Eishockey

Darum dämpft Daum die Euphorie bei den Iserlohn Roosters

Die Spieler der Iserlohn Roosters durften wieder jubeln.

Foto: Ralf Rottmann

Die Spieler der Iserlohn Roosters durften wieder jubeln. Foto: Ralf Rottmann

Iserlohn.   Die Roosters gewannen gegen Ingolstadt. Zwar krönte Chad Costello beim 4:1 sein Comeback mit einem Tor, Sonderjubel heimste aber ein anderer ein.

All denen, die seinen Vornamen so langgezogen liebevoll immer wieder riefen, drehte Dieter Orendorz den Rücken zu. Eine Sekunde lang, zwei Sekunden lang. Dann fuhr der Verteidiger der Iserlohn Roosters grinsend eine große Kurve auf der leeren Eisfläche, steuerte frontal auf die voll besetzte Stehplatztribüne zu – und stimmte die nächste LaOla an.

„Zwei Vorlagen in einem Spiel sind mir, glaube ich, noch nie gelungen“, erzählte Dieter Orendorz später. Und als Co-Trainer Jamie Bartman ihm sagte, mit seiner Bescheidenheit trotz der starken Leistung erinnere er ihn sehr an seinen Sohn, verschlug es der Nummer 62 der Roosters für einen kurzen Moment die Sprache.

Der 25-jährige ist der Iserlohner Junge in der Mannschaft der Sauerländer, geboren und aufgewachsen in der Waldstadt. Seine zwei Torvorlagen waren deshalb das so genannte Tüpfelchen auf dem i, wenn es das beim 4:1-Erfolg über den ERC Ingolstadt überhaupt noch gebraucht hätte. Schließlich war dieser Heim-Dreier der vierte Sieg in Folge und der fünfte in den sieben Spielen unter dem neuen Roosters-Trainer Rob Daum in der Deutschen Eishockey Liga.

Vier Tage Urlaub

„Das war unsere beste Leistung seit ich hier bin“, sagte Daum und verfiel trotzdem nicht in grenzenlose Euphorie. Vier Tage gab er seinen Spielern ab Sonntagabend frei, um zu Beginn der Länderspielpause psychisch und physisch Kraft zu tanken, bevor ab Freitag in täglich einer Trainingseinheit „hart an allen Bestandteilen des Spiels gearbeitet wird“. Denn: „Wir haben gegen Ingolstadt eine Menge gut gemacht, aber es war noch längst nicht so, wie ich die Mannschaft gerne gesehen hätte. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns.“

Gegen die ersatzgeschwächten Gäste dominierten die Sauerländer, bei denen nach ihren Verletzungspausen Torwart Sebastian Dahm und Stürmer Chad Costello erstmals wieder auf dem Eis standen, während Zugang Louie Caporusso mit Knieschmerzen fehlte, trotzdem von der ersten Minute an. Den ersten Treffer durften die Fans jedoch erst in der 32. Minute bejubeln, als Jack Combs am schnellsten reagierte und zum 1:0 traf. Alexander Bonsaksen (42.) und Chad Costello (48.) erhöhten sogar auf 3:0, ehe Brett Olson den Anschlusstreffer der Gäste zum 1:3 erzielte (53.). Chris Brown vertrieb mit einem Schuss zum 4:1 ins mittlerweile leere Ingolstädter Tor aber den letzten Zweifel am Sieg (59.).

Orendorz seit zwei Jahren ohne Tor

„Wir haben unseren Job gut erledigt, haben von Anfang an offensiv gut agiert und hinten wenig zugelassen“, sagte Stürmer Marko Friedrich. „Und bei den Chancen der Gäste war Sebastian zur Stelle“, lobte Rob Daum seinen Rückkehrer im Tor.

Die Ehre, nach dem Spiel alleine mit den Fans feiern zu dürfen, kam allerdings Orendorz zuteil. Denn der Mann, der in dieser Saison schon teils vernichtende Kritiken einstecken musste, agierte nicht nur in der Defensive stark, sondern bereitete auch die Tore von Combs sowie Costello vor. Brillant – und uneigennützig.

Ließ Orendorz vor dem 1:0 vor seinem Schuss aufs Tor einen Ingolstädter gekonnt ins Leere laufen, passte er beim Lehrbuch mäßigen Konter, der mit dem 3:0 endete, perfekt quer, so dass Costello keine Mühe mehr hatte. „Da hätte ich auch selbst abziehen können“, sagte Orendorz, „aber ich wollte einfach, dass Chad bei seinem Comeback ein Tor erzielt.“

Er selbst wartet seit mehr als zwei Jahren auf seinen vierten Treffer in der DEL. „Aber zwei Vorlagen in einem Spiel sind ja schon mal ein Schritt in die richtig Richtung“, sagte Orendorz. Und lachte.

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