Radsport

Profi-Radteam aus dem Sauerland: "Das macht uns stolz"

Zwei der Sauerländer Talente: Joann Leinau und Marvin Kötting.

Zwei der Sauerländer Talente: Joann Leinau und Marvin Kötting.

Foto: WP

Hagen.  Die Lizenz ist beantragt und nur noch Formsache: Ab dem 1. Januar 2017 gibt es ein Profi-Rad-Team aus dem Sauerland. Jörg Scherf aus Neheim hat es auf den Weg gebracht und spricht im Interview über die Aussichten des Neulings.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Jörg Scherf ist gerade bei der Arbeit angekommen. 47 Kilometer liegen zwischen seinem Wohnort Neheim-Hüsten und dem Büro in Eslohe. Er ist die Strecke mit dem Fahrrad gefahren. Früher war Scherf Rad-Profi, verrückt nach dem Sport ist er heute noch. Mit Geschäftspartner Heiko Volkert wird der Versicherungsmakler ab dem kommenden Jahr – soviel steht jetzt fest – ein Profi-Team an den Start bringen: das Team NRW Sauerland Henley & Partners.

Herr Scherf, die Unterlagen über das Team Sauerland sind beim Bund Deutscher Radfahrer eingegangen. Welche Rückmeldung haben Sie?

Jörg Scherf: Der BDR hat unseren Lizenzantrag erhalten und für gut befunden. Wichtig ist ja, dass ein Team auf gesunden Füßen steht. Wir haben die Basis geschaffen und sehr professionell aufgezeigt, dass das Budget da ist.

Ein sechsstelliger Betrag ist nötig, um überhaupt an den Start gehen zu können. Wie schwierig war es, genügend Sponsoren zu finden, die in Radsport investieren?

Scherf: Viele Menschen, mit denen wir sprechen und gesprochen haben, waren von unserer Idee sehr begeistert. Wenn es dann ums Geld geht, kann es schonmal sein, dass der eine oder andere ganz schnell wieder ganz klein wird. Trotzdem haben einige Unternehmen aus der Region mitgezogen und helfen uns. Das freut uns natürlich sehr und macht uns auch stolz. Letztlich hat noch das Engagement eines internationalen Partners dazu geführt, dass wir an den Start gehen können. Nicht vergessen dürfen wir hier den Radsportverband NRW. Mit seinem U23 Kader konnten wir schon früh rechnen und mussten Sponsoren nur ein halbes Luftschloss versuchen zu verkaufen.


Was bewegt ein international agierendes Unternehmen dazu, sich für einen neuen Rad-Rennstall aus dem Sauerland einzusetzen?

Scherf: Es handelt sich um einen langjährigen Geschäftspartner von uns, welcher in in Dubai lebt und seine Liebe für den Radrennsport entdeckt hat. Sein Name ist Marco Gantenbein, er ist auch in unserem Management Team und sucht weltweit weiter nach Sponsoren. Er ist Quereinsteiger, bringt aber frischen Wind rein! Wir werden daher drei-, viermal im Jahr internationale Rennen fahren. Wo seine Kunden zu finden sind, werden wir uns in Rundfahrten in Szene setzen. Zum ersten Mal jetzt schon im Dezember in Katar, wo wir zu einem Rennen eingeladen sind, obwohl das Team noch gar nicht existiert. Es wird dort als Team NRW antreten.

Als Continental-Team starten Sie sozusagen in der dritten internationalen Liga. Mit welchen Zielen geht Ihr Team in die erste Saison?

Scherf: Wir wollen in der deutschen Bundesliga unter den ersten Fünf landen und bei den deutschen Team Zeitfahrmeisterschaften im September aufs Podium. Ansonsten starten wir bei Rennen wie Rund um Frankfurt / Eschborn oder Rund um Köln, bei denen wir versuchen werden, unsere Fahrer auch mal in Ausreißergruppen zu platzieren, um auf uns aufmerksam zu machen. Vielleicht gelingt uns ja bei Rennen wie diesen auch ein Top Resultat. Da dort auch Tour-de-France-Teams starten, wäre das für uns ein Knaller.

Sie sagten im Sommer, als die Pläne für Ihr Team bekannt wurden, Größe und Niveau des Kaders hingen von den Sponsoren-Gesprächen ab. Wie zufrieden sind Sie nun?

Scherf: Wir sind nicht ganz auf dem Wunschniveau, aber trotzdem sehr zufrieden. Wir haben 13 Fahrer, darunter drei feste Fahrer aus dem Sauerland. Unsere Jungs können alle gut Rad fahren, viele von ihnen sind noch sehr jung. Einen bis zwei Plätze hätten wir theoretisch noch frei.

Für wen?

Scherf: Das werden wir sehen. Die großen Teams der World Tour, der ersten Liga, wie Sie sagen, machen gerade die Verträge mit ihren Fahrern. Vielleicht ist danach noch jemand auf dem Markt für uns.

Wäre nicht Erik Zabels Sohn Rick aus Unna sportlich und geographisch ein perfekter Fahrer für Sie?

Scherf: Das wäre super, natürlich. Ich weiß, dass Rick gern in unserer Region trainiert, das würde natürlich passen. Aber Rick fährt bereits auf der World Tour und hat da sehr, sehr gute Ergebnisse eingefahren. Er ist noch zu weit weg von uns. Wenn wir so jemanden in zwei, drei, vier Jahren zu uns holen könnten, wäre das schön.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben