehen mussten, seien es 2010 nur noch 30 Prozent gewesen. „Es gibt völlig andere Therapieansätze mittlerweile. Es stehen 17 Medikamente zur Auswahl und es wird in Zukunft mehr geben“, sagt der Facharzt.

Therapien sind teuer

Die Möglichkeiten sind groß, doch die Behandlungen aufwändig und kostenintensiv. So sei es nicht selten, dass wichtige Infusionen für Patienten bis zu sechs Stunden dauern. „Viele kleine Praxen können das nicht stemmen“, sagt Schlegel. „MS-Patienten müssen gepflegt werden.“ Im Siegener Zentrum dürfen sie auch ohne Termin vorbeikommen, wenn der Leidensdruck gerade hoch ist.

90 Prozent seiner Patienten kann Schlegel medikamentös behandeln, doch die Präparate sind teuer: zwischen 13 000 und 33 000 Euro pro Jahr und Patient. Hinzu kommen die Kosten für Untersuchungen. „Da können Sie sich vorstellen, um wie viele Millionen ich mein Budget für Medikamente überziehe“, sagt Schlegel und schmunzelt. Mit den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung müsse er oft verhandeln. Doch als MS-Schwerpunktzentrum ist das unumgänglich.

Was die Zertifizierung für Siegen bedeutet

Das MedCenter musste für die Zertifizierung diverse Kriterien erfüllen. Mindestens 400 Patienten, spezielle Qualifikationen und Fortbildungen sowie geschultes Personal sind wichtig. Auch die akute Behandlung muss gewährleistet sein – das klappt, weil Eugen Schlegel vorbildlich mit seinen Kollegen im Kreisklinikum auf dem kurzen Dienstweg zusammenarbeitet. Der Vorteil der Zertifizierung: Das Zentrum wird bekannter und die Qualität wird gesichert.

Doch es bedeutet auch mehr Arbeit: Schlegel muss nun Patienteninformationen möglichst in ein MS-Register des Bundesverbands eintragen. Diese anonymisierten Datensätze helfen dabei, die Krankheit besser zu erforschen. „Wir haben sonst nur Daten aus Studien, die nicht unbedingt die Realität widerspiegeln“, sagt Grond. „Man wird besser durch jede Zertifizierung.“

  • Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Siegerland gibt es hier.
  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik