Finnentrop

Pumpspeicherwerk Rönkhausen wird für 25 Millionen saniert

Maschinen hängen wie Marionetten an Stahlseilen: Das Oberbecken des Pumpspeicherwerks bekommt einen neuen Belag. Die Seitenwände sind dabei sehr steil.

Foto: Morris Willner

Maschinen hängen wie Marionetten an Stahlseilen: Das Oberbecken des Pumpspeicherwerks bekommt einen neuen Belag. Die Seitenwände sind dabei sehr steil.

Finnentrop/Hagen.   25 Millionen Euro werden in das Pumpspeicherwerk Rönkhausen investiert. Das Oberbecken wurde für die Sanierung komplett abgelassen.

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Der Ausblick ist atemberaubend. Auf der einen Seite geht er in eine riesige, leere Betonwanne, in der Baumaschinen in Bungalowgröße wie Miniaturfahrzeuge wirken. Auf der anderen Seite geht er weit ins Land, über die grünen Gipfel des Sauerlands. Der Rundweg um das Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerks Rönkhausen in Finnentrop trennt Natur und Technik und markiert momentan, wenn nicht die höchstgelegene, so aber eine der größten Baustellen in Westfalen.

„Auf dieses Wetter haben wir gewartet!“ Stefan Grüger, für den Hagener Energieversorger Mark-E der Projektleiter für die Baumaßnahme, strahlt mit der Sonne um die Wette. Trocken und warm. Und das über Tage. Bestes Wetter für eine offizielle Schwarzarbeit: Asphaltieren!

Arbeiter von schweizer Spezialfirma sind vor Ort

Die Arbeiter der Schweizer Spezialfirma Walo nutzten jede Minute. Denn vor ihnen liegen 100 000 Quadratmeter Fläche, die eine neue Schicht aus Betonasphalt bekommen. Zum Vergleich: Das entspricht einer Fläche von rund 14 Fußballfeldern. So groß ist die Fläche des Oberbeckens des Pumpspeicherwerks (PSW) Rönkhausen, eines von zwei Kraftwerken dieser Art in NRW. Mark-E lässt, gemeinsam mit dem neuen Miteigentümer, der Stadtwerke Aachen AG (Stawag), das PSW für rund 25 Millionen Euro sanieren – und erweitern.

Die riesige Betonwanne ist seit März komplett abgelassen. „Da schwammen“, so erinnert sich Projektleiter Grüger, „noch Eisschollen auf der Wasseroberfläche“. Kein Tropfen Wasser füllt seitdem mehr das Oberbecken, aus dem im Betrieb die unvorstellbare Menge von rund 950 000 Kubikmeter Wasser durch einen Stollen ins Tal stürzen und unten, bevor das Wasser sich ins Unterbecken, der Glingetalsperre ergießt, zwei Turbinen antreiben.

Die Turbinen bringen zwei Generatoren zum Rotieren – so lassen sich aus dem Wasserantrieb bislang 690 Megawattstunden (MWh) Strom erzeugen, um Spitzenlasten im Netz abzufangen: „Wird viel Strom gebraucht, lassen wir das Wasser ab und produzieren Strom. Wird wenig Strom verbraucht und ist er deswegen günstig, pumpen wir das Wasser aus dem Unter- wieder hinauf ins Oberbecken“, erklärt Josef Schlotmann, Betriebsleiter des Kraftwerks das simple, aber effiziente Prinzip.

Leistung des Pumpspeicherwerks wird durch Sanierung erhöht

Nach Abschluss der Sanierung beläuft sich die Leistung des PSW auf 735 MWh. Die Wellenschutzwand des Oberbeckens wird um 90 Zentimeter auf 1,20 Meter erhöht; das Betonbecken kann entsprechend mehr Wasser speichern.

Der Boden und die steilen Seitenwände des Betonbeckens sind inzwischen abgefräst. Aktuell sind die Bauarbeiter mit dem Aufbringen der neuen Betonasphaltschicht beschäftigt. Wegen der starken Neigung der 18 Meter hohen Wände hängen die Asphaltiermaschine und die Walzen an Stahlseilen und werden von einem Windenwagen, der auf dem Rundweg steht, gehalten.

150 Tonnen schwerer Generator

Auch im Krafthaus, im Tal wird gearbeitet: Die beiden Generatoren sind auseinandergebaut, der Kugelschieber, der überdimensionale Wasserhahn des PSW, ist ausgebaut. Hört sich leicht an, dabei handelt sich um Schwergewichte: 150 Tonnen bringt ein Generator auf die Waage; bewegt wird er mit einem Schwerlastkran, der unter der Decke des Krafthauses hängt. Die Hauptkomponenten der Maschinen sind zur Generalüberholung nach Süddeutschland gebracht worden; die fest installierten Maschinenteile werden vor Ort überholt.

Während der Sanierungsarbeiten ist der Rundweg um das Oberbecken, bei Ausflüglern und Wanderern als „Juwel des Sauerlands“ bekannt, gesperrt. Im Oktober sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein und das PSW wieder ans Netz gehen – und der Ausblick vom Rundweg aufs Sauerland wieder möglich sein.

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