Klassik

Pianist Kit Armstrong will kein Wunderkind sein

Für Pianist Kit Armstrong ist Musik eine Art der Entspannung.

Für Pianist Kit Armstrong ist Musik eine Art der Entspannung.

Foto: Jason Alden

Hagen.   Kit Armstrong ist erst 22 Jahre alt, aber bereits ausgebildeter Mathematiker und Musiker. Er gilt als eine der größten Klavierhoffnungen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der verehrte Alfred Brendel ist sein Lehrer. Er bezeichnet Kit Armstrong als die „größte musikalische Begabung, der ich in meinem ganzen Leben begegnet bin.“ Doch der 22-jährige Pianist sucht nach solchem Lob nicht den lauten Starruhm, sondern erkundet ebenso ernsthaft wie leidenschaftlich das wunderbare Universum der Musik. Am Dienstag, 8. April, spielt er im Hagener Sinfoniekonzert. Am 9. Mai gibt er in der Reihe „Piano solo“ ein Rezital in Olpe. Im Interview mit unserer Zeitung erzählt Kit Armstrong von seinen Karriereträumen und warum er sich beim Jonglieren entspannt.

In Hagen spielen Sie das 2. Klavierkonzert von Franz Liszt. Was verbinden Sie als Fan von Johann Sebastian Bach mit diesem hochvirtuosen Werk?

Kit Armstrong: Natürlich kann man dieses Klavierkonzert so spielen, dass es wie schlechte Film­musik klingt. Aber es gibt Teile in dem Werk, die von einer überirdischen Schönheit sind. Bei Liszt gibt es immer diesen Zwiespalt zwischen dem Zugänglichen und dem Unvorstellbaren. Es ist schon eindeutig, auch von der handwerk­lichen Seite her, dass das, was Liszt in diesem Konzert gemacht hat, musikalisch raffiniert ist. Aber es hat auch eine gewisse Aussage, die über die üblichen Virtuosenkonzerte hinausgeht.

Viele junge Künstler möchten international erfolgreich sein. Gleichzeitig ist heute die Gefahr groß, vom gefräßigen Musikmarkt frühzeitig ausgebrannt zu werden. Wie planen Sie Ihre Karriere?

Armstrong: Das ist eine sehr schwierige Frage für mich, da ich darüber fast nie nachdenke. Mir geht es darum, dass ich Musik hinreißend finde, und ich werde immer versuchen, musikalisch das zu machen, was mich am meisten reizt. Alles andere liegt nicht in meinen Händen.

Nach der Lobrede von Alfred Brendel hätten Sie als Wunderkind mit großem Getöse herumgereicht werden können, doch Sie sind sehr vorsichtig an die Sache herangegangen.

Armstrong: Heute kann man das Vorsicht nennen, aber damals war es einfach nur das, was mir richtig erschien. Wir haben nicht bewusst gesagt: Es gibt eine vorsichtige Variante und eine unvorsichtige. Ich versuche bei jedem Konzert, das zu machen, was für mich richtig ist. Musikalisch bedeutet das, dass ich authentisch spiele und nicht etwas mache, nur weil es den Leuten gefällt. Das ist für mich der einzige wichtige Punkt.

Welche Ziele haben Sie sich langfristig gesetzt?

Armstrong: Träume hat man immer. Es gibt Träume, die man verwirklichen will und Träume, die besser nur als Träume existieren. Durch meine früheren Ausbildungen habe ich viele Ideen für eine Karriere abseits der Musik. Ich bin ausgebildeter Mathematiker und habe auch eine Zeit lang Naturwissenschaften studiert. Und ich kann mir durchaus vorstellen, eines Tages in einen dieser Bereiche zu gehen. Aber andererseits macht mir meine musikalische Karriere einen Riesenspaß, und allein die Musik ist der Grund dafür, nicht der Ruhm oder das Geld. Auch wenn mir die Vermarktungsmaschinerie nichts bedeutet, ist sie kein Grund auszusteigen.

Viele junge Künstler empfinden die Begleiterscheinungen des Erfolges als belastend, die Einsamkeit auf den Flügen und in den fremden Hotelzimmern. Wie ist das bei Ihnen?

Armstrong: Vielleicht bin ich von Anfang an ein eher einsamer Mensch gewesen. Ich hatte nie dieses Bedürfnis, ständig engen Kontakt mit anderen Menschen zu haben, und als ich klein war, war ich auch immer am liebsten alleine. Insofern passt das. Aber ich verstehe dieses Gefühl, dass man während einer Tournee immer denkt, den ganzen Tag mit Nichtstun zu verbringen. Das Konzert fängt um 20 Uhr an und davor hat man höchstens eine Probe und sonst nichts. Ich sehe das eher als Urlaub und schaue mir die Städte an, wenn es etwas Schönes zu sehen gibt.

Welche Sprachen sprechen Sie?

Armstrong: Meine Mutter sprach chinesisch mit mir, Mandarin. Dann habe ich eine Zeit lang in Amerika und England gelebt, deshalb spreche ich auch englisch. Und dann habe ich Französisch gelernt, weil ich in Paris Mathematik studieren wollte. Die deutsche Sprache habe ich nicht aus praktischen Gründen gelernt, sondern aus musikalischen, um die deutschen Liedtexte und Operntexte lesen zu können. Nun muss ich mir eine neue Sprache aussuchen, sonst wird es langweilig. Vielleicht starte ich damit, Latein besser zu beherrschen.

Wie entspannen Sie sich?

Armstrong: Alles, was ich mache, entspannt mich eigentlich, außer der Steuererklärung vielleicht. Auch Musik ist für mich eine Art Entspannung. Man kann es nicht so leicht sortieren, dass ich innerhalb meines Berufes nur stressige Sachen mache und außerhalb alles, was möglich ist, um das zu kompensieren. ­Dabei spielt schon eine Rolle, dass ich viele Interessen habe, die nicht so viel mit Musik zu tun haben. Ich treibe gerne Sport, fahre sehr gerne Ski, spiele Tennis, ich bin auch ein begeisterter, wenngleich nicht ­besonders talentierter Koch. Aber das ist sozusagen Nebensache. Das einzig Wichtige ist, dass ich die ­Musik auch als Entspannung ­ansehe. Was ich toll in Verbindung mit dem Klavierspiel finde, ist das Jonglieren. Das ist irgendwie fast wie ein Spiegelbild des Klavierspiels.

Mit wie vielen Bällen?

Armstrong: Offiziell mit fünf. Ich arbeite aber jetzt daran, sieben Bälle in der Luft zu halten.

Kit Armstrong konzertiert am Dienstag, 8. April, um 20 Uhr in der Stadthalle Hagen: www.theaterhagen.de

Am Freitag, 9. Mai, tritt er beim Kunstverein Südsauerland in der Stadthalle Olpe auf. www.kunstverein-suedsauerland.de

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben