Lebensmittel

Lebensmittel aus der Heimat – Regional ist das neue Bio

Deutsche Verbraucher sind durchaus bereit, für regionale Erzeugnisse - wie zum Beispiel die Hausmacher-Wurst vom Landwirt - mehr zu bezahlen.

Deutsche Verbraucher sind durchaus bereit, für regionale Erzeugnisse - wie zum Beispiel die Hausmacher-Wurst vom Landwirt - mehr zu bezahlen.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Soest.   Regionale Lebensmittel werden immer beliebter. Die Fachhochschule Südwestfalen bringt Erzeuger und Verbraucher miteinander ins Gespräch.

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Regional ist das neue Bio. Lebensmittel aus der Heimat werden immer beliebter. Aber verstehen Verbraucher darunter das Gleiche wie Regionalvermarktungsinitiativen? Welche Hinweise wünschen sie sich? Und wie lässt sich die Kluft zwischen unterschiedlichen Erwartungen überbrücken? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein Forschungsprojekt an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest.

Projektleiterin Luisa Vogt vom Institut für Green Technology & Ländliche Entwicklung (i.green) will dazu die beiden Gruppen zusammenbringen, um die unterschiedlichen Wünsche und Interessen abzugleichen. Die Verbraucher fühlen sich mal informationsübersättigt, mal hintergangen, die Vermarkter sehen sich zu Unrecht angegriffen.

Direktvermarktung oder Spezialität

„Wir müssen differenzieren“, sagt die Wirtschaftsgeographin, „geht es um Landwirte, die direkt vermarkten, um weiter verarbeitete Produkte oder im Spezialitäten mit EU-Herkunftsschutz wie Aachener Printen oder Nürnberger Rostbratwürste?“ In den letzteren Fällen müsse die Verarbeitung in der Region erfolgen, die Rohstoffe könnten auch von anderswo kommen. Das Problem: „Deutsche Verbraucher empfinden das nicht so.“

Deutsche Verbraucher sind aber durchaus bereit, für regionale Erzeugnisse mehr zu bezahlen – zumindest auf dem Bauernmarkt: „Der persönliche Kontakt zwischen Landwirt und Kunden schafft Vertrauen, das gesamte Einkaufserlebnis erzeugt ein Gefühl von Authentizität“, betont Vogt. Im Supermarkt dagegen sei kaum eine zusätzliche Zahlungsbereitschaft festzustellen. Was dafür spricht, dass die Verbraucher weniger naiv sind als häufig angenommen.

Region profitiert von höherer Wertschöpfung

Für die Erzeuger lägen Vorteile der Vermarktung regionaler Produkte in einem Zugewinn an Selbstbestimmtheit und einer größeren Unabhängigkeit von Weltmarktpreisen, meint Vogt, die Region profitiere von einer höheren Wertschöpfung, von höheren Einkommens- und Arbeitsplatzeffekten. Allerdings seien die Stückkosten in Produktion, Logistik und Kommunikation höher.

Deshalb spricht sich Vogt für Regionalmarken aus: „Sie können Marketingkosten reduzieren und kommunikationspolitische Vorteile erzielen.“ Wenn die Kleinen gemeinsam handelten, könnten sie auch eine größere Produktpalette anbieten, was gegenüber dem Einzelhandel Vorteile biete. Was sich die Wissenschaftlerin wünscht, wäre mehr Rücksicht von Seiten des Gesetzgebers: „Gesetzliche Verschärfungen sind von großen Unternehmen leichter umzusetzen. Spielräume und Ausnahmeregelungen sollten für kleine Betriebe geschaffen werden, um dezentrale, kleinmaßstäbige Wertschöpfungsketten zu ermöglichen.“

Vertrauenswürdigkeit und ein Gefühl von Heimat

Und was bleibt für die Verbraucher? Vogt spricht von der Ent­anonymisierung langer Lieferketten, Anschaulichkeit und Vertrauenswürdigkeit sowie einem Gefühl von Heimat. Dazu aber müsste er sich auf die Regional-Versprechen verlassen können.

Diesem Ziel soll seit Anfang 2014 das Regionalfenster dienen. Die blau-weiße, viereckige Kennzeichnung gibt an, woher die Hauptzutaten für ein Produkt stammen, der Anteil der regionalen Inhaltsstoffe wird in Prozent aufgelistet, es enthält Informationen über den Ort der Verarbeitung und Verpackung eines Produkts und es gibt Auskunft darüber, wie der Hersteller „Region“ definiert. Das kann eine Stadt oder ein Kreis sein, ein Bundesland, aber auch ein Großraum wie Nord- oder Süddeutschland.

Fenster schafft Transparenz

Das heißt: Das Regionalfenster schafft durchaus Transparenz. Der Nachteil: Der Kunde muss das Etikett aufmerksam studieren. Und oft, so die Kritik, tut er das nicht, sondern betrachtet den Aufkleber als Gütezeichen. Es handelt sich aber nur um eine Information. Das zweite gravierende Problem: Das Regionalfenster kennzeichnet eine vierstellige Zahl von Produkten, eine sechsstellige Zahl trägt es nicht. Aber: Es ist ein Anfang. Luisa Vogt würde sich eine Stärkung wünschen. Weitere Handlungsvorschläge sind am Ende des auf ein Jahr angelegten Projekts zu erwarten.

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