Landgericht Arnsberg

Rechtsstreit um eine zitronengelbe Porsche-Rarität

Gefälschter Porsche

Foto: pivat

Gefälschter Porsche Foto: pivat

Arnsberg.   Ein Schweizer Oldtimer-Sammler hat vor dem Landgericht Arnsberg einen Vergleich mit dem Verkäufer eines Porsche 911 Carrera RS 2,7 geschlossen.

Gestern lief in Stuttgart-Zuffenhausen der einmillionste Porsche 911 vom Band. Ein Exemplar davon hat einen erbitterten Rechtsstreit zwischen einem Schweizer Investor und einem deutschen Geschäftsmann ausgelöst. Ein im Dezember 2014 gestartetes Zivilverfahren wurde gestern vor dem Arnsberger Landgericht mit einem Vergleich beendet. Zwar einigten sich beide Seiten auf die Rückabwicklung des Kaufs eines sehr seltenen Porsche 911 Carrera RS 2,7 Leichtbau - bleiben aber bei der Frage, ob es sich bei dem Oldtimer von 1972 um ein Original oder um eine Fälschung handelt, meilenweit auseinander.

Nur 200 Fahrzeuge hergestellt

Frank Erhard, Ende 40, ist im feinsten Zwirn mit weißem Hemd und Einstecktuch erschienen. Der Investor aus dem Kanton Schwyz ist Sammler historischer Rennfahrzeuge, ein Liebhaber, der nach eigenem Bekunden für eine saubere Oldtimer-Szene kämpft. Vom Carrera RS 2,7 Leichtbau seien einst nur 200 Fahrzeuge hergestellt worden, sagt er, und weil die Flitzer auch auf Rennstrecken gefahren und womöglich geschrottet wurden, dürfte heute die Zahl der noch vorhandenen Wagen um einiges darunter liegen.

Der Wagen mit dem Entenbürzel

Eine echte Rarität. „Ein seltenes Fahrzeug und deshalb besonders sammlungswürdig“, sagt Erhard. Als ein Freund, ein deutscher Geschäftsmann aus dem Schweizer Kanton Thurgau, das klassische Automobil mit dem charakteristischen Spoiler („Entenbürzel“) vermeintlich an der Angel hatte, hüpfte das Herz des Oldtimer-Enthusiasten vor Freude über. Für 459 000 Euro wechselte der zitronengelbe Porsche mit 210 PS den Besitzer. Als Verkäufer trat ein Geschäftsmann aus dem Kreis Soest auf - daher ist das Arnsberger Gericht zuständig. Der Verkäufer sei nur der Strohmann für seinen einstigen Freund aus dem Thurgau gewesen, glaubt Erhard - der ihm ein gefälschtes Liebhaberstück untergejubelt habe. Der vermeintliche RS 2,7 soll Gutachten zufolge aus einem „zeitgenössischen“ Porsche 911 T entstanden sein. Vielleicht sei der Wagen noch 100 000 Euro wert. „Dagegen wäre der Wert eines Original-Modells gegenüber dem Kaufpreis um ein Dreifaches gestiegen.“

Klage auf 1,6 Millionen Euro Schadenersatz

Also verklagte Erhard seinen einstigen Freund sowie die Inhaber dreier mit der Restauration von Oldtimern befasster Firmen aus dem Kreis Soest und Niedersachsen und machte 1,6 Millionen Euro Schadenersatz geltend - wobei die Klage gegen den Motor-Restaurator aus Niedersachsen fallen gelassen wurde.

Vorwürfe bestritten

Die Beklagten, die gestern nicht im Gericht erschienen waren, beharren darauf, dass es um einen erstklassig restaurierten 911 RS Leichtbau gehe - wie im Kaufvertrag beschrieben. „Es ist kein gefälschtes Fahrzeug“, sagt Anwalt Götz Knoop (Lippstadt).

Am Ende rauft man sich zu einem Vergleich zusammen: Der einstige Freund muss das Fahrzeug für 750 000 Euro zurücknehmen und bei einem eventuellen Verkauf Interessenten über die Gutachten informieren, die dem Wagen bescheinigen, nicht das Original von 1972 zu sein.

Strafanzeige nicht zurückgenommen

Erhard will seine Strafanzeige wegen Betruges nicht zurücknehmen. Auch das Strafrechtliche wird beim Landgericht Arnsberg geführt. Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde dagegen eingelegt, dass das Amtsgericht Soest eine Anklage nicht zugelassen hat. Eine Entscheidung steht noch aus.

Der Investor hat ein Portal für „gestohlene & gefälschte klassische Porsche“ gegründet. „Die Oldtimer-Szene darf nicht dadurch belastet werden, dass Menschen hinters Licht geführt werden.“

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