Skeleton

Katharina Wick: Im Rausch der Geschwindigkeit

Katharina Wick, Skeleton-Pilotin des BSC Winterberg.

Foto: Loth

Katharina Wick, Skeleton-Pilotin des BSC Winterberg. Foto: Loth

Winterberg/Sundern.   Katharina Wick zählt zu den Skeleton-Talenten des BSC Winterberg. Ihr Einstieg in die Sportart ist typisch. Welche Doppelbelastung sie meistert.

Natürlich erinnert sich Katharina Wick an die Momente, die ihr Leben veränderten. „Die Bahn mit dem Kopf voran herunter zu rasen, bereits den Gedanken daran fand ich cool“, erzählt sie. Und: „Selbst lenken zu können, darauf habe ich mich auch echt gefreut.“ Dass sie „extrem nervös“ gewesen sei, gehört ebenfalls zur Wahrheit und zu dem Tag, an dem Katharina Wick in Oberhof eine neue Karriere startete – eine als Skeleton-Pilotin.

Die 21-Jährige aus Allendorf, einem Stadtteil Sunderns, ist eine Quereinsteigerin in diesen Sport, bei dem die Piloten bäuchlings auf dem Schlitten liegen und – je nach Bahn – mit weit über 100 km/h den Eiskanal hinunter fahren. Ihr Karrierestart ist typisch für viele Skeletonis. Als Jugendliche oder gar Kinder beginnen (noch) die wenigsten ihre Laufbahn.

Überredungskünste einer Freundin

Auch Katharina Wick zog es erst zur Leichtathletik. In Dortmund trainierte sie und traf in der Helmut-Körnig-Halle auf eine Schar Wintersportler, die dort als eine Art Außenposten des Olympia-Stützpunkts Winterberg an ihrer Fitness arbeiteten und immer noch arbeiten. Die Bobpilotin Anna Köhler zum Beispiel schuftet in Dortmund ebenso an ihrer körperlichen Verfassung wie die Bob-Anschieberin Erline Nolte, um zwei prominente Beispiele zu nennen.

Vanessa Mark gehört ebenfalls zur Riege des BSC Winterberg, die in Dortmund trainiert. „Meine Freundin Vanessa war es, die mich überredet hat, mal mit zu einem Starttraining nach Winterberg zu kommen“, erzählt Katharina Wick. 2015 war das. Und wenig später gehörte sie selbst zu den starken Frauen, die den Bob in den Eiskanal katapultieren.

„Allerdings waren wir eine ziemlich große Gruppe und es waren einige dabei, die besser waren als ich“, sagt Wick selbstkritisch und ehrlich. Das Rennfahrer-Gen in ihr war jedoch offengelegt, der Rausch der Geschwindigkeit hatte Besitz von ihr ergriffen.

Ein Jahr nach ihrem Karrierestart als Wintersportlerin tauschte Wick die Renngeräte und die Verantwortlichkeit. Skeleton statt Bob, Pilotin statt Mitfahrerin sein. „Die erste Fahrt in Oberhof hat mir extrem viel Spaß gemacht“, sagt sie und ihre Stimme klingt so fasziniert, als habe sie diese Fahrt erst vor wenigen Sekunden beendet, obwohl sie ein Jahr zurückliegt.

Wolfram Schweizer baut Schlitten

„Aber auf Grund einer Operation konnte ich im vergangenen Winter gar nicht so viele Fahrten machen“, sagt die Allendorferin, „eigentlich befinde ich mich jetzt gerade erst in meiner allerersten Saison als Skeleton-Pilotin.“

Und – sie befindet sich am Anfang einer Ochsentour, die irgendwann auf der Überholspur in Richtung Weltspitze münden soll. „Der Start bei Olympischen Spielen ist der Traum eines jeden Sportlers“, sagt sie. Es ist auch ihrer. Aber erstmal verfolgt Wick ein anderes, ein viel bescheideneres Ziel. „Ich muss klein denken und vor allem fahren lernen“, sagt sie. Die Nominierung für die Junioren-Nationalmannschaft – das sei der nächste Etappenschritt. Denn als Mitglied dieser könnte sie innerhalb der Bundeswehr in eine Sportfördergruppe wechseln, was ihr tägliches Training um Welten verbessern würde. „Derzeit arbeite ich als Soldatin bei der Sportfördergruppe in Warendorf im Büro“, erklärt sie.

Heißt: Wenn, dann trainiert sie in Warendorf alleine „und am Wochenende am Stützpunkt in Winterberg mit meiner Trainerin Ana Constantin“. Sowie mit Talenten wie Hannah Neise oder bereits etablierteren Quereinsteigern wie Janine Becker. Dass ein Experte wie Wolfram Schweizer die Gruppe in Sachen Material und Schlittenbau betreut, pusht Wick zusätzlich und macht es für sie etwas leichter, die Doppelbelastung aus Beruf und Training zu meistern.

Einst unterstützte Schweizer schließlich auch Jacqueline Lölling von der RSG Hochsauerland auf dem Weg in die internationale Spitze. Mittlerweile ist Lölling amtierende Weltmeisterin. „Jacka ist für uns alle ein Vorbild“, sagt Katharina Wick über die nur ein Jahr ältere Lölling. „Was sie bereits erreicht hat, ist unglaublich.“

Saisonhöhepunkt DM in Winterberg

Umso mehr ärgert es Wick, dass sie den Skeleton-Weltcup in Winterberg am Freitag nicht vor Ort verfolgen kann. „Wir sind auf einem Lehrgang des Landesverbandes am Königssee“, erklärt sie. Der ist für Wick aber viel wichtiger, schließlich dient er als Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft in Winterberg am 23. Dezember. „Das ist mein Saisonhöhepunkt“, sagt Katharina Wick. Und vielleicht gelingt ihr ja auf ihrer Heimbahn im Hochsauerland eine Fahrt, an die sie sich ebenso gerne zurückerinnert wie an jene Momente in Oberhof, die ihr Leben veränderten.

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