Lehrermangel

Schulleiter in Südwestfalen sind mit ihrer Arbeit zufrieden

Laut einer Forsa-Umfrage warten auf Schulleiter immer mehr Aufgaben und hoher Verwaltungsaufwand. Dennoch würde sie ihren Beruf weiterempfehlen. Viele Stellen als Rektoren und Vertretung sind frei.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Laut einer Forsa-Umfrage warten auf Schulleiter immer mehr Aufgaben und hoher Verwaltungsaufwand. Dennoch würde sie ihren Beruf weiterempfehlen. Viele Stellen als Rektoren und Vertretung sind frei.

Hagen.   Offene Stellen als Leitung einer Schule gibt es reichlich. Drei Schulleiter erklären, was gut funktioniert und wo sie Verbesserungsbedarf sehen.

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Begehrt ist der Job offenbar nicht. Jede siebte Schule in NRW hat keinen Schulleiter. Nach Angaben des Schulministeriums sind derzeit 734 Chefsessel und 939 Stellvertreterposten vakant.

Diejenigen aber, die die Aufgabe doch übernommen haben, sind durchaus zufrieden. „Trotz aller Hindernisse sind Schulleiter hoch motiviert und lieben ihren Beruf. Fast alle gehen sehr oder eher gerne zur Arbeit. Drei Viertel würden den Beruf weiterempfehlen und 83 Prozent können ihre beruflichen Aufgaben immer oder häufig zu ihrer eigenen Zufriedenheit erfüllen“, sagt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, mit Blick auf eine von seinem Verband in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zur Berufszufriedenheit von Schulleitungen. Beckmann fügt ein „Aber“ hinzu: „Jede sechste Schulleitung sagt eben auch, dass sie ihre beruflichen Aufgaben nur gelegentlich, selten oder sogar nie zur eigenen Zufriedenheit erfüllen kann.“

Mehr Anrechnungsstunden

Verbesserungsbedarf sehen die Schulleitungen vor allem in ihrer Entlastung – durch mehr Anrechnungsstunden für das Kollegium, eine deutliche Erhöhung der eigenen Leitungszeit und den Ausbau der erweiterten Schulleitung. Zudem wünscht sich jede dritte Schulleitung den Ausbau von Fortbildungsangeboten. Und wie zufrieden sind Schulleiter in Südwestfalen? Eine kleine Umfrage:


Stefan Grade, Leiter der Fritz-Reuter-Förderschule, HagenNote für den Arbeitsplatz: 2 Stefan Grade ist zufrieden. „Es ist Ruhe eingekehrt. Die Aufregung ist raus aus der Inklusionsdiskussion. Die Eltern haben die Wahlfreiheit behalten, ob sie für ihr Kind das gemeinsame Lernen wollen oder eine Förderschule bevorzugen. Hier in Hagen läuft außerdem die Zusammenarbeit mit dem Schulträger gut. Die Stadt ist bemüht, trotz beschränkter Möglichkeiten, ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen. Der Schulträger ist für die Zufriedenheit wichtig – mehr als die Politik. Wenn Weihnachten wäre, würde ich mir allerdings wünschen, dass wir sofort schnelleres Internet bekämen und mehr finanzielle Gestaltungsspielräume für Sach- und Personalfragen. Aber es ist ja nicht Weihnachten.“



Rüdiger Käuser, Leiter des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums, SiegenNote für den Arbeitsplatz: 1-2
„Die Gesellschaft ist im Wandel – und die Schulen sind die ersten Austragungsorte. Aber sie werden dann mit diesen Aufgaben allein gelassen. Integration und Inklusion sind zwei Beispiele.“ So benennt Rüdiger Käuser die größten Probleme für ihn als Schulleiter. Daraus folgt sein größter Belastungsfaktor: „Dass ich den Kollegen immer mehr Aufgaben geben muss, auf die sie nicht vorbereitet und für die sie nicht ausgebildet sind. Und dass ich Kollegen mit wenig Möglichkeiten der Bonifizierung dazu bewegen muss, mehr zu tun als sie können.“ Wo besteht Verbesserungsbedarf? „Personal, Personal, Personal“, sagt Käuser. Zudem fordert er eine Reduzierung der Pflichtstunden. Wenn die Lehrer den gesellschaftliche Wandel stemmen sollten, müssten sie bei den Stunden entlastet werden. Dennoch liebt Rüdiger Käuser, den Job, den Umgang mit Menschen, er gestaltet gern, schätzt es konzeptionell zu arbeiten und hat ein gutes Team um sich. „Ich mache das gern, aber ich kenne Schulleiterkollegen, die sind an ihrer Grenze.“


Anne Deimel, Leiterin der Grundschule St. Josef-Bergheim, Arnsberg. Note für den Arbeitsplatz: 2+

„In den letzten Jahren sind stets mehr Aufgabenbereiche in die Schulen gekommen: offener Ganztag, Inklusion, die Beschulung von Kindern aus zugewanderten Familien, digitale Bildung“, sagt auch Anne Deimel. „Hinzu kommt, dass jedem einzelnen Kind eine individuelle Förderung zusteht, um ihm einen möglichst optimalen Schulabschluss zu ermöglichen. Die Erfüllung dieser Aufgaben ist sehr zeit- und kraftaufwendig. Dennoch hat sich die Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften und weiterem pädagogischem Personal kaum verändert.“

36 Euro pro Kind

Ein weiteres Problem: „Sehr schwierig ist in jedem Jahr, die notwendigen Schulbücher bezahlen zu können. Je Kind steht der Schule ein Budget von 36 Euro zu, was den heutigen Schulbuchpreisen nicht mehr entspricht.“ Der größte Belastungsfaktor: „In einer Schule kommen viele verschiedene Menschen mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen, Vorstellungen und Lebenskonzepten zusammen. Für all diese Menschen, Kinder und Erwachsene, fühle ich mich als Schulleiterin verantwortlich.“ Sie ist es gern und mit Überzeugung: „Das hängt natürlich im Besonderen mit dem Team zusammen. Das schließt das Kollegium, die Mitarbeiter in der Ganztagsbetreuung, die Sekretärin und den Hausmeister mit ein.“

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