Skeleton

Druck? Jacqueline Lölling: „Meine Titel beflügeln mich“

Jacqueline Lölling, Weltmeisterin im Skeleton.

Foto: Ralf Rottmann

Jacqueline Lölling, Weltmeisterin im Skeleton. Foto: Ralf Rottmann

Hagen.  Als Weltmeisterin startet Jacqueline Lölling als Gejagte in die neue Skeleton-Saison. Wie sie mit Druck umgeht und wer auf Weltcup-Reisen wäscht.

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Wenn sie sich an diese Momente erinnert, wird es Jacqueline Lölling selbst mit einigen Monaten Abstand ziemlich warm ums Herz. Wie sie auf dem imposanten Podest aus Natursteinen am Königssee stand und den riesigen Weltmeister-Pokal in die Höhe streckte. Wie sie sich einige Rennen später auch den Sieg im Gesamtweltcup sicherte. Und was für einen emotionalen Empfang ihr Familie, Freunde und Bekannte im heimischen Brachbach im Siegerland bescherten.

„Das war echt beeindruckend“, sagt die 22-jährige Skeleton-Pilotin der RSG Hochsauerland, holt kurz Luft und ergänzt: „Aber das war in der vergangenen Saison und die zählt nicht mehr.“ Am Donnerstag (14.30 Uhr MEZ) beginnt mit dem Rennen auf der Bahn in Lake Placid (USA) die neue Weltcup-Serie. Mehr noch: Es beginnt die Saison, bei deren Höhepunkt, den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar, Lölling um die Medaillen mitfahren soll.


Frau Lölling, Sie gehen als amtierende Weltmeisterin, Europameisterin und Gesamt-Weltcupsiegerin in die neue Saison, kurzum: als Gejagte. Spüren Sie diesen großen Druck bereits?
Jacqueline Lölling: ( schmunzelt ) Es geht eigentlich. Diese Saison ist besonders, weil sie eine olympische Saison ist. Das hat meines Erachtens gar nicht so viel mit den Titeln aus dem vergangenen Jahr zu tun. Sie beflügeln mich eher, weil ich weiß, was ich kann. Natürlich ist es mein großes Ziel, mich für Olympia zu qualifizieren. Aber Druck? Den versuche ich, von mir fern zu halten.


Sie knackten beim Starttest in Oberhof mit 4,99 Sekunden zum ersten Mal die von Cheftrainer Jens Müller geforderte Weltcup-Startnorm. Steigert das die Erwartungen nicht zusätzlich?
Ich hoffe natürlich, dass ich meine Startzeit, die ich in Oberhof gelaufen bin , schon hier in Lake Placid auf die Bahn übertragen kann und mich, angeknüpft an die Wettkampfzeiten vom vergangenen Jahr, um mindestens das eine Zehntel steigere. Wenn ich das am Start erreiche und eine solide Fahrt hinkriege, sollte mir ein guter Saisonstart gelingen.


Was wäre ein guter Saisonstart?
Ich möchte in Übersee an meine Leistung vom vergangenen Jahr anknüpfen und sie steigern. Gerade in Lake Placid habe ich mich eher schwer getan. Erst Platz sieben, im vergangenen Jahr Platz fünf – dieses Mal würde ich mich freuen, wenn ich unter die ersten Drei fahren könnte. Das verlangt allerdings noch viel Arbeit.


Sind die Weltcups in einer olympischen Saison eigentlich wichtig oder nur ein lästiges Beiwerk?
Die Weltcups sind in diesem Jahr sehr wichtig. Zum einen will jeder das Beste erreichen und eine gute Saison fahren. Zum anderen müssen wir uns über die Weltcups erstmal für die Olympischen Spiele qualifizieren. Die Norm erfüllt, wer zweimal unter die Top Drei oder dreimal unter die Top Sechs fährt.


Sie absolvierten unlängst die internationale Trainingswoche auf der Olympiabahn in Südkorea. Wie war Ihr Eindruck?
Erstmal war es schön zu sehen, wie sich seit unserem letzten Besuch im Februar alles in Richtung Olympische Spiele weiterentwickelt hat. Auf der Bahn lief es ganz gut – mal besser, mal schlechter. Sie ist nicht einfach und sehr tricky. Aber: Wir sind auf einem guten Weg.


...in Richtung einer Medaille bei den Olympischen Spielen?
Wer weiß? ( lacht ) Es liegt auf jeden Fall noch eine Menge Arbeit vor uns, wenn wir als deutsches Team unser formuliertes Ziel, eine Medaille für die Sportart Skeleton, erreichen wollen. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht.


Sie sind direkt aus Südkorea nach Nordamerika geflogen.
Ja, das war eine lange Reise. Wir sind 13 Stunden geflogen und waren insgesamt rund 28 Stunden unterwegs. Die Zeitumstellung von 13 Stunden war natürlich auch sehr hart in den ersten Tagen.


Und wieviel Gepäck benötigt eine 22-jährige Skeleton-Weltmeisterin für eine sechswöchige Reise?
( lacht ) Unsere Koffer sind groß, zweimal 23 Kilogramm pro Nase. Und dann haben wir noch Kisten dabei, in denen unsere Schlitten, das Werkzeug und alles weitere mitreisen. Zum Glück sind wir in Hotels untergebracht, in denen wir unsere Wäsche waschen können.


Selbst?
Wir müssen schon selbst waschen, natürlich. Sachen, also Sportsachen, Unterwäsche und so weiter, für sechs Wochen einzupacken, wäre auch nicht ganz so einfach.


Seit 2015 werden Sie von Kathi Wichterle trainiert. Ist das der Schlüssel zu Ihrem Erfolg?
Unsere Zusammenarbeit ist auf jeden Fall sehr wichtig. Ich denke, die Kombination ist einfach perfekt, weil Kathi für mich Trainerin, Physiotherapeutin und Osteopathin in einer Person ist. Und sie ist immer dabei – besser kann ich es mir nicht vorstellen.

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