Terrorgefahr

Schmallenberg wird zum Landesmusikfest abgeriegelt

Schmallenberg wird Schauplatz des Landesmusikfests.

Foto: Hans Blossey

Schmallenberg wird Schauplatz des Landesmusikfests. Foto: Hans Blossey

Schmallenberg.   Sattelschlepper riegeln Schmallenbergs Innenstadt beim Landesmusikfest ab. Terrorgefahr macht die Organisation von Festen zur Herausforderung.

Seit der Terror im Herzen Deutschlands angekommen ist, läuft die Angst sogar bei Volksfesten mit. Ein Posaunenkasten mag da mehr sein als nur ein harmloses Etui zum Transport von Instrumenten. 5000 Musiker ziehen am Sonntag, 29. April, beim Landesmusikfest durch die historische Innenstadt Schmallenbergs, mindestens noch einmal so viele Menschen werden als Zuschauer erwartet. „Der Festzug ist in der Tat eine große Herausforderung“, beschreibt Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe die Vorbereitungen. Das Ziel lautet auf gut westfälische Art: Die Sicherheit gewährleisten, ohne Misstöne ins klingende Spiel zu bringen.

Ein Jahr Vorbereitung

Fast ein Jahr hat es gedauert, die behördlichen Auflagen in ein Sicherheitskonzept umzuwandeln. 80 Seiten ist das entsprechende Papier dick. Der Volksmusikerbund NRW als Veranstalter brachte die Expertise ein, die Stadt Schmallenberg die Ortskenntnis. Unter der Federführung von Markus Risse sind das Ordnungsamt, die Kreispolizeibehörde HSK, die Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz und der Hochsauerland-kreis als Katastrophenschutzbehörde eingebunden. Über 50 Feuerwehrleute werden im Einsatz sein, dazu kommen die DRK-Helfer, ein privater Sicherheitsdienst und knapp hundert Ehrenamtliche des Volksmusikerbundes NRW.

Alle vier Jahre richtet der Dachverband der NRW-Laienmusiker ein Landesmusikfest aus; nach dem letzten 2014 in Soest war fraglich, ob das Großereignis überhaupt eine Zukunft hat. Denn im Ehrenamt sind die Auflagen nicht mehr zu bewältigen. Allein der Kreisverband HSK des Volksmusikerbundes traute sich die Aufgabe zu. Seinerzeit hatte man nur die Loveparade-Katastrophe im Nacken sowie das Unglück auf dem Schützenfest 2009 in Menden, als ein Autofahrer die Kontrolle über seinen Wagen verlor und in den Festzug raste.

Niemand hätte sich damals vorstellen können, dass so etwas Schreckliches mit Absicht ausgeführt werden könnte. Doch seither ist viel passiert auf der Welt. Das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz 2016 hat zu einer neuen Vorsicht bei Massenveranstaltungen geführt.

„Acht Lkw werden die Hauptzufahrtsstraßen zur Innenstadt absperren“, schildert Markus Risse den zentralen Bestandteil des Konzeptes. „Seit Duisburg sind auch die Besucherströme und die Entfluchtungen ein Thema. Seit dem Unglück in Menden sind die Zugverläufe stärker in den Fokus geraten. Bei Schützenfesten muss jetzt immer ein Fahrzeug vor und hinter dem Umzug fahren. Und seit dem Breitscheidplatz sind die Zufahren nochmals im Blick.“

An den acht Sattelschleppern kommt keiner vorbei, davon sind die Organisatoren überzeugt. Die Absperrungen bringen für das Publikum Fußwege vom Parkplatz mit sich, aber die dürfte jeder gerne in Kauf nehmen. Wie es jedoch in der Menge aussieht, darüber wird keine Planung Auskunft geben können. Halbe: „Wenn mehrere tausend Menschen sich versammeln, kann man nicht für alle die Hand ins Feuer legen. Bei Selbstmordattentätern hat man keine Chance. “ Rucksäcke und Instrumentenbehälter werden nicht kontrolliert. Risse: „Das richtet sich nach dem Publikum. Beim Landesmusikfest ist ein anderes Publikum zu erwarten als bei einem Hardrockkonzert.“ Halbe: „Beim Festzug gehen nur angemeldete Teilnehmer mit. Schwierig wird es, wenn man nicht weiß, was für Menschen kommen. Wir aber haben nur friedliche, fröhliche Leute.“

Imagegewinn für die Stadt

Das Landesmusikfest ist für Schmallenberg durchaus ein Wirtschaftsfaktor. Vom 27. bis 30. April gibt es Platzkonzerte, Wertungsspiele und große Abendprogramme, dazu am Sonntag den Festzug. Die Musiker kommen nicht nur aus dem Kreisverband HSK des Volksmusikerbundes, sondern aus ganz NRW, Niedersachsen, den Niederlanden und weit darüber hinaus. Die Hotels und Pensionen sind entsprechend ausgebucht. Aber für Bürgermeister Halbe steht noch ein anderer Aspekt im Vordergrund: „Die Erfahrung lehrt, dass solche Ereignisse immer mit einem Imagegewinn für die Stadt verbunden sind.“

Deshalb betrachtet Halbe das Sicherheitskonzept auch als Blaupause für die nächsten beiden Großereignisse in Schmallenberg: den deutschen Wandertag 2018 und das Kreisschützenfest 2020. Habe resümiert: „Der Aufwand ist groß, aber die Vorfreude auch. Wir freuen uns sehr auf die Lebendigkeit, die Musik in die Stadt bringt.“

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