Justiz

Mutmaßliche Salafisten vor Gericht – Kirchen für den IS ausgeraubt?

Verborgen unter der Jacke und hinter Aktendeckeln: Zwei der Angeklagten, die mit einer Einbruchserie den Terror in Syrien unterstützen wollten.

Verborgen unter der Jacke und hinter Aktendeckeln: Zwei der Angeklagten, die mit einer Einbruchserie den Terror in Syrien unterstützen wollten.

Foto: dpa

Hagen/Siegen/Köln.   Sechs Männer aus dem Siegerland stehen vor dem Landgericht Köln. Sie sollen in Schulen und Kirchen eingebrochen sein, um den IS zu unterstützen.

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In Kirchen sind sie eingebrochen, um islamistische Kämpfer in Syrien zu unterstützen. Deshalb müssen sich acht junge Männer, mutmaßliche Salafisten aus Siegen, Netphen, Kreuztal und Köln, seit Dienstag vor dem Landgericht Köln verantworten.

Zwei Tage vor Weihnachten stieg die Bande in die katholische Kirche St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch ein, brach der Anklageschrift zufolge Türen, Fenster und Schränke auf – und in der Sakristei den Tresor aus der Wand. Darin Messkelche, Hostienschalen und Monstranz. Vergoldet. Gegenstände für den Gottesdienst.

Am Tresor gescheitert

„Das greift das Zentrum einer Kirchengemeinde an“, so Pfarrer Friedhelm Rüsche. Doch die Täter scheiterten daran, den schweren Tresor aufzuflexen. So ließen sie am Ende „nur“ 100 Euro Bargeld aus dem Opferstock mitgehen und verursachten einen Sachschaden von 8000 Euro.

2400 Euro Bargeld, so der Vorwurf der Anklage, sollen sie am Peter-Paul-Rubens-Gymnasium aus dem Tresor erbeutet haben. Dazu 240 Euro in Briefmarken. Zwei Laptops im Wert von 1200 Euro. Außerdem eine EC-Karte samt Pin-Nummer, um später 3500 Euro von dem Konto abzuheben. Der Sachschaden belief sich dort auf 5000 Euro.

Zudem werden den acht Männern Einbrüche in die Rudolf-Steiner-Schule in Siegen zur Last gelegt (Beute 50 Euro; Sachschaden 5000 Euro) sowie in die Siegener Winchenbach-Schule, wo sie aber keine Beute machen konnten. Weitere Vergehen sollen die Männer im Raum Köln begangen haben. In den Jahren zwischen 2011 und 2014 ließen die Täter bei neun Einbrüchen insgesamt 19 000 Euro mitgehen.

Bestimmt war das Geld vermutlich dafür, die Terrororganisation Islamischer Staat in Syrien zu unterstützen. Ob und wie viel Geld allerdings tatsächlich an Kämpfer in Syrien geflossen ist, das sei unklar und nicht Gegenstand des Prozesses, so Gerichtssprecher Achim Hengstenberg.

Bei anderen, weiteren Taten dagegen glaubt die Bundesanwaltschaft offenbar, dies nachweisen zu können, und hat gegen drei der acht auch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Anklage erhoben wegen der Unterstützung des IS und zweier weiterer am Syrienkrieg beteiligter terroristischer Vereinigungen. Die Beschuldigten sollen kampfbereite Salafisten bei der Ausreise nach Syrien beraten und bei der Finanzierung der Reisekosten geholfen haben, so die Bundesanwaltschaft. Bei den dreien handelt es sich um Brüder, die aus Dreis-Tiefenbach stammen und nun in Siegen, Netphen und Köln leben. Ebenfalls angeklagt in Düsseldorf ist ihre Schwester. Die vier sind deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund im Alter von Mitte 20 bis Anfang 30 Jahren.

Das Verfahren in Köln wird bis zum kommenden März dauern. Die Große Strafkammer hat 47 Verhandlungstage angesetzt. Alle acht Angeklagten befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

Hilfsbereitschaft unverändert groß

Ob sich die Verdächtigen, mutmaßliche Salafisten, bewusst christliche Kirchen für ihre Taten ausgeguckt haben? Das vermag Pfarrer Friedhelm Rüsche nicht zu beurteilen. Klar sei aber: „Den Tätern fehlte es am Respekt vor Religionen.“

In Hilchenbach-Dahlbruch jedenfalls ist der Schaden am Kirchengebäude längst repariert. Ein tiefer gehender scheint darüber hinaus nicht entstanden zu sein: Die Haltung gegenüber Flüchtlingen aus Syrien habe sich nicht verändert, die Hilfsbereitschaft sei nach wie vor groß, so Pfarrer Rüsche. Im Gegenteil: Schließlich sind die Asylbewerber genau vor den Terroristen auf der Flucht, die mit der Beute aus der Kirche unterstützt werden sollten.

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