Bildung

Scouts wollen Talente entdecken

Es gibt schon Formen der Talentförderung an den südwestfälischen Hochschulen: Helen Mousesian (links) hat dank „Rock Your Life!“ ihre Freundin und Mentorin Miriam Hoffmann kennengelernt. Foto:Uni Siegen/ Björn Bowinkelmann

Foto: Uni Siegen

Es gibt schon Formen der Talentförderung an den südwestfälischen Hochschulen: Helen Mousesian (links) hat dank „Rock Your Life!“ ihre Freundin und Mentorin Miriam Hoffmann kennengelernt. Foto:Uni Siegen/ Björn Bowinkelmann Foto: Uni Siegen

Hagen.   Hochschulen suchen und fördern begabte Schüler. Ruhrgebietsprojekt wird ausgeweitet. Uni Siegen und Fachhochschule Südwestfalen erwägen Bewerbung.

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80 Prozent der Kinder aus Akademikerfamilien entscheiden sich für ein Studium. Wenn die Eltern keine Hochschulerfahrung haben, sind es nur 20 Prozent. Diese Differenz ist so extrem, dass die Annahme, die Talente seien eben so ungleich verteilt, gar nicht aufkommen kann. Es gibt, so viel ist klar, eine soziale Barriere. Sie zu überwinden, war Ziel eines Pilotprojekts an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Ein Talentscout kümmerte sich darum, begabte Schüler zu finden und zu fördern. So erfolgreich, dass NRW-Landesregierung und Bertelsmann Stiftung die Basis verbreiterten: Sechs weitere Hochschulen (Ruhr-Uni Bochum, Hochschule Bochum, TU und FH Dortmund, Uni Duisburg-Essen und Hochschule RuhrWest) schicken inzwischen 30 Talentscouts in rund hundert Schulen des Ruhrgebiets.

500 000 Euro pro Jahr

Und warum nur im Ruhrgebiet? Weil das die Heimat der Gebeutelten und Benachteiligten ist? Wie auch immer: Für 2017 bis 2020 dürfen sich vier weitere Hochschulen um Fördersummen von jeweils 500 000 Euro pro Jahr bewerben. Da wird Südwestfalen doch wohl laut „Hier!“ schreien, oder?

„Wir haben das auf dem Schirm und werden in den nächsten Tagen beraten, ob wir uns beteiligen sollen“, sagt Birgit Geile-Hänßel, Sprecherin der Fachhochschule Südwestfalen. „Das ist für uns ein hochinteressantes Konzept, weil wir viele Bildungsaufsteiger an der Hochschule haben, die als erste in ihrer Familie studieren und einen sehr hohen Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund.“

Auch an der Uni Siegen ist noch keine Entscheidung gefallen, aber voraussichtlich wird man sich an der Ausschreibung beteiligen, meint Uni-Sprecher Björn Bowinkelmann. Allerdings würden andere Formen der Förderung auch bislang schon erfolgreich praktiziert: Bei der Studienerkundung können Schüler ab der zehnten Klasse sowie Berufsschüler teilnehmen. Koordinatoren der Uni begleiten die Schüler über zwei Jahre, helfen individuell bei der Findung von Neigungen und Talenten, bei der Wahl eines Studienfaches. Zusätzlich gibt es Module wie Schnupperstudium oder Praxis-Seminare.

Wer bereits eine Hochschulzugangsberechtigung hat, kann mit „Brücken ins Studium“ ein maximal einjähriges Vorstudium machen. Das Programm hat den Wettbewerb „Guter Studienstart“ des NRW-Wissenschaftsministeriums gewonnen und wird über vier Jahre mit 1,25 Millionen Euro gefördert.

Auf studentischer Seite gibt es „Rock your life!“. Ziel dieser bundesweiten Initiative ist es, benachteiligten Schülern den Einstieg in den Beruf oder zu weiteren Bildungszielen nach dem Schulabschluss zu erleichtern. In Siegen begleiten Studierende der Universität Schüler der Hauptschule Achenbach durch die letzten beiden Schuljahre. Sie helfen bei der Berufswahl, bei Bewerbungen und verbringen gemeinsame Freizeit.

Begleitung über längere Zeit

Auch die FH Südwestfalen tut etwas. An allen Standorten gehen Studienberater an die Schulen. Aber Geile-Hänßel gibt zu: „Das sind reine Informationsveranstaltungen. Das Konzept, Schüler über einen längeren Zeitraum zu begleiten, wäre etwas ganz anderes.“

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