Eishockey

Iserlohn Roosters: Warum Boss Brück der Kragen platzte

Arbeiten weitere drei Jahre zusammen: Die Iserlohn Roosters ((v.li.) Bernd Schutzeigel, Wolfgang Brück, Rob Daum) und Hermann Backhaus von der Märkischen Bank.

Arbeiten weitere drei Jahre zusammen: Die Iserlohn Roosters ((v.li.) Bernd Schutzeigel, Wolfgang Brück, Rob Daum) und Hermann Backhaus von der Märkischen Bank.

Foto: Falk Blesken

Iserlohn.   Mit dem Heimspiel gegen Köln beginnt für die Iserlohn Roosters der Schlussspurt im Kampf um die Play-offs. Warum Boss Brück der Kragen platzte.

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Irgendwann, nach minutenlanger Huldigung des großartigen Erfolgs der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen platzte Wolfgang Brück (noch) nicht der Kragen, aber es genügte ihm. Die Sportart und deren Zukunft liegt Brück sehr am Herzen, einerseits. Andererseits setzt sich aber drei Tage nach dem sensationellen Silber in Pyeongchang mehr und mehr der geschäftsführende Gesellschafter der Iserlohn Roosters in ihm durch.

Als solcher macht Wolfgang Brück vor dem Heimspiel der Sauerländer in der Deutschen Eishockey Liga an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) gegen die Kölner Haie eine klare Ansage: „Wir werden die drei Olympia-Helden (Christian Ehrhoff, Moritz Müller und Felix Schütz; Anm. d. Red.) natürlich namentlich erwähnen und ihnen gratulieren – und nur ein Idiot spendet da keinen Beifall. Aber sobald der erste Bully eröffnet ist, sind das unsere Gegner. Für uns geht es schließlich um den Einzug in die erste oder zweite Play-off-Runde.“

Olympia ein Nachteil für Köln?

In diesem Kampf, in welchem auf Grund der engen Punktabstände in der Tabelle auch die Kölner Haie noch stecken, ist kaum Zeit für Nettigkeiten. „Das Spiel ist extrem schwer für uns“, erzählt Roosters-Trainer Rob Daum. Niemand weiß, wie die Spieler die dreiwöchige Pause überstanden haben, wie sie in den verbleibenden drei Partien der Hauptrunde zurück in den Spielrhythmus finden. „Aber das gilt für alle Mannschaften“, ergänzt Daum einschränkend.

Ob die Roosters nicht sogar im Vorteil sind, weil nur Alexander Bonsaksen in Pyeongchang mitspielte? Gehen Ehrhoff, Müller und Schütz nicht etwas, na ja, entkräftet von allen Spielen, Feierlichkeiten und dem Rückflug auf das Eis? „Das weiß ich nicht“, antwortet Daum, „außerdem sind in der Kölner Mannschaft noch viele andere großartige Spieler.“ Nur Shawn Lalonde nicht mehr – er wurde suspendiert.

Ähnlich sieht das Wolfgang Brück: „Ich habe mir abgewöhnt, darüber nachzudenken, welchen Vorteil wir haben könnten. Zuletzt habe ich das in Straubing getan – die Schmerzen sind noch frisch.“ Mit 1:5 unterlagen die Sauerländer dem Tabellenletzten vor der Olympia-Pause.

Young Roosters erwarten Zulauf

Dass nach dieser auf Grund des historischen Erfolgs der Nationalmannschaft ein Eishockey-Boom in Deutschland ausbrechen wird, das wünscht sich Brück. Trotzdem sieht er die Auswirkungen vorerst zurückhaltender. „Es ist aktuell toll. Wir haben Aufmerksamkeit und Eishockey ist in aller Munde“, sagt er. Roosters-Prokurist Bernd Schutzeigel erwartet sogar einen verstärkten Zulauf bei den Young Roosters, dem Nachwuchs der Sauerländer. „Ich glaube schon, dass es hier aktuell das eine oder andere Kind eher zum Eishockey ziehen wird als zum Beispiel zum Fußball“, sagt er – und bringt damit seinen Chef auf eine provokante Frage: „Und wo sollen all die Kinder hin?“

Verbale Attacke gegen die Stadt

Damit ist der Roosters-Boss zurück bei einem Thema, das in Iserlohn bereits für reichlich Zündstoff sorgte: Die zweite Eisfläche.

Brück bemängelte in diesem Zusammenhang mehrfach fehlende Unterstützung seitens der Stadt. Mit der Olympia-Euphorie als Rückenwind sagt er nun: „Ich habe in den 25 Jahren, in denen ich das hier mache, nie das Gefühl gehabt, dass die Stadt wie eine Eins hinter dem Klub steht.“

Dann platzt ihm doch der Kragen: „Hier wird sich seit 25 Jahren darauf beschränkt, das zu machen, was notwenig ist, und herauszustellen, dass das ja schon so viel sei. Dortmund steht für den BVB, Gelsenkirchen für Schalke. Iserlohn? Die Menschen sind stolz, die Fans von uns sind stolz, die Sponsoren sind stolz – aber diese Kommune ist nicht stolz auf das, was da ist.“ Und daran ändere Olympia auch nichts.

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