Privatier

Früh im Leben ausgesorgt - dank einer einzigen Erfindung

Michael Grzeschista hat vor 25 Jahren seinen persönlichen Sechser im Lotto gezogen. Seitdem engagiert er sich stark ehrenamtlich.  

Michael Grzeschista hat vor 25 Jahren seinen persönlichen Sechser im Lotto gezogen. Seitdem engagiert er sich stark ehrenamtlich.  

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Der Hagener Michael Grzeschista (61) ist seit 25 Jahren wirtschaftlich unabhängig. „Ich bin Privatier“, sagt der gelernte technische Zeichner.

Michael Grzeschista ist seit einem Vierteljahrhundert „wirtschaftlich unabhängig“, wie er es ausdrückt. „Ich bin Privatier“, sagt der 61 Jahre alte Hagener, „ich habe das nötige Geld, um meine Lebenshaltungskosten zu decken, bin aber beileibe kein Millionär.“ Der gelernte technische Zeichner hatte mit einem einzigen Geistes- bzw. Erfindungsblitz seinen persönlichen Sechser im Lotto. Er arbeitete in der Verpackungsindustrie und tüftelte eine Konstruktionsänderung aus, die Werkzeuge zum Stanzen von Zigarettenschachteln länger halten lässt und diese damit höhere Einsatzzeiten bei der Produktion ermöglicht. Der Nichtraucher beantragte einen sogenannten Musterschutz – kostengünstiger und unbürokratischer als die Anmeldung eines Patents – und verkaufte diesen gut. „Ich habe Glück gehabt und hatte zur richtigen Zeit die richtigen Leute, die mich berieten.“

Keine Luxusjacht an der Côte d’Azur

Michael Grzeschista hat keine Luxusjacht an der Côte d’Azur und sucht auch keine Restaurants auf, um goldene Steaks und Champagner zu bestellen. „Ich kann mein tägliches Brot bezahlen, für Kaviar reicht es nicht“, sagt er augenzwinkernd, um ganz schnell keine falschen Schlüsse aufkommen zu lassen. Er führe ein ganz normales Leben fernab jeglichen Luxus’, betont er, und verprasse sein Geld nicht: „Ich habe mir höchstens ein paar schöne Reisen gegönnt.“

Als Michael Grzeschista 1994 wohlhabend wurde und das Geld gut anlegte, musste er zwar keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen. Aber er hatte die Zeit, sein ehrenamtliches Engagement in seiner Heimatstadt auszubauen. Der 61-Jährige war unter anderem Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, Vorstand im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Schöffe an Amts- und Landgericht. Und er sitzt seit langem im Rat der Stadt Hagen – zunächst für die SPD und dann nach innerparteilichen Querelen für die FDP. Der ketzerische Hinweis auf die „Partei der Besserverdienenden“ – so wurden die Freien Demokraten zwischenzeitlich genannt – bringt ihn nicht aus der Ruhe: „Man muss sich nur Statistiken ansehen. In den Reihen der CDU und der SPD sind mehr Besserverdienende.“

Weiter aktiv in der Kommunalpolitik

Michael Grzeschista will sich für die Kommunalwahlen im kommenden September wieder aufstellen lassen. Was treibt ihn an? Er stamme aus einer klassischen Arbeiterfamilie im Hagener Stadtteil Eilpe, erzählt der 61-Jährige. „Der Staat hat mir eine solide Schul- und Berufsausbildung finanziert“, sagt er. „Ich will der Gesellschaft ideell etwas zurückgeben“, beschreibt er seine Motivation hinter seinem hohen bürgerschaftlichen Engagement.

Auf der faulen Haut zu liegen, ist nicht das Ding des Hageners: „Ich bin keiner, der gerne nichts tut.“ In den vergangenen 25 Jahren hat er immer wieder freiberufliche Nebentätigkeiten angenommen – in der Disposition einer Spedition beispielsweise oder bei Bahnunternehmen. Vor dem Termin mit dem Reporter in Hagen hat er sich in Nürnberg die Nacht um die Ohren geschlagen, um für eine Analyse des örtlichen Schienenverkehrs Fahrgäste zu zählen und zu befragen. „Man muss auch als Privatier Aufgaben haben. Das Schlimmste wäre, die Hände in den Schoß zu legen.“ Diese Haltung schließe aber nicht aus, auch einmal eine halbe Woche in den Tag hinein zu lesen – „aber das sind nur seltene Phasen. Dann muss ich wieder mit anfassen.

Es muss auch Spaß machen

Was rät er jungen Menschen, die wie er mit 36 den großen Wurf landen wollen? „Stürzt Euch nicht auf etwas mit der ausschließlichen Motivation, das große Geld zu verdienen.“Alles was man mache, müsse auch Spaß bereiten.

Michael Grzeschista ist seit 25 Jahren in der privilegierten Situation, wirtschaftlich unabhängig zu sein. Und er wird bis zum Lebensende, wie er es ausdrückt, keine staatliche Unterstützung benötigen. „Ohne Geld geht es im Leben nicht“, ist eine seiner Erfahrungen. Die wichtigste aber: „Geld allein macht nicht glücklich.“

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