Wirtschaft

Die Otto Fuchs KG aus Meinerzhagen auf Wachstumskurs

So archaisch es beim Schmieden und Pressen auch aussieht – die Produkte sind Hightech und finden unter anderem in Raketenantrieben der Ariane Verwendung.

So archaisch es beim Schmieden und Pressen auch aussieht – die Produkte sind Hightech und finden unter anderem in Raketenantrieben der Ariane Verwendung.

Meinerzhagen.   Die Otto Fuchs KG, Zulieferer von Leichtmetallprodukten für die Automobil- und die Luft- und Raumfahrtbranche, ist weiter auf Wachstumskurs.

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Die Fuchs-Felge ist das hierzulande wohl bekannteste Produkt des Meinerzhagener Unternehmens Otto Fuchs. Seit das erste Aluminium-Flügelrad mit dem Porsche 911 auf deutsche Straßen kam, ist es zur Legende geworden. Nach wie vor fertigt der Mittelständler in Familienhand am Stammsitz im Sauerland und seit den 1990er-Jahren auch in Ungarn geschmiedete Aluminiumräder für die Automobilbranche. Aber längst haben andere Bereiche die Edel-Felgen, die Herstellung von Aluminium-Querlenkern und Federlenker sowie weitere Produkte für den Autobau an Bedeutung mindestens eingeholt. Die Sparte Aerospace trägt heute ebenso viel zum Umsatz bei wie Automotive.

Landmarke „Technikum“

Die Palette bei Otto Fuchs ist reichhaltig. Und immer geht es darum, in Leichtbauweise die Nase vorn zu haben. Über 150 Werkstofflegierungen aus Aluminium, Magnesium, Titan, Kupfer und Nickel werden bei Otto Fuchs geformt – in Strangpressen, Ringwalzen und nicht zuletzt gewaltigen Schmieden. In Meinerzhagen lief lange die weltgrößte Schmiedepresse in privater Hand. 30 000 Tonnen sind eine beinahe unvorstellbare Kraft, mit der Werkstücke für die Luft- und Raumfahrt umgeformt werden. Bereits seit über 30 Jahren starten beispielsweise Ariane-Raketen mit Triebwerksteilen von Otto Fuchs ins All.

Ferienflieger starten und landen sicher dank Aluminium-Bugfahrwerk und -Flugzeugradhälften aus dem Sauerland. Die Flugzeugbauer vertrauen hier seit langem den High-Tech--Produkten aus dem Hause Otto Fuchs, damit es keine Bauchlandung gibt.

Dabei macht der Stammsitz in Meinerzhagen von außen betrachtet beinahe den Anschein, als wäre die Zeit seit einhundert Jahren stehen geblieben. Aber: Der Eindruck täuscht gewaltig. Zwar sind Verwaltung und Produktion höchst verschachtelt, weil das Unternehmen stetig wuchs, aber ein Blick hinter die Fassaden lehrt den Betrachter eines besseren.

Zudem wird bald eine echte Landmarke für die sauerländische Mittelstadt entstehen. 22 Millionen Euro werden in ein 27 Meter hohes „Technikum“ investiert. Im modernen, siebenstöckigen Gebäude sollen Forschung und Entwicklung, bisher auf dem Gelände verteilt, endlich konzentriert an einem Platz zusammenkommen. Wenige Kilometer Luftlinie baut das Unternehmen zudem gerade eine neue Produktionsstätte zu Oberflächenveredelung, die im Sommer eingeweiht werden soll.

Otto Fuchs wächst. In den letzten fünf Jahren stieg der Umsatz allein im Bereich Automotive und Aerospace um rund 40 Prozent. Über Erträge sprechen familiengeführte Unternehmen traditionell wenig. Aber Otto Fuchs ist offenbar höchst liquide, wie Hinrich Mählmann, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, versichert: „Die DEG ist die einzige Bank, bei der wir einen Kredit haben.“ Und dies laut Mählmann und Finanzchef Richard A. Hussmanns auch nur aus einem Grund. Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), Tochtergesellschaft der Kreditanstalt für Wiederaufbau, ist eine Art diplomatischer Türöffner für Otto Fuchs in China gewesen und stellte ein langfristiges Darlehen zur Verfügung. Die Begleitung deutscher Mittelständler ist eine strategische Kernaufgabe der DEG. Ihr Leumund rührt daher, dass die Bundesrepublik Deutschland mit ihrem Namen für die DEG steht. Das Geschäft mit dem Bau von Aluminium-Querlenkern für den chinesischen Markt läuft rund. Otto Fuchs hat Fuß gefasst auf dem Markt. Für weitere Investitionen ist die DEG dort nun nicht mehr nötig.

Hilfe aus dem Siegerland

Für ein anderes kostenintensives Projekt benötigte das Unternehmen keine Hilfe von Banken. Am Standort der Tochtergesellschaft „Weber Metals“ in Paramount/Kalifornien wurde 2017 eine neue hydraulische Großpresse mit einer Kraft von 60 000 Tonnen gebaut. Ein Monument der Technik. In eine 24 Meter tiefe Grube wurden 45 000 Tonnen Stahlbeton als Fundament gefüllt. Mit über 9000 Tonnen Material ist die nun weltgrößte Gesenkschmiedepresse in Unterflurbauweise laut Mählmann schwerer als der Pariser Eifelturm. Sie wird Teile für die Luft- und Raumfahrt liefern. Bei diesem Projekt gab es Hilfe aus Südwestfalen. Angefertigt und errichtet hat die Presse der Maschinenbauer SMS aus dem Siegerland.

Fakten zur Otto-Fuchs-Gruppe

Zur Otto-Fuchs-Gruppe gehört seit 1964 auch das Unternehmen Schüco in Bielefeld.

Im Geschäftsjahr 2017 erzielte Otto Fuchs rund 2,6 Milliarden Euro Umsatz gegenüber 2,45 Millionen im Vorjahr. Zu den Geschäftsfeldern zählen Leichtbauprodukte für Automotive, Luft- und Raumfahrt und „Extrusions“ wie Lärmschutzwände, Sonnenschutzlamellen oder Masten aus Aluminium, zudem die Schücoprodukte wie Fenster, Haustüren, Fassaden etc. Das Geschäft mit Photovoltaikanlagen, das rund eine Milliarde Umsatz ausmachte, wurde 2012 beendet.

Es werden rund 10 000 Mitarbeiter beschäftigt; 3000 am Stammsitz, wo die Otto Fuchs KG 1910 gegründet wurde.

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