Balve Optimum

„Graf Landsberg war eine Lichtgestalt in unserem Verband“

Dieter Graf von Landsberg-Velen gab beim Balve Optimum bis zu seinem Tod 2012 die Richtung vor.

Foto: Imago

Dieter Graf von Landsberg-Velen gab beim Balve Optimum bis zu seinem Tod 2012 die Richtung vor. Foto: Imago

Balve.   Dieter Graf von Landsberg-Velen machte aus einem der ersten Reitturniere Deutschlands nach dem Krieg eines der prominentesten – der Reiter-Graf.

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Dieser Satz geht Rosalie von Landsberg-Velen spontan über die Lippen. Sein Inhalt – klingt im ersten Moment hart. „Mit meinem Vater war gar nichts einfach, und erst recht nicht für mich als Tochter“, sagt sie. Und lacht.

Dieter Graf von Landsberg-Velen, ihr Vater, verstarb am 15. April 2012 im Alter von 86 Jahren. Jeder, der sich mit dem Reitturnier Balve Optimum, das vom 7. bis 10. Juni im Schatten von Schloss Wocklum ausgetragen wird und in diesem Jahr 70. Geburtstag feiert, beschäftigt, stößt zwangsläufig auf den Reiter-Grafen, wie von Landsberg-Velen auch genannt wurde. Er initiierte das erste Turnier und war Jahrzehnte lang bis zu seinem Tod das Gesicht, die Seele und das Herz des Optimums, das allerdings erst seit 1997 so heißt.

Die Idee

„Nachkriegsdeutschland, 1947. Im Land herrscht immer noch Chaos. Sport – etwas, das über Sprachen, Kulturen und Länder hinweg verbindet, das ist ein Anker. So sieht das auch Dieter Graf von Landsberg-Velen. Er holt eine Sondergenehmigung der Besatzungsmacht ein und veranstaltet eines der ersten Reitturniere Deutschlands nach dem Krieg auf den Allhoff`schen Wiesen in Balve“, so steht es in einer Pressemitteilung zur Geburtsstunde des Turniers.

„Mein Vater war ein totaler Macher“, erzählt Rosalie von Landsberg-Velen und ergänzt: „Ideen, die er hatte, mussten umgesetzt werden und seine Vision war es eben, hier ein Turnier zu gründen, das in Deutschland eine Bedeutung hat.“ Dieses Ziel erreichte der Graf mit „seinem Idealismus und Perfektionismus“. Seit Jahren ist das Balve Optimum eines der prominentesten Reitturniere Deutschlands.

Der Funktionär

Alle Funktionen des Grafen im Sport wie im karitativen Bereich aufzuzählen, kann kaum gelingen. Als er mit 23 Jahren zum Vorsitzenden des Balver Reitvereins gewählt wurde, war das der Beginn einer unvergleichlichen Laufbahn. Später prägte er als Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (1968 bis 2001) und als deren Ehrenpräsident den Pferdesport wie kein anderer. Ab 1973 war Graf Landsberg zudem Vorsitzender des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) und Vize-Präsident des Weltreiterverbandes FEI (1979 bis 1997).

Das Herz des Reiter-Grafen schlug aber nicht nur für Pferde. Von 1957 bis 1992 stand er dem Malteser Hilfsdienst zunächst als Leiter, dann als Präsident vor. 1973 wurde er in das Präsidium des damaligen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) gewählt, ein Jahr später zum Vize-Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB) und 1993 zum Vize-Präsidenten des NOKs berufen.

Die höchsten Ehrungen

Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt Graf Landsberg das große Bundesverdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1998 wurde er mit dem „Olympischen Orden” des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ausgezeichnet. Und 2002 ehrte ihn die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold mit Brillanten.

Der Gründer

1968 bündelte Graf Landsberg die unterschiedlichen Pferdesport- und Zuchtverbände, die sich nach dem Krieg formiert hatten, zur Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). „Graf Landsberg war ohne Wenn und Aber eine Lichtgestalt in unserem Verband“, sagt deshalb Dennis Peiler, Geschäftsführer Sport der FN und Geschäftsführer des DOKR, über den Sauerländer. „Das, was wir heute sehen, wie der deutsche Pferdesport heute aufgestellt ist, fußt auf der Gründungsarbeit vom Reiter-Grafen“, ergänzt Peiler. „Für diesen Mann gibt es nur Superlative.“

Die Trauerfeier

Zwei Wochen nach seinem Tod fand im Springstadion eine bewegende Trauerfeier für Dieter Graf von Landsberg-Velen statt. 2 500 Trauergäste aus Pferdesport und -zucht, Sportverbänden, Politik, Wirtschaft und der Region erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. „Wir Reiter und Züchter haben unseren Besten verloren“, sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Rosalie von Landsberg-Velen betonte: „Das Turnier war unser gemeinsamer Dreh- und Angelpunkt. Ich folge Deinem Motto: Zukunft braucht Herkunft.“

So sehr ihr Vater auch die Richtung vorgab, Rosalie von Landsberg-Velen übernahm immer mehr Verantwortung – und trickste ihn gemeinsam mit dem Team im Sinne des Turniers auch mal aus. „Die Zeiteinteilung war in einem Jahr nicht optimal, aber mein Vater beharrte darauf“, erzählt von Landsberg-Velen grinsend. „Wir haben dann in Absprache mit allen außer ihm eine neue ausgearbeitet und sie auf andersfarbigem Papier ausgedruckt.“ Im Laufe des Turniers habe ihr Vater das natürlich mitbekommen, „und er sagte zu mir nur: Meinst du, ich merke das nicht?“

Doch. Sie wusste, dass er es merken würde. Aber Töchter wissen sich eben zu behaupten.

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