Radsport

Erik Fedkos Sprung in die Slopestyle-Weltspitze

Slopestyle-Profi Erik Fedko beim Swatch Rocket Air in Thun.

Slopestyle-Profi Erik Fedko beim Swatch Rocket Air in Thun.

Foto: Ph.Richard Bos

Fröndenberg.   Einer der besten Slopestyle-Fahrer der Welt kommt aus dem Sauerland. Beim Dirtmasters Festival in Winterberg lässt es Erik Fedko am Wochenende krachen.

„Ich hatte das Schlüsselbein gebrochen, beide Seiten, mehrmals. Und das linke Handgelenk. Das war’s eigentlich“, sagt Erik Fedko und hört sich angesichts dieser so schmerzhaft klingenden Bilanz alles andere als unzufrieden an. Verletzungen gehören einfach zu seinem Geschäft, und weil Fedko seit gut einem Jahr Profi-Radsportler ist, kann man sagen: zum Berufsrisiko. Der 21-Jährige, der aus Wickede-Echthausen stammt, ist Slopestyle-Spezialist.

Slopestyle, das kommt aus dem Snowboard und Freeskiing und sieht auf zwei Rädern ganz ähnlich aus: Die Fahrer springen über meterhohe Hindernisse und das nicht nur mit dem Ziel, nach ihren Riesen-Sätzen wieder heil auf dem harten Lehm zu landen. „Mein Lieblingstrick ist der Blackflip Superman Seatgrab, aber das ist auch mein schwierigster“, berichtet Fedko. Haushoch in der Luft stehend streckt er sich von seinem Rad weg („So wie Superman“), greift dabei mit einer Hand an den Sattel. Das Ganze allerdings während eines Rückwärtssaltos, um auch das mit dem „Backflip“ zu klären.

Training und ein gemeinsames Bier

Sein gewagtestes Kunststück will Fedko auch am Sonntag in Winterberg zeigen. Dort, beim 13. iXS Dirtmasters Festival, das am Donnerstag beginnt, ist er Stammgast und hat quasi ein Heimspiel. „Die Familie ist dabei und ganz viele Freunde ebenfalls“, sagt er mit Blick auf das Mountainbike-Großereignis im Hochsauerland, das bis zu 35.000 Besucher anlocken wird.

Fedko ist bereits am Mittwoch aus Fröndenberg, wo er nun mit seiner Familie wohnt, angereist und hat mit seinen Kumpels eine Ferienwohnung bezogen. Radfahren, auf dem Festivalgelände an der Kappe mit anderen Fahrern zusammensitzen, „ein bisschen trainieren, ein bisschen feiern, ein Bierchen miteinander trinken“ – Spitzensport und Lebensgefühl kommen bei den Treffen der Szene, und ein solches ist das 13. Dirtmasters Festival, immer zusammen.

Im Mittelpunkt steht für Fedko aber immer der „Contest“, der Wettbewerb. „Ich habe die Top drei als Ziel, das versuche ich dann auch zu erreichen. Aber Winterberg wird mir liegen“, sagt der Westfale. Schließlich darf er sich aktuell als drittbester Fahrer der Welt bezeichnen. „Ein megageiles Gefühl“ ist das für ihn immer noch, wenn er stolz an die zurückliegende WM-Saison denkt. „Wenn man sich mit den besten Fahrern auf der ganzen Welt misst und am Ende auf dem Podium steht, das macht schon super happy.“

Räder und Rampen selbst gebaut

Angefangen hat es für Erik Fedko beim MCC Vosswinkel in Arnsberg. Sein Vater setzt ihn als Fünfjährigen auf das Motocross-Rad. „Da hatte ich noch ein bisschen Schiss“, erinnert sich Fedko an seine Anfänge. Bis er zwölf ist, fährt Fedko Cross, bricht sich dann aber ein Bein. Vielleicht ist der Motorradsport doch zu gefährlich?

In jedem Fall ist die Liebe zum Zweirad längst riesengroß – unmotorisiert geht es weiter, ab in den Wald. „Wir haben uns unserer Räder zusammengebastelt und so hat es sich immer weiterentwickelt. Irgendwann haben wir kleine Tricks ausprobiert und Sprünge gebaut.“ Auf dem BMX-Rad im Skatepark kann Fedko als Teenager weiter an sich arbeiten, zuhause baut er mit Papa eine Rampe, um üben zu können. Die Mama bleibt ein bisschen skeptisch und freut sich darüber, dass Erik nach der mittleren Reife eine Ausbildung als Zerspanungsmechaniker beginnt und 2018 abschließt.

Den Traum, mit dem Radfahren Geld zu verdienen, aber setzt Fedko jetzt in die Realität um. „Ich hatte zuvor schon ein bisschen Geld auf Shows verdient. Dann habe ich mir ein Jahr frei genommen, bin Contests gefahren – und bin jetzt Vollzeit-Mountainbiker.“ Sponsoren wie Red Bull oder Radhersteller Rose, der Fedko auch mit seinem aktuellen feuerroten Dirtbike (Name „The Bruce“) ausgestattet hat, sind längst auf ihn aufmerksam geworden.

Fedko ist angekommen in der internationalen Spitze. Doch Starallüren gibt es da nicht. „Alle Athleten sind super entspannt und miteinander befreundet. Fünf bis sechsmal sieht man sich auf den Events wieder und freut sich darüber“, berichtet der Top-Fahrer. „Und wenn einer einen richtigen Banger hinzimmert, feiern auch die anderen Fahrer“, sagt Erik Fedko. Übersetzt heißt das wohl: Missgunst gibt es unter den Profis nicht. Sie sind Brüder im Geiste, denn sie teilen ihre Begeisterung für den Sport und die Freude am Nervenkitzel. Und auch den Umgang mit Verletzungen.

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