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Johannes Polgar: „Unser Olympia-Traum ist keine Spinnerei“

Johannes Polgar (re.) und Carolina Werner vor Mallorca.

Foto: Frithjof Schade

Johannes Polgar (re.) und Carolina Werner vor Mallorca. Foto: Frithjof Schade

Kiel/Olpe.   Johannes Polgar und Carolina Werner nehmen Kurs Richtung Olympia 2020. Der Sauerländer lässt sich auch von einem Crash nicht mehr stoppen.

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Dieser Moment war alles andere als im positiven Sinn irre. Er war – gefährlich. So gefährlich sogar, dass Johannes Polgar unendlich erleichtert klingt, als er im Gespräch darüber sagt: „Wir sind extrem froh, dass wir uns nicht verletzt haben.“

Wir – das sind der aus Olpe stammende Polgar und seine Vorschoterin Carolina Werner. Gemeinsam möchten sie bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 in der Katamaran-Klasse Nacra17 nicht nur an den Start gehen, sondern um eine Medaille mitsegeln. Doch dieses Vorhaben hätte fast einen herben Rückschlag erlitten. Das zeigt ein Video von Polgar und Werner beim Training vor Palma de Mallorca für die Regatta Trofeo Princesa Sofía, die jedes Jahr mit einem Weltklassefeld aufwartet.

In voller Fahrt bohren sich die Rümpfe des Katamarans plötzlich ins Wasser, das Boot stoppt abrupt und der Mast knickt ab. Johannes Polgar und Carolina Werner? Sie werden ins Wasser geschleudert.

„Erstmal ist das natürlich ein Schock“, erklärt Polgar, „wenn so etwas passiert, während man mit 50 bis 60 km/h über das Wasser düst.“ Allerdings hätten Werner und er – auch dank Protektoren in der Segelkleidung gut geschützt – den Crash gefasst und professionell zur Seite geschoben. „Am nächsten Tag waren wir mit unserem Ersatzmaterial um 8.30 Uhr wieder auf dem Wasser.“

Er ist 40, sie erst 24

Die beiden haben eben keine Zeit zu verlieren, obwohl die Sommerspiele in Tokio noch gut zwei Jahre entfernt sind. „Für uns steht Olympia voll vor der Tür“, sagt Polgar und verrät: „Bis 2020 ist für uns jede Woche fast im Detail durchgeplant.“ Der 40-jährige ehemalige Tornado- und Starboot-Segler und seine 24-jährige Partnerin müssen sich schließlich immer noch an die neue Bootsklasse und speziell das so genannte Foilen gewöhnen.

Dabei hebt sich nicht nur einer, sondern auch der zweite Bootsrumpf aus dem Wasser, was den Widerstand im Wasser verringert und für höhere Bootsgeschwindigkeiten sorgt. „Das ist wie Fliegen. Wenn sich das Boot komplett aus dem Wasser hebt, kehrt eine Ruhe ein und du hörst nur noch ein leises Surren – das ist ein irres Gefühl“, schwärmt sogar der so segel-erfahrene Polgar. Im Tornado wurde er mit viel Pech bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 nur Achter, nach dem Umstieg in die Starbootklasse verpasste er Olmpia 2012 in London, gewann aber im vor-olympischen Jahr den EM-Titel.

Einige Jahre ruhte seine olympische Segelkarriere. Jetzt greift er wieder an. „Das Feuer brennt“, sagt er dazu – und wertet den 26. Platz, welchen Polgar/Werner im Gesamtklassement der Trofeo Princesa Sofía belegten, als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. „Wir haben hart daran gearbeitet, dieses rasante Biest in den Griff zu bekommen“, sagt er über das Boot. An den ersten Tagen der Regatta habe ihm noch das Selbstvertrauen gefehlt, „aber am letzten Tag haben wir gebrannt, haben alle drei Rennen gewonnen und sind mit einem super Gefühl rausgegangen“.

Olympia wirft Schatten auf WM

Dieses verstärken Polgar und Werner aktuell bei Trainingseinheiten auf dem Gardasee. „Hier herrschen perfekte Bedingungen, um das Foilen zu trainieren“, sagt der mittlerweile Wahl-Münchener. „Wir machen echt große Fortschritte und sind darüber ziemlich glücklich.“ Anschließend wird in den „Ostsee-Modus“ umgeschaltet – aber nicht nur, weil vom 20. bis 24. Juni der Start bei der Kieler Woche geplant ist.

Vielmehr schaut das Duo bereits auf die Weltmeisterschaft vom 30. Juli bis 12. August im dänischen Aarhus. Denn dorthin wirft Olympia schon einen riesigen Schatten. „Wir möchten bei der WM das Nationenticket für Deutschland für die Olympischen Spiele 2020 sichern“, erklärt Polgar.

Lediglich 20 Nationen erhielten in Tokio einen Startplatz, erklärt der Sauerländer. „Die Regatta vor Palma hat uns vor allem durch die drei Siege am letzten Tag gezeigt, dass unser olympischer Traum keine Spinnerei ist“, sagt Polgar. Das sei „irre“ ergänzt er begeistert. Und diese Begeisterung bremsen auch Momente wie der des Crashs nicht.

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