Abibälle

Nach amerikanischem Vorbild: Kosten für Abibälle explodieren

Der Trend aus den USA, den Schullabschluss elegant und extravagant feiern zu wollen, ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen.

Der Trend aus den USA, den Schullabschluss elegant und extravagant feiern zu wollen, ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen.

Foto: Ute Gabriel

Hagen.   Die Landeselternschaft zeigt sich besorgt. Ganz nach dem amerikanischen Vorbild feiern deutsche Abiturienten die Abschlussfeier zunehmend teurer.

Größer, aufwendiger, luxuriöser: Der Trend, den Abiball nach amerikanischem Vorbild des „Proms“ (Englisch für Ball) zu feiern, scheint auch in Deutschland angekommen zu sein. Dass Abibälle heute fünfstellige Summen kosten, ist keine Seltenheit mehr. Der Elternverband NRW zeigt sich besorgt über die Entwicklung.

Frei nach dem Motto „Nach der Paukerei kommt die Feierei“ erweist sich letzteres zunehmend als ein kostspieliges Unterfangen – zum Unmut der Eltern, die dafür oft tief in die Tasche greifen müssen. „Die Kosten für die Abitur-Abschlussfeiern sind in den vergangenen Jahren explodiert und für viele Familien eine finanzielle Belastung geworden“, sagt Dieter Cohnen, Vorstandsmitglied der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW.

Verantwortung bei Schülern wie Eltern

Cohnen zeigt sich besorgt über diese Entwicklung, die aber seiner Meinung nach nicht ausschließlich den Schülern zugesprochen werden sollte: „Wir als Eltern haben diese Entwicklung mitgetragen, vielleicht sogar gefördert und nicht rechtzeitig gesehen, dass eine solche Entwicklung in die falsche Richtung geht“, sagt Cohnen.

Sollte sich der Trend fortsetzen, fürchte er, dass „irgendwann eine soziale Ausgrenzung“ stattfinden werde, da nicht alle Familien die Wünsche ihrer Kinder finanziell mittragen könnten. Mittlerweile gäbe es Abiturfeiern, wo Familien „zwischen 500 bis weit über 1000 Euro und mehr zahlen müssten“, so Cohnen.

Nische für Veranstaltungsindustrie

Eventagenturen ist diese (lukrative) Entwicklung nicht entgangen: „Generell haben wir eine sehr gute Nachfrage nach unseren Locations“, sagt Paul Clauberg von der Agentur Fun Concepts aus Burscheid. Die Agentur biete exklusive Veranstaltungsorte sowie Begleitung bei der Planung der Feier an. Der Preisrahmen für einen Abiball sei dabei sehr individuell, gegen Aufpreis könne man sowohl im Catering, als auch im Programm „natürlich Anpassungen vornehmen“, so Clauberg und fügt hinzu: „Wir hatten schon Abibälle, die wie eine moderierte TV-Show stattgefunden haben.“

Eleganz (oder Extravaganz) zeigt sich auch an anderer Stelle: „In der Abiballzeit sind wir ausgebucht“, sagt Mike Birkholz, Betreiber von Moonshine Limousinenservice in Hilchenbach. Birkholz bietet Abiturienten die Möglichkeit mit Stretchlimousinen, Hummer (amerikanischer Geländewagen) oder auch Partybussen (Preis pro Stunde: 400 Euro) zum Abiball chauffiert zu werden. „Das Drumherum ist wichtiger geworden“, stellt Birkholz fest.

Finanzierungsmodel Vor-Abiparty

Den Schülern zu unterstellen, sie würden sich bei der Kostenübernahme gänzlich auf die Eltern verlassen, wäre jedoch nicht fair. Zumal ein Blick auf Südwestfalen zeigt: Nicht alle Schüler folgen dem Trend. Viele versuchen mit kreativen Mitteln selbst Geld zu erwirtschaften: „Wir haben vor zwei Jahren angefangen vor der Schule Waffeln zu verkaufen“, sagt Yüksel Sayin, Stufensprecherin der Abiturienten des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Hagen.

Zudem werden örtliche Sponsoren gesucht, wie etwa Banken. Die größte Einnahmequelle seien jedoch „Vor-Abiparties“, von denen Yüksel und ihre Mitschüler insgesamt drei organisiert haben. Insgesamt seien so bereits 5000 Euro eingenommen worden. Eine beachtliche Summe, die jedoch nicht ausreicht, um die anstehende 12.000 Euro teure Rechnung zu begleichen, die von der Dogan Arena, dem Austragungsort des Abiballs, für die Vermietung sowie Verpflegung veranschlagt wird.

Landeselternschaft glaubt an Sinneswandel

Die Höhe der Differenz würde sich letztendlich in den Ticketpreisen für den Ball widerspiegeln. Die Schüler des Städtischen Gymnasiums in Olpe haben sogar fünf Vor-Abiparties organisiert. „Wie hoch die Kosten am Ende dann werden, wissen wir allerdings noch nicht, auf jeden Fall fünfstellig“, so Stufensprecher Tom Rasch.

Auch wenn viele Schüler nach amerikanischem Vorbild ihren Abschluss feiern, sieht Dieter Cohnen allerdings auch aktuelle Gründe für einen Sinneswandel: „Angesichts der Schüler, die derzeit Freitags für das Klima auf die Straße gehen, sind wir eigentlich sehr positiv gestimmt, dass sich im Bewusstsein zukünftiger Abiturienten vielleicht der Wunsch nach weniger, bewusster und eben auch nachhaltiger entwickelt“, so Cohnen.

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