Ostern

Ostern brummt das Fischgeschäft im Kreis Olpe

Lennestadt.   Fischwirt Thomas Rameil (54) hat in der Karwoche genauso viel zu tun wie vor Weihnachten. Die meisten Kunden kaufen Filets, grätenlos und geräuchert.

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Der Rotmilan verhält sich verdächtig. Lautlos zieht er seine Kreise über den Fischteichen. „Der hat auch Karwoche“, sagt Thomas Rameil (54) und lacht. In seiner Sauerländer Fischzucht in Lennestadt-Gleierbrück herrscht gerade Hochbetrieb. „Wir haben jetzt vor Ostern erstmals so viel zu tun, wie sonst an Weihnachten und Silvester“, sagt Rameil.

Der Fischwirt ist seit 4 Uhr auf den Beinen, die wie jeden Tag in kniehohen Gummistiefeln stecken. „Gestern klingelte mein Handy 86 Mal. Unglaublich.“ Am Morgen war er bereits im Ruhrgebiet und in Wipperfürth. Am Nachmittag geht’s noch einmal in Richtung Bergisches Land. Die zappelnde Bestellung hierfür stellt Rameil gerade zusammen. „Jetzt noch 20 Kilo Saiblinge“, ruft einer. Zusammen mit dem Gesellen Stephan Gastreich hievt Rameil einen weißen Bottich auf die Ladefläche. „Vorsicht, nass!“ Die Warnung gilt dem Fotografen. Und schon flutschen die Fische in den Behälter.

Türkei ist der größte Forellenzüchter

Der Betrieb, einer der fünf größten Speisefischproduzenten in NRW, hat sich auf kleinere Lieferungen spezialisiert – Speisefische und Besatzfische, zum Beispiel für die Teiche der Anglervereine oder Hobbyzüchter. „Das ist unsere Nische“, sagt Rameil. Zu den Kunden gehören seit diesem Jahr auch Rewe, die den Räucherfisch unter ihrem regionalen Sortiment vertreiben. Viel wird geht aber auch über den Tresen im Hofladen. Unüberhörbar ertönt ein Schiffshorn, wenn Kunden das Geschäft betreten. Besonders beliebt: Filets, geräuchert, grätenlos.

  • Der Kreis Olpe ist in NRW die Hochburg der Speisefischzucht. Zwölf Betriebe erbrachten im Jahr 2015 genau 368 191 Kilogramm Fisch und damit ein Viertel (27,1 Prozent) der gesamten NRW-Produktion.
  • Den größten Anteil hat hierbei die Regenbogenforelle (305 241 Kilogramm). Aus ihr wird auch die Lachsforelle hergestellt. Eine Lachsforelle ist eine Regenbogenforelle, die ab einem gewissen Alter ein anderes Futter bekommt. So erhält das Fleisch dann die rötliche (lachsähnliche) Farbe.

Die meisten Forellen im deutschen Handel stammen aus der Türkei. „Die produzieren dort unter ganz anderen Bedingungen.“ Rameil schätzt die türkische Produktion derzeit auf 300 000 Tonnen im Jahr, in Deutschland seien es höchstens 10 000. Und davon kommen 150 Tonnen aus dem idyllischen Tal am Gleierbach, in dem seit 1901 Fischzucht betrieben wird. Thomas Rameil ist die vierte Generation, er stieg 1984 ein, und steigerte dem Jahresumsatz auf aktuell mehr als 500 000 Euro.

20 Prozent seiner Fische verkauft der Sauerländer in seinem Angelpark. Am grünlichen Wasser der sieben Teiche, etwa 500 Meter die Straße runter, hocken auch an diesem Tag gut 20 Angler mit Hüten und in Gummihosen und warten darauf, dass die Fische anbeißen. Und das ist quasi garantiert: Die Fangquote liegt bei 90 bis 95 Prozent. „Früher war Karfreitag der klassische Angeltag“, erinnert sich Rameil. Heute verlagere sich das eher auf Pfingsten und Vatertag. „Und im Winter kommen die Osteuropäer zum Eisangeln.“

Regenbogenforelle wiegt etwa 350 bis 450 Gramm

Etwa 15 bis 18 Monate dauert es, vom Ei bis zum fertigen Speisefisch. Die Regenbogenforelle wiegt dann etwa 350 bis 450 Gramm. Bei Familie Rameil gab’s die letzte Forelle übrigens erst vor ein paar Tagen, zubereitet von der jüngsten Tochter. „Gefüllt mit Zwiebeln, bisschen Gewürze, ab in den Backofen. Fertig.“ Ohne Schnörkel, so mag’s der Sauerländer am liebsten.

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