Kriminalität

Nach einem Einbruch wohnt die Angst mit im Haus

So können Sie sich vor Einbrechern schützen

Thomas Genster von der Hagener Polizei berät bei der Aktion "Riegel vor" Bürger, wie sie sich vor Einbrechern schützen können. Video: Michael Kleinrensing
Mi, 11.10.2017, 17.01 Uhr

So können Sie sich vor Einbrechern schützen

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Hagen.   Dreimal ist bei einer Familie aus Hagen in den vergangenen 14 Monaten eingebrochen werden. Die Verletzung der Privatsphäre lastet auf der Seele.

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Alleine hält sich der Jüngste der drei Jungs nicht mehr im ersten Stock auf. Der Achtjährige hat Angst, hat ein ungutes Gefühl. „Ich muss jetzt immer mit“, sagt Ina Gemke. „Das war früher nie so.“ Mit früher meint die 48-Jährige die Zeit vor den Einbrüchen. Innerhalb von 14 Monaten ist bei der fünfköpfigen Familie in Hagen drei Mal eingebrochen worden.

Das ändert alles.

„Wir leben nicht mehr so unbeschwert wie früher.“ Ehemann Elmar nickt und pflichtet bei: „Ich bin seitdem immer in Habachtstellung.“ Die Daten der Taten hat das Ehepaar, sie Grundschullehrerin, er Gartenbauarchitekt, wie eingebrannt im Kopf.

Einbrecher verfolgt

Der jüngste Fall: In der Nacht vom 28. auf den 29. April, von Freitag auf Samstag, hört er um 3 Uhr Geräusche. „Wir schlafen seit den Einbrüchen viel leichter und unruhiger.“ Jedes Geräusch raubt dem Paar den Schlaf. „So wie früher als die Kinder noch klein waren.“ Elmar Gemke vermutet einen Marder auf dem Dachboden. „Der ist seit Jahren bei uns aktiv.“ Er klopft an die Decke, will ihn so verjagen.

Auf einmal hört das Paar, wie die Tür, die nach oben führt, geöffnet wird. Ein vertrautes Geräusch verrät den Eindringling. Das Scharnier quietscht. Er sagt, „sie sind wieder da“, springt aus dem Bett, raus aus dem Schlafzimmer und sieht ein bläuliches Licht im Flur, das sich schnell entfernt. Der Täter flüchtet. „Und ich habe das gemacht, was man nicht machen sollte, die schlechteste Lösung. Im Schlafanzug habe ich ihn verfolgt.“ Seine Frau hinterher: „Im ersten Moment habe ich keine Angst.“

Der Einbrecher erbeutet ein nagelneues Laptop, ein bisschen Bargeld und lässt den Autoschlüssel des VW-Beetle mitgehen. „Eine Woche musste ich den Wagen verstecken, damit er nicht gestohlen wird. So lange hat das gedauert, bis das Auto sozusagen eine neue Identität bekommen hat.“

Der Einbruch mit Sichtkontakt zum Verbrecher setzt der Familie zu. Bereits in der Nacht vom 14. auf den 15. August 2016 und am 14. Dezember 2016 vormittags waren Einbrecher unbemerkt ins Haus eingestiegen. Einmal haben sie sich durch ein Erkerfenster gewunden, beim anderen Mal vierzig Mal angesetzt, um die Balkontür mit Brachialgewalt zu öffnen. Zuvor waren sie damit gescheitert, die Kellertür aus den Angeln zu heben. Mit dem Hammer hatten sie den Putz von der Wand geklopft.

Schaden von knapp 20 000 Euro

„Beide Mal war das Haus nie so durchwühlt worden, wie man es von Bildern und aus Filmen kennt“, sagt Ina Gemke. Gezielt nahmen die Einbrecher das mit, was sie offenbar verwerten konnten. Laptops, I-Pads, Handys und Schmuck. „Darunter Stücke meiner Mutter und Großmutter. Viele hatten für mich einen hohen ideellen Wert. Auch die Uhr meines Sohnes, die er zu Konfirmation geschenkt bekommen hat, haben sie mitgenommen.“ Spöttisch und immer noch fassungslos fügt sie hinzu: „Den Milchzahn eines Sohnes haben sie im Schmuckkästchen gelassen.“ Insgesamt beziffert die Familie den Schaden, der ihr entstanden ist, auf knapp 20 000 Euro.

Kein Fort Knox

Die Konsequenz? „Ja“, sagt Elmar Gemke, „wir wollen den Schutz des Hauses vor Einbrechern verstärken“. „In Fort Knox aber wollen wir nicht leben.“ Einzelheiten verbieten sich an dieser Stelle aus gutem Grund. Erbost ist der 48-Jährige darüber, dass der Staat offenbar nicht in der Lage sei, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. „Das ist ein im Grundgesetz verbrieftes Recht.“

Die verletzte Privatsphäre bleibt in den Kleidern, lastet auf der Seele. „Ich bin wütend, dass wir gezwungen werden, alles zu verriegeln und zu verrammeln“, sagt die dreifache Mutter. „Früher haben die Jungs im Garten gezeltet, die Kellertür war nicht abgeschlossen, wenn sie mal rein mussten. Das ist heute alles nicht mehr denkbar.“

Ein Blick in die Zukunft? „Wir haben ein Stück Lebensqualität verloren. Und die Gründe dafür sind ja nicht aus der Welt.“

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