Corona

Was die neuen Corona-Regeln für die Region bedeuten

Der Corona-Ellenbogen-Gruß: Nach wie vor gelten Regeln, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Aber sind sie nach den jüngsten Beschlüssen klarer geworden?

Der Corona-Ellenbogen-Gruß: Nach wie vor gelten Regeln, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Aber sind sie nach den jüngsten Beschlüssen klarer geworden?

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Hagen/Sauerland.  Die neuen Corona-Regeln sind da. Aber was bedeuten sie für Großveranstaltungen, Feiern und die Maskenpflicht in der Region? Betroffene erzählen.

Dirk Wagner ist erleichtert. Wegen der jüngsten Corona-Beschlüsse von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten. Denn die sehen vorerst kein generelles Verbot für Weihnachtsmärkte vor. Der Veranstalter des Hagener Weihnachtsmarktes sieht sich daher in einer „glücklichen Lage“, wie er sagt. „Wir haben hier mit der Stadt Lösungen gefunden. Die sind zwar noch nicht final entschieden, aber auf einem guten Weg.“

Im Klartext heißt das: Die Planungen für den Weihnachtsmarkt laufen weiter. Eine Sicherheit gebe es zwar nicht, und so ein Weihnachtsmarkt habe auch einen gewissen Kostenetat, den man berücksichtigen müsse, sagt Wagner. Aber: „Wir haben Hoffnung. Unsere Lage hier in Hagen ist gut und auf solche Bedingungen soll es ja ankommen.“

Entzerrt werden sollen etwa die „Hotspots, damit wir mehr Flächen zur Verfügung haben und es kein Gedrubbel gibt“. Angedacht sei auch, dass der Markt über einen längeren Zeitraum als üblich stattfinden könnte. Hygienekonzepte für alle Geschäfte seien dabei selbstverständlich. Verzichten müssten die Besucher in diesem Jahr allerdings auf einige Highlights wie das Feuerwerk oder den Nikolaus-Besuch. „Das zieht zu viele Leute auf einmal an.“ Ein „normaler Geschäftsbetrieb“ sei allerdings sicherlich umsetzbar, sagt Wagner.

Mit so vielen Menschen wie in den Jahren zuvor rechnet der Veranstalter zwar nicht, „aber es ist trotzdem wichtig, dass wir da sind. Für uns und die Bürger – damit wenigstens etwas weihnachtliche Atmosphäre in die Stadt kommt“.

So auch die Stimmung in Soest: Auch dort sollen in diesem Jahr die Buden-Lichter brennen. Das sei das Ziel der Stadt und der Wirtschaft & Marketing Soest GmbH, wie Pressesprecher Thorsten Bottin sagt. „Wir sind mit dem Land in Gesprächen darüber, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden kann“, betont Peter Wapelhorst, Geschäftsführer der WMS.

Das Konzept stehe – zumindest unter den jetzt geltenden Verordnungen. Ob sich das in den nächsten Wochen ändern wird, sei natürlich noch nicht absehbar. In jedem Fall gelte: „Der Weihnachtsmarkt muss für alle Beteiligten, also insbesondere für die Aussteller, Sinn machen. Auch für die Soester Gastronomie und den Einzelhandel ist der Markt ein erheblicher Wirtschaftsfaktor.“

Die Familienfeiern

Sich immer wieder auf neue Verordnungen einzustellen, daran ist Andrea Remmel inzwischen gewöhnt. Sie leitet das Landhotel Klaukenhof in Lennestadt-Burbecke. Geändert habe sich für sie durch die jüngsten Beschlüsse aber gar nichts, sagt sie bestimmt. Denn „die großen Feiern wurden eh alle schon storniert – bis in den Dezember rein“. Und überhaupt wolle das Team keinesfalls etwas riskieren.

Heißt: Familienfeiern und private Feste sind das Aushängeschild des Landhofs. Viele Gäste lässt Andrea Remmel dort trotzdem nicht zu – maximal 20 Leute dürfen gemeinsam feiern. „Das können wir noch händeln – alles andere nicht. Die Leute werden über den Abend geselliger, spätestens sobald das Bier fließt. Da können wir nicht mehr auf jeden ein Auge haben.“

Und noch bevor die Beschlüsse überhaupt offiziell waren, habe sie am Donnerstag bereits das erste Fest wieder abgesagt: „Als es hieß, dass Familienfeiern vielleicht nur noch ganz beschränkt stattfinden dürften, habe ich direkt mit einem Gast telefoniert, der seinen 60. Geburtstag hier feiern will. Das haben wir dann auf den nächsten Sommer verschoben, es war uns beiden zu unsicher. Jetzt kann ich wieder ruhiger schlafen.“

Mit den regelmäßig neuen Corona-Regeln gehe sie mittlerweile gelassen um. Sorgen bereite ihr vielmehr, dass sich das Virus womöglich bei einer Feier in ihrem Haus verbreiten könnte. Deshalb gehe sie lieber auf Nummer sicher. „Sonst ist man im Zweifel der Buhmann der gesamten Region.“

Ende der Maskenpflicht im Unterricht

KeineMaskenpflicht mehr während des Unterrichtsab September – die Entscheidung der Landesregierung stößt sowohl in den Schulen als auch bei Eltern auf ein geteiltes Echo. „Ich halte die Entscheidung für falsch. Selbst wäre es in Klassenräumen möglich, den Mindestabstand einzuhalten, dürfte dies bei allem, was wir mittlerweile über die Aerosolübertragung wissen, nicht ausreichen, um einen Infektionsschutz zu gewährleisten“, schreibt etwa Sabine Kind aus Hagen auf Facebook.

Sinan Akbaba widerspricht: „Diejenigen, die diese Entscheidung nicht verstehen können, haben womöglich keine Kinder. Das war eine Zumutung für die Kinder.“ Die Tochter von Julia Brechtefeld sieht das anscheinend anders. Die Mutter schreibt: „Meine Tochter hat für sich entschieden, die Maske auch weiterhin zu tragen – löbliches Verhalten, das meiner Meinung nach eigentlich durch die weitere Verpflichtung gesichert hätte werden sollen.“

Unsicherheit herrscht am Gymnasium Maria Königin in Lennestadt: Schulleiter Jan Fabian Borys sagt, die Entscheidung gegen eine Maskenpflicht sei zwar schlüssig. „Andererseits war sie der einzige Schutz, den wir hatten.“

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