Skispass

Perfekte Pisten in Winterberg für Karnevals-Muffel

Wintersportler  am Herrloh in Winterberg fahren im Schlepplift nach oben.

Wintersportler am Herrloh in Winterberg fahren im Schlepplift nach oben.

Winterberg.   50 Zentimeter Schnee und 80 aktive Lifte: Winterberg bereitet sich auf das Karnevals-Wochenende vor - und erwartet großen Ansturm.

Die geplagte Seele hinterm Steuer lehnt sich zurück. Auf WDR 3 spielen sie die ungarische Rhapsodie von Franz Liszt. Nr. 2 cis-Moll. Am Klavier Vladimir Horowitz. Es passt. Wie dafür komponiert. Das graue Grün der Landschaft verwandelt sich in eine zauberhafte Winterkulisse.

Lange glaubt der Autofahrer nicht an das Weiß in Winterberg. Doch hinter Olsberg-Assinghausen wird es wahr. Winterwunderland. Und was passiert? Verrückte Welt. Im Kopf kreisen Karnevalslieder. Ungefragt. Wie aus heiterem Himmel. Dicke Mädchen haben schöne Namen, heißen Tosca, Rosa oder Carmen. Da simmer dabei. Dat is prima. Viva Colonia.

Das war früher. Heute geht es um Flucht. Flucht vor Menschenmassen, die auf Knopfdruck lustig sind, sich verkleiden, betrinken und wild pinkeln. Sei es in Köln, Düsseldorf oder anderswo.

Weiberfastnacht in Winterberg ist anders. Ganz anders. Nichts deutet auf die Jecken hin. Für den, der das närrische Treiben ablehnt ein Gesundbrunnen. Kein Getöse, keine überfallartige Küsserei. Niemand hakt sich ein, will schunkeln. Und der Schnee am Herrloh an der Sprungschanze in Winterberg dämmt jeden Laut.

Opa ist mit 82 Ski gefahren

Paradiesisch. Die Sonne scheint, der Himmel glänzt im schönsten Blau. So schön war es lange nicht. Es ist knackig kalt, minus 5 Grad. Erfrischend. Und ganz gleich, wer angesprochen wird, die erste Antwort, die das Gesicht hinter der Sonnenbrille zaubert, ist ein Lächeln. Auch wenn aller Anfang schwer ist. So wie für Ninja Himmel und Volker Treff aus Bremen. Das Pärchen ist zum ersten Mal in Winterberg. Den Tipp haben sie von Freunden bekommen. Jetzt stehen sie zum ersten Mal auf Skiern. Hin und wieder fallen sie einfach um. Er: „Man darf nicht verkrampfen.“ Sie: „Es macht riesigen Spaß.“ Die beiden bleiben locker. Und sie setzt auf ihre Gene: „Mein Großvater ist noch mit 82 Ski gefahren.“

Freizeittipps für Karnevals-Muffel

Für Karneval-Fans hat wohl die beste Zeit des Jahres begonnen. Andere möchten sich hingegen lieber verkriechen und von den Jecken nichts mitbekommen. Hier kommen Freizeittipps für Karnevals-Muffel.
Freizeittipps für Karnevals-Muffel

Wie das Erbmaterial von Maria und Volker Tech aussieht? Die Frage stellt sich nicht. Das Ehepaar aus dem niedersächsischen Bösel, Kreis Cloppenburg, ist zu Fuß unterwegs. Er: „Skifahren war früher. Jetzt genießen wir beim Wandern die Natur im Schnee.“ Sie: „Hier gefällt es uns besser als im Harz.“ Zum Stichwort Karneval fällt ihnen nichts ein. Kein Thema. Aber sie wollen wiederkommen: „Im Sommer.“ So weit voraus denkt Susanne Schulten, Sprecherin der Wintersport-Arena Sauerland nicht. Sie hat das Wochenende vor Augen: „Wir rechnen mit regen Besucherandrang.“ Und die Tagesausflügler dürfen sich freuen.

Da die Krokusferien in den Niederlanden erst später sind, gibt es weniger Gedränge auf den Hängen und Pisten. Die Karnevalsmuffel sind unter sich. Trotzdem empfiehlt sie, bei der Anreise früh aufzustehen: „Die große Mehrheit trifft mit schöner Regelmäßigkeit gegen 11 Uhr ein, da sind Staus unvermeidbar.“

Schneefall für Sonntag vorhergesagt

Ansonsten sind die Bedingungen auf den beschneiten Pisten für die Wintersportler perfekt. Mehr als 80 Lifte laufen am Wochenende. Die Schneedecke ist 30 bis 50 Zentimeter dick. Die künstliche Beschneiung macht es möglich. „Die Bedingungen sind ideal“, sagt Meinolf Pape, Vorsitzender des Skiliftverbandes Sauerland. „Seit vergangenen Samstag haben wir jede Nacht die Maschinen laufen lassen. So soll es sein, so muss es sein. Er weiß, ohne die künstlichen ­Flocken wäre Wintersport aktuell so gut wie nicht möglich. „Die Decke aus Naturschnee beträgt gerade einmal 13 Zentimeter. Das genügt nicht.“ Pape rechnet am Sonntag mit weiteren Schneefällen. „Gut, wenn noch etwas oben drauf kommt.“ Stimmt. Weiß beruhigt. Beim Blick in den Rückspiegel frohlockt die Seele. Wilde Weiber? Warum? Lieber die Sinfonie Nr. 39 g-Moll von Joseph Haydn. Musik in den Ohren. Besser als jede Karawane, die weiter zieht. Im Suff.

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