Nachhaltigkeit

Wie Sie Ihr Geld mit gutem Gewissen anlegen

Die Siegener Firma 7x7 Invest hat sich auf nachhaltige Investitionen spezialisiert. Geld kann man dort zum Beispiel in gesellschaftsrelevante Sachwerte wie Immobilien (Kitas, altersgerechtes Wohnen etc.) investieren.

Die Siegener Firma 7x7 Invest hat sich auf nachhaltige Investitionen spezialisiert. Geld kann man dort zum Beispiel in gesellschaftsrelevante Sachwerte wie Immobilien (Kitas, altersgerechtes Wohnen etc.) investieren.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Siegen.  Wer sein Erspartes zur Bank trägt, der weiß oft nicht, wo es investiert wird – womöglich in dubiose Firmen. Es gibt nachhaltige Alternativen.

Der Investmentfonds ist alt. So alt, dass das Wort Nachhaltigkeit noch gar nicht Eingang ins allgemeine Bewusstsein gefunden hatte. Aber nun ist der Begriff in der Welt. Und immer mehr Menschen prüfen, wie sie sich verantwortungsvoll Verhalten können. Auch in Geldgeschäften. So wie ich. Im Vertragswerk meines Fonds steht kein Wort von Nachhaltigkeit.

Seine Rendite? Schwankend.

Die Moral? War kein Faktor.

Die Folgen? Möglicherweise bizarr. „Wenn Sie nicht darauf achten, können Sie theoretisch derjenige sein, der zwar jedes Wochenende gegen Kernkraft demonstriert, der die Branche aber gleichzeitig – wenn auch unwissentlich – mit seiner Geldanlage unterstützt“, sagt Claudia Tober, Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), der Fachverband für Deutschland, Österreich und die Schweiz, der auch das bekannteste Prüfsiegel der Branche vergibt. Investitionen in Anbieter, die Arbeits- und Menschenrechte verletzen, gegen den Umweltschutz verstoßen, der Korruption verdächtig sind, sind tabu. Auch in Atomkraft, Kohlebergbau und Waffen darf unter Nachhaltigkeitskriterien kein Geld fließen.

7x7 in Siegen

In Siegen gibt es eine Firma, die sich schon vor Jahren auf nachhaltige Investitionen spezialisiert hat. 7x7 Invest heißt sie, unweit des Stadtzentrums gelegen. Vorstand Andreas Mankel hat – wie viele andere Menschen – irgendwann den Glauben in den bestehenden Finanzmarkt verloren. Irgendwann war am 16. September 2008, als seine Kunden über Nacht 60 Prozent ihres Einlagevermögens verloren, weil das internationale Finanzsystem kollabierte. „Da gab es Wetten auf den Gold- und Ölpreis und Leerverkäufe. Das war staatlich legitimiertes Spielcasino“, sagt Mankel und beschloss für sich: „So konnte es nicht weitergehen.“

Mankel war auf der Suche nach mehr Aufrichtigkeit – und machte sich mit der Idee selbstständig. Nun bietet er seinen Kunden nicht nur das magische Dreieck aus Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit an, sondern stellt auch Fragen zur Nachhaltigkeit. Anlegesumme: 5000 Euro. Und jetzt? Wie wird‘s nachhaltig?

Ich kann das Geld zum Beispiel anlegen und damit die Förderung sauberen Trinkwassers unterstützen. Investiert wird weltweit in Firmen, die technische Lösung zur Trinkwassergewinnung bieten. Es geht um Aufbereitungsanlagen, Abwassersysteme, Leitungen, Brunnenbau. „Trinkwasser“, sagt Mankel, „ist das Gold der Zukunft.“

Oder wie wäre es mit einer Umweltanleihe, mit der Geld in gesellschaftsrelevante Sachwerte wie z.B. Immobilien (Kitas, altersgerechtes Wohnen etc.) fließt. Weniger Rendite, aber sicheres Geld, sagt Mankel.

Drittens: Eine Beteiligung an vier bereits gebauten Solarparks (einer davon in Haiger). Ruhig im Verlauf, steuerliche Vorteile für Unternehmer inklusive. Nachhaltigkeit ist toll und wichtig, aber das Geld ist bei Geldanlagen auch nicht zu vernachlässigen. Wie sieht es also aus mit der Rendite? Muss ich auf Geld verzichten, wenn ich grün investiere? „Nachhaltige Geldanlagen rentieren zum Teil besser als herkömmliche Produkte“, sagt Mankel.

Der Markt ist sehr klein

Nur rankommen muss man halt. Nicht immer ist der Weg zur Bank um die Ecke von großem Erfolg gekrönt. Auch dort gibt es Angebote, aber womöglich nicht sehr viele. „Der Markt ist sehr klein, aber es wird besser durch den politischen Druck“, sagt Mankel.

Der Marktbericht des FNG, der in der vergangenen Woche herausgekommen ist, schreibt den nachhaltigen Geldanlagen großes Potenzial zu. Der Marktanteil lag 2018 bei 4,5 Prozent, was 219 Milliarden Euro entspricht. Die Tendenz sei aber deutlich steigend. Das lässt sich von meinem alten Investmentfonds nicht wirklich sagen. Leider.

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