Orgel

Orgel in Kloster Oelinghausen feiert 300-Jahr-Jubiläum

Günter Brücker an der Denkmalorgel im Arnsberger Kloster Oelinghausen. Das Instrument zählt zu den bedeutendsten in ganz Westfalen.

Foto: Ralf Rottmann

Günter Brücker an der Denkmalorgel im Arnsberger Kloster Oelinghausen. Das Instrument zählt zu den bedeutendsten in ganz Westfalen. Foto: Ralf Rottmann

Arnsberg.   Vor 300 Jahren hat Baumeister Johann Berenhard Klausing die Oelinghauser Orgel vollendet. Wir verraten, warum das Instrument so bedeutend ist.

Diese Töne atmen das Geheimnis vieler Jahrhunderte. Einsam zwischen Wiesen und Wäldern gelegen, beherbergt das Kloster Oelinghausen in Arnsberg-Holzen die bedeutendste Denkmalorgel Westfalens, praktisch eine Orgel in der Orgel. Möglicherweise ist die sauerländische Sparsamkeit der Grund für die Einzigartigkeit des Instrumentes. Denn man wirft nichts weg, was sich noch gebrauchen lässt. Also sind in Oelinghausen ganze Pfeifenregister mehrerer Orgelbaumeister aus Renaissance und Barock erhalten. Den letzten Neubau hat Johann Berenhard Klausing im Jahr 1717 vollendet. Dieses 300-Jahr-Jubiläum feiern der Freundeskreis Oelinghausen und die Kirchengemeinde St. Petri Hüsten am Pfingstwochenende mit einem kleinen Festival. Neben Konzerten gibt es eine Ausstellung.

Reiche Klöster leisten sich Luxus

Dass sich in Südwestfalen besonders viele herausragende Denkmalorgeln erhalten haben, hat einen einfachen Grund. In dieser Region werden im Mittelalter viele Klöster gegründet. Die sind oft sehr wohlhabend und können ihre Kirchen mit dem neuesten Luxus ausstatten. Die erste Orgel nördlich der Alpen kommt im Jahr 812 als Geschenk aus Byzanz zu Karl dem Großen nach Aachen. Nach und nach beginnen einzelne Bischofskirchen, sich ebenfalls Orgeln anzuschaffen. Bereits um 1390 wird in der Kirche Oelinghausen eine Blockorgel vermutet. „Das war sehr früh und ein Indiz dafür, dass es sich um ein reiches, hochadeliges Kloster gehandelt hat“, schildert Marlene Kraft, Musiklehrerin im Ruhestand und Expertin des Freundeskreises für die Trakturen und Pedale in Oelinghausen.

Um 1499 wird die Blockorgel von einer Schwalbennestorgel abgelöst. Organist und Kalkant müssen halsbrecherisch über das Gewölbe klettern, um an den Spieltisch und die Windladen zu kommen. Am 2. Februar 1586 plündern Reitertruppen das Kloster während der Truchsessischen Wirren und zerstören die beiden inzwischen vorhandenen Orgeln. 1599 werden sie auf Veranlassung des Bischofs von Paderborn, Dietrich von Fürstenberg, durch zwei neue Orgeln, eine große und ein Positiv, ersetzt. Fürstenbergs Schwester Ottilia ist Priorin in Oelinghausen.

Von Bremen ins Sauerland

Diese Renaissance-Orgel baut Marten de Mare, ein Vertreter der Brabanter Schule, der sich in Bremen niedergelassen hat. Meister Marten ist für seine Instrumente im norddeutschen Raum berühmt. Doch von 1599 bis 1601 zieht er nach Paderborn, weil er Aufträge für gleich drei Neubauten hat: Oelinghausen, Altenhundem und Burg Schnellenberg. Marten de Mare verwendet bereits Register der Vorgängerorgeln. Ähnlich verfährt Johann Berenhard Klausing, der von 1714 bis 1717 die Orgel umbaut. Diese archäologischen Klang-Schichten hat die Schweizer Firma Kuhn bei der Restaurierung zwischen 1999 und 2002 behutsam gesichert – ein spektakuläres Projekt, das nur durch großes bürgerschaftliches Engagement möglich wurde.

Auch in anderen historischen Orgeln sind Pfeifen von älteren Instrumenten verbaut, doch die Übernahme ganzer Register wie in Oelinghausen ist einmalig. „Von den 15 Registern Klausings waren neun von den Vorgängern. Klausing hat eine Synthese geschaffen, dass jedes Register solistisch eingesetzt werden kann, aber auch mit den anderen zusammen. Dieser Verschmelzungsgrad ist außerordentlich hoch“, so Marlene Kraft. Kantor Peter Volbracht hebt hervor: „Der Registerbestand von 1599 ist insofern bemerkenswert, als er in dieser Vollständigkeit in Deutschland und dem benachbarten Ausland kaum anzutreffen ist.“

Man sieht die Jahrhunderte in Oelinghausen nicht nur, zum Beispiel am Prospekt, man kann sie auch hören. Dieser unvergleichliche, atmende Klang fasziniert Musiker ebenso wie Zuhörer. Deshalb beschreibt Dr. Günter Bertzen als Vorsitzender das Ziel des Freundeskreises: „Wir wollen die Orgel ins Bewusstsein rücken. Ein solches Instrument hat seinen Wert ja nur, wenn es geliebt wird.“

Die mutmaßlich älteste spielbare Orgel der Welt steht ebenfalls in Südwestfalen, und zwar in der Kirche St. Andreas in Soest-Ostönnen. Das Holz der Windladen lässt darauf schließen, dass dieses Instrument zwischen 1425 und 1431 gebaut wurde. Zuständig für diese spektakuläre Datierung war Hubert Michel, Dendrochronologe aus Arnsberg, der ebenfalls im Freundeskreis Oelinghausen aktiv ist. Die Dendrochronologie ist eine Methode zur Holzaltersbestimmung. Hubert Michel hat auch das Holz der Oelinghauser Orgel hin untersucht, was damals eine Pionierleistung war. „Dadurch ist man auf mich aufmerksam geworden. Heute ist die Dendrochronologie bei Restaurierungsarbeiten an wertvollen Häusern, Orgeln oder Geigen immer im Spiel, um die Datierung zu sichern. Man kann mit dieser Methode das Fällungsdatum der verwendeten Bäume bestimmen“, schildert er. So konnte Michel belegen, dass es sich beim Oelinghauser Prospekt um einen der ersten typisch westfälischen Orgelprospekte handelt.

Die Ausstellung „300 Jahre Klausing-Orgel“ wird am Sonntag, 4. Juni, 12.30 Uhr, im Klostergartenmuseum Oelinghausen eröffnet. Abends konzertiert das Ensemble Odyssee. Am Montag, 5. Juni, gibt der Organist Andrea Friggi ein Konzert. Beide Programme beginnen um 19 Uhr.

www. freundeskreis-oelinghausen.de

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