Telemedizin

Schwelmer Arzt bietet Videosprechstunde an

Dr. Jörg Fränken, Hautarzt in Schwelm, in der Online-Videosprechstunde.

Dr. Jörg Fränken, Hautarzt in Schwelm, in der Online-Videosprechstunde.

Foto: Christof Köpsel

Schwelm.   Haut- sowie Hals-Nasen-Ohrenärzte haben damit begonnen, Patienten via Bildschirm zu betreuen. Davon profitieren Mediziner – aber auch Kranke.

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Der Patient sitzt im Büro. 13 Uhr. Mittagspause. Eine gute Gelegenheit, für zehn Minuten den Arzt zu konsultieren. Dr. Jörg Fränken kommt direkt an den Schreibtisch – über den Computerbildschirm. Der Hautarzt in Schwelm gehört zu den ersten in Südwestfalen, die Patienten Online-Videosprechstunden anbieten.

Die Techniker-Krankenkasse hat dieses Pilotprojekt gestartet. Seitdem müssen die Kunden dieser Kasse nicht in jedem Fall in die Praxis ihres Haut- oder Hals-Nasen-Ohren-Arztes kommen: Stattdessen sprechen sie mit ihm via Bildschirm. Das Wohn- wird zum Sprechzimmer. Die Telemedizin in Deutschland kommt voran. Im Juli dieses Jahres soll das Pilotprojekt zum Standard werden: Dann wird laut E-Health-Gesetz die Online-Videosprechstunde Bestandteil der Regelversorgung.

Datensicherheit

Der Patient von Jörg Fränken braucht in seinem Büro einen Computer samt Webcam und Mikrofon. Von den Arzthelferinnen hat er zuvor einen Termin bekommen, dazu eine sechsstellige Tan-Nummer. Damit wählt er sich über die Plattform www.patientus.de ein. Patientus, so verspricht die Techniker Krankenkasse, nutzt bei der Datenübertragung die neuesten Sicherheits- und Verschlüsselungstechnologien.

Am anderen Ende der Leitung loggt sich Jörg Fränken ein. Noch sitzt nicht jeder Klick. Und an diesem Tag gibt es dazu Probleme mit dem Ton. Es fehlt wohl noch ein bisschen die Routine, denn bisher sind es erst wenige Patienten, die die Videosprechstunde nutzen. „Vielleicht sechs oder sieben pro Quartal“, sagt Jörg Fränken. „Am Anfang ist das Mehrarbeit“, räumt er ein. Dennoch wollte er an diesem Pilotversuch teilnehmen, um Erfahrungen zu sammeln und den „Umgang zu optimieren“, wie er sagt.

Denn er hält die Online Video-Sprechstunde für „zukunftsträchtig“. Dem Patienten an diesem Tag kann er zwar nicht weiterhelfen: Ob die Muttermale, die er in die Kamera hält, behandlungsbedürftig sind – das ist über die Videoübertragung nicht zuverlässig zu beurteilen. Aber dieser „Patient“ hat sich auch nur eingeloggt, um das Programm einmal zu testen.

Keine Wege und Wartezeiten

Behandeln darf und will Ulrich Fränken nämlich nur Patienten, die bereits persönlich bei ihm in der Sprechstunde waren – und die nun eigentlich zur Nachkontrolle kommen müssten. Patienten mit Neurodermitis zum Beispiel, mit Akne, Schuppenflechte, Ekzemen. „Die Patienten sparen sich Wege, sie müssen nicht im Wartezimmer sitzen“, nennt er Vorteile. Vor allem auf dem Land, wo Ärzte rar werden und die Strecken für Patienten weit, sieht er in der Videosprechstunde Vorteile für die Kranken.

Aber auch für die Ärzte: Jörg Fränken versorgt in Schwelm vier Altersheime. Bei anderen Ärzten kein begehrter Job, weil die Besuche im Altersheim zeitaufwendig sind, aber „schlecht“ honoriert werden, wie er sagt. „Viele Erkrankungen, die Wundheilung zum Beispiel, ließen sich online kontrollieren, wenn die Pfleger im Heim mit einer Handkamera ausgerüstet wären“, überlegt Dr. Fränken.

Alles, was sichtbar ist, ließe sich in Zukunft so begutachten, überlegt Fränken. Die Bindehautentzündung beim Augenarzt, die Diabetikerfüße beim Diabetologen. „Aber“, räumt er auch ein, „es darf nicht unpersönlich werden.“

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