Wald-Knigge

Neue Waldregeln - Pferdebesitzer froh über mehr Freiheiten

Künftig dürfen Reiter  mehr Waldwege benutzen.

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Künftig dürfen Reiter mehr Waldwege benutzen. Foto: imago stock

Hagen.   Ab Januar dürfen Waldwege genutzt werden. Waldbesitzer fürchten Schäden. Pferdebesitzer froh über mehr Freiheiten. Knigge hilft beim Miteinander.

Die Waldbesitzer sind auf dem Baum. Nach dem neuen Landesnaturschutzgesetz sollen ab Januar 2018 alle befestigten Waldwege für Reiter freigegeben werden. Die Eigentümer befürchten Schäden und ziehen Parallelen mit der Entwicklung bei Mountainbikern. „Nicht wenige von ihn wüten abseits der Wege“, sagt Ferdinand Funke aus Finnentrop, stellvertretender Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW.

Verschiebung gefordert

In einem Schreiben an Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) hat der Verband die Ministerin am Mittwoch aufgefordert, die Umsetzung der Reitregelung „um mindestens ein Jahr zu verschieben“. Diethard Altrogge, Leiter des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein sieht Mehrbelastungen auf die Waldbesitzer zukommen. „Die Reiter müssen wissen, dass sie durch den Vorgarten eines Eigentümers reiten.“ Gravierende Konflikte vor seiner Haustür sieht er nicht. „Wir haben viel Wald und wenig Menschen. Und in Gesprächen lassen sich Lösungen finden.“

Wibke Marquardt aus Schwerte, Reitwegebeauftragte für den Regierungsbezirk Arnsberg und stellvertretende Sportwartin des Landesverbandes NRW der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD), kritisiert den Widerstand der Waldbesitzer, bewertet die neue Reitregel naturgemäß anders: „Sie entspricht dem langjährigen Ziel unserer Vereinigung zur Liberalisierung des Reitens im Wald. Egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pferd, jeder sollte die Natur genießen dürfen.“ Sie bedauert, „dass Reiter nicht gerne gesehen werden“. Und je mehr Menschen in die Hufe kommen und im Wald auf welche Art auch immer Kraft tanken wollen, desto voller wird es hier. Jogger, Biker, Reiter, Wanderer, Walker, Hundehalter. Jeder für sich, jeder anders. „An neuralgischen Punkten, die wir nicht verraten“, sagt Rouven Soyka, Sprecher vom Sauerland-Tourismus, „haben wir Messstellen für Fußgänger und Radfahrer installiert.“ Warum? „Um möglichen Konflikten vorzubeugen.“

Rücksichtslos unterwegs

Dass Rücksicht und Respekt vor anderen im Wald und auf der Flur nachlassen, ist ein offenes Geheimnis. Die Verrohung im Straßenverkehr setzt sich auf dem Waldweg mit weniger PS fort. „Zehn Prozent der Mountainbiker sind wie die wilde Sau unterwegs“, sagt Detlef Lins, Geschäftsführer des Naturparkes Sauerland-Rothaarsteig. „Es wird auch nicht immer friedlich mit anderen diskutiert.“ Ein Elf-Punkte-Waldknigge soll beim rücksichtsvollen Umgang miteinander helfen. Ob diese erzieherische Maßnahme hilft, ist nicht gewiss. „Das Verständnis für den anderen hat definitiv nachgelassen“, weiß Dirk Zimmermann, Leiter des Naturschutzzentrums des Sauerländischen Gebirgsvereins in Arnsberg.

Freuen sich die Reiter über mehr Bewegungsfreiheit, über das Ende eines unübersichtlichen Wegenetzes, ist das letzte Worte nicht gesprochen. Kreise und Städte sind es, die am Ende entscheiden, welchen Weg sie für Reiter freigeben. „Ja“, sagt Martin Reuther, Sprecher des Hochsauerlandkreises, „es wird Ausweitungen für Reiter geben. Derzeit befinden wir uns im Abstimmungsprozess.“

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